Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 6 (28.10.1927)
- Date
- 1927-10-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 6 koscher ißt, und damit der Scheck aus Amerika wieder größer wird". Diese Bemühung um den größeren Scheck aus Amerika durch Unterdrückung der Chaluzlm wurde dem Hörer übrigens zweimal serviert, ohne darum an Beweiskraft für den Orientierten zu gewinnen. Allerdings schien Herr Holitscher alle Anwesenden für zionistisch völlig orientiert zu halten, zumindest setzte er ganz genaue Kenntnis der letzten Kongreßbeschlüsse und aller möglichen zionistischen Technizismen und Begriffe voraus, mit denen die Hörer — nebbich! — r^hts anzufangen wußten. Auf der anderen Seite hatte er für Sowjetrußland eitel Lob, keinerlei an ihm auszusetzen. Was geht auch diese jüdischen Hörer der so sehr den sozialistischen Maximen „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" entsprechenden Kampf Sowjetrußlands gegen die j ü d ischen Chaluzim in Rußland, gegen jüdische Religion an? Was brauchen sie von der administrativen Verschickung nach zaristischem Vorbild jener von Holitscher selbst als „edelstes Element des Judentums" bezeichneten Chaluzim nach Sibirien zu erfahren, wenn diese nur darum dorthin geschickt werden/ weil sie es wagen, diesen ihren Idealismus in den Grenzen des „freien" neuheiligen Rußland zu bekennen? Wozu sollte Holitscher davon erzählen? Er fürchtete wohl, damit sein Konzept zu verderben. Nun, das ist ohnedies geschehen. Aber die Scherben des Abends bezahlt ausschließlich der Zionismus. Hugo Schachtel (Breslau). CREDIT-ANSTALT. In der heute abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung wurde beschlossen, das Aktienkapital von 65 Millionen Schilling auf 85 Millionen Schilling durch Ausgabe von 500.000 neuen Aktien zu erhöhen, den Besitzern von alten Aktien das Vorrecht auf. den Bezug von 130.000 neuen Aktien zu gewähren und den Vorstand zu ermächtigen, im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat die restlichen 370.000 Stück an eine Finanzgruppe zu einem Kurs zu begeben, welcher höher ist als der für die Aktionäre .festzusetzende. In der nach der Generalversammlung abgehaltenen Verwaltungsratssitzung wurde der Antrag des Vorstandes, die Kapitalserhöhung sofort und auf einmal durchzuführen, angenommen. Die neuen Aktien, werden für das Geschäftsjahr 1927 dividendenberechtigt sein. Den alten Aktionären wird das Bezugsrecht in der Weise eingeräumt, daß auf 25 alte Aktien zwei neue zum Kurse von S 59 zuzü glieh 5 Prozent Zinsen vom Kaufpreise ab 1. Jänner 1927 bis zum EinzaWurigstage'entfallen. Das Bezugsrecht ist in der Zeit vom 24. Oktober bis 5. November d. J. auszuüben. Die restlichen 370.000 Stück werden zu einem entsprechend höheren Kurse an ,ein unter Führung des Hauses Goldman, Sachs & Co., New York, stehendes Konsortium, dem auch die international Acceptance Bank, New York, angehört, gegen zweijährige Sperre begeben. Das Konsortium beabsichtigt, diese Aktien durch Ausgabe von Zertifikaten in Amerika zu emittieren. Der Teilhaber Artur Sachs der Firma Goldman, Sachs et Co. soll in der nächsten ordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der Credit-Anstalt gewählt werden. Die Transaktion mit der amerikanischen Gruppe wurde durch die Firma Reitler & Co., Wien, vermittelt. (Entgeltlich.) Ein Geschenk für unsere Leser! Bei Berufung auf unser Blatt erhalten Sie von dem führenden österreichischen Teppichhaus S. Schein, Wien, I., Bauernmarkt 10-12-14, den reichillustrierteh Preiskatalog kostenlos. (Entgeltlich.) Bratianü stellt sein Interview im „Figaro44 richtig. Der Pariser „Figaro" brachte vor kurzem ein I nt e r y i,e w mit dem rumänischen Premier Bratianü, wonach Bratianü gesagt haben soll, es bestünde eine Verbindung zwischen amerikanisch-jüdischen Bankiers und dem aus Paris zurückberufenen sowjetrussdschen Botschafter Rakowski zu gemeinsamer Bekämpfung Rumäniens; die jüdischen Bankiers hatten Rakowski Geld 2ur Veröffentlichung von Schriften über die rumänischen Ju d.engreue izur Verfügung gestellt. Die rumänische Reglerungspresse veröffentlicht nun ein. offiziöses CommuniqaeV in welchem, es heißt, die Wiedergabe: dieser Stelle im Interview im „Figaro" sei vollkommen mißverständlich. Ministerpräsident Bratianü habe niemals behauptet, daß zwischen den amerikanischen Bankiers und Rakowski irgendwelche Verbindung besteht. Es ständen ihm für eine solche Behauptung auch -keinerlei Beweise zur Verfügung, und auch die allgemeine Haltung der 4. amerikanisch-jüdischen. Finanz, gäbe keinerlei Veranlassung, an die Möglichkeit einer solchen Verbindung zu glauben. Der „Figaro" hat also wieder einmal gelogen. Der frühere französische Finanzminister Klotz — Präsident des Generalrates. Der frühere französische Finanzminister L. L. Kfotz würde am 27. September zum Präsidenten des Generalrates des Departements Somme wiedergewählt. Klotz ist auch Mitglied des französischen Senats. Er war bereits mehrere Male Minister der Finanzen, ' zuletzt im Ministerium CUmenceaus und unterzeichnete in dieser Eigenschaft den Versa Her Friedensvertrag. Klotz Ist Jude und steht politisch auf der Linie Polncares. Weizmann bei Plumer. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Am 4. Oktober fand in Anwesenheit des Sekretärs der Palästina- Regierung .Colonel S y m e s eine Unterredung zwischen dem «Präsidenten der Zionistischen-Weltorganisation Doktor We i z m a n n und dem Oberkommissar Lord Plumer statt. Infolge der Mannigfaltigkeit der zur Sprache gebrachten Fragen wurde eitle zweite Unterredung vereinbart. Bei seinem Empfange in Tel-Awiw äußerte sich Weizmann: „Ich stehe in Verhandlung mit der Palästina-Regierung bezüglich vieler Fragen, die man hier berührt hat. Ich hoffe,"daß ich'in kurzer Zeit die Gelegenheit haben werde, Antwort und Bescheid zu geben. Wir machen eine sehr schwere Zeit durch. Die Schwierigkeiten, .die uns im Wege stehen, werden wir aber langsam beseitigen. Ich stelle mit Befriedigung fest, daß man in den Kreisen, der englischen Regierung und des Völkerbundes unsere Geduld und Ausdauer versteht und schätzt. In einigen Tagen wird die neue Palästina-Exekutive zusammentreten. Wir werden die Situation und alle schwebenden Fragen mit dem notwendigen Ernst prüfen. Ich hoffe, daß es uns in; den nächsten Monaten-gelingen wird, die notwendigen Summen aufzubringen, um d i e Arbeitslosigkeit. g<u lindern und damit die Krise zu überwinden." Neuerliche Einschränkung der Einwanderung. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Das Inimigrationsdepartement der Zionistischen Exekutive teilt'mit: Zufolge den neuen Einwanderungsbestimmungen der PalästinarReglerung werden neue Einwanderungszertifikate nur folgenden Personen ausgefolgt: 1. Frauen und Kindörn unter 18 Jahren von palästinensischen Staatsbürgern. 2, Schülern, die nachweisen können, daß sie in irgend einer Erziehungs- oder Lehranstalt aufgenommen , wurden und für die die Anstalt die Verpflichtung übernimmt, sie während einer Periode von drei Jahren zu erhalten und nach der Beendigung der Studien in ihre Heimat wieder zurückzubeordern. 3. Personen mit Kapital, deren Tätigkeit geeignet ist, dem Lande Nutzen zu bringen. 4. Politischen Flüchtlingen aus Rußland. Personen der vierten Kategorie müssen ihre Gesuche an die Palästina-Regierung richten. Diese Gesuche werden an das Kolonialamt in London geleitet Und dem Ministerrat vorgelegt. Bei günstiger Entscheidung kann der Betreffende das Visum auch beim Eintreffen .im Hafen Palästinas erhalten. 5. Jeder Einwandernde kann nur dann ein Visum bekommen, wenn er noch vor seiner Abreise ein Visum zur Rückkehr in sein Heimatland; besitzt. Von dieser Bestimmung sind die politischen Flüchtlinge aus Rußland ausgenommen. Der „Waad leurai" bei Colonel Symes. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Die Ver- . trtter des „Waad leuml" erschienen beim Sekretär der Palästina-Regierung Colonel Symes. Bei der Konferenz wurden viele aktuelle Fragen berührt. Unter anderem würden die Fragen der Gemeindeordnung, der Klägern a u er und der städtischen Arbelten besprochen. (Bekanntlich lehnt die arabische Stadtverwaltung die Be- , schäftigung jüdischer Arbeiter in Jedem Falle ab, was kürzlich auch zu einem Memorandum der jüdischen Arbeiter an die PalästinarRegierung Anlaß gegeben hat. — Red.) Protestversammlungen gegen das Handelsabkommen mit Syrien. In Tel-Awiw fanden mehrere Versammlungen statt, In denen die Palästina-Regierung aufgefordert wurde, das für den jüdischen Jischuw ruinöse Handelsabkommen mit Syrien zu annullieren. Die Frage der Naturalisation vor der Mandatskommission. Aus Genf wird uns geschrieben: In der letzten Session der Mandatskommission des Völkerbundes richtete der Präsident Marquis Theodoli an Sir Shuckbury, den Vertreter des englischen Kolonialamtes, die Frage, warum sich die* Juden Palästinas von der Einbürgerung fernhalten. Sir Shuckbury antwortete, daß die Juden noch Unsicherheit bezüglich der Zukunft Palästinas fühlen und nicht „die Schiffe vorzeitig-verbrennen lassen" wollen. Ein zweites Gymnasium In Tel-Awiw. In Tel-Awiw wurde ein Gymnasium für Erwachsene eröffnet. Das Programm entspricht dem allgemeinen Mittelschulprogramm. Die Leitung hat Herr S a 1 f r i n, ehemaliger Professor für Mathematik an der weißrussischen Universität in Pinsk, übernommen. Telephonverbindung Jerusalem—Alexandrien. Am 9. Oktober' wurde die Telephonverbindung zwischen, Jerusalem und Alexandrien offiziell eröffnet. Das erste Gespräch betraf einen Gratulationsaustausch zwischen den Bürgermeistern von Jerusalem und Alexandrien. Eitle groteske Meldung. Eine Anzahl englischer Provinzblätter sowie die Londoner „Daily Sketch" brachten vor einigen Tagen die Mitteilung,' daß Jam Sähib, einer der regierenden Prinzen Indiens, der bei.seinem früheren Aufenthalt in England als .Kricketepieier berühmt war, nach Ablauf der Amtsperiode Lord Plumers zum Oberkommissar für Palästina berufen werden wird. Die Regierung wolle in der Verwaltung von TeHen des britischen Reiches wieder einmal ein kühnes Experiment wageft; solche Experimente seien ihr schon oft gelungen. Zum künftigen Öberkommissar Palästinas werde einer dert mächtigsten reglerenden Prinzen Indiens ernannt werden. Als Hindu werde dieser Potentat befähigt sein, in u ^parteiischer , Weise . ein Gleichgewicht «wischen Juden, Christen-und Mohammedanern herzustellen, da er selbst keiner dieser drei Religionen angehört. Von autoritativer Seite wird die Jüdische Telegraphenagentur .z»u. der. Mitteilung ermächtigt, daß diese Meldung jeder tatsächlichen Grundlage entbehrt. ........... - ■ Ein Sohn Ben Jehudas Polizeiofözier in Jerusalem. Der bisherige jüdische Polizeloffizter für das Jerusalemer Stadtviertel •Meah-Schearlra wurde vor einiger Zeit nach Hebron versetzt. Die Juden des Viertels waren besorgt, daß. zum Pollzelcbef dieses Stadtteiles ein nichtjüdischer Polizeibeamter bestellt werden könnte, weshalb sie um die'Bestellung eines'jüdischen Pollzelonlziers ansuchten. , Nunmehr . wurde dem Ersuchen stattgegeben und Ehud Ben Jehiida, der jüngste Sohn des verstorbenen berühmten Hebräisten Elkzer Ben Jehuda, zum Polizeileiter des Stadtteiles Meah-Schearlm ernannt. Der neue Polizeikommissär Ist ein Bruder des Redakteurs des Doar-Hajom Itamar Ben Abi. Ein Araber tritt zum Judentum über. Vor kurzem erschien In der Kanzlei des Oberrabbinates für Palästina in Jerusalem der aus Aman In Transjordanien stammende Araber S a l i m u n I b n Mahmud, ein Mohammedaner, mit der Bitte, ihn in die jüdische Gemeinschaft aufzunehmen. Er erklärte, daß er seit langem schon sich mit der jüdischen Religion eingehend befasse und In ihm die Ueberzeugung gereift sei, daß die jüdische Religion die richtige und äberzwgentjste