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Die neue Welt · 1927-10-28 · Heft 6 (28.10.1927) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 6 (28.10.1927)
Date
1927-10-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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- Seile 1 DIE NEUE WELT Nr. 6 bald vermittelnd eingegriffen wird, dann droht Krieg, kein Lokalkrieg, sondern ein weitausgreifender Kriegsbrand. Es ist höchste Zeit, daß die Schlichtung <}er Angelegenheit, deren Erledigung durch die lokalen Faktoren immer fraglicher wird, der Stelle übertragen wird, die über den Weltfrieden zu wachen hat: dem Völkerbund. Ein Verbrechen am jüdischen Volke) Neuen Pogromen entgegen! Von Robert Stricker. Im Schwarzbart-Prozeß wurden entsetzliche Pogrombilder aufgerollt. Ein Morden, so grausam und gewaltig, daß es selbst in der jüdischen1 Geschichte wenig Gleichnisse findet. Un.d doch sind diese Bilder aus junger Vergangenheit nicht das Schrecklichste, was uns dieser Prozeß gebracht hat. Vergangenheit, und mag sie noch so blutbeladen und qualenreich selri, isT.doch Vergangenheit. Aber die Zukunft! Was bedeutet der Schrecken hinter uns gegeii den Schrecken vor uns? Der Prozeß'hat-uns den, Pogröm der Zukunft gezeigt! Aus den Verhandlun&en ging fürchterlich deutlich hervor, daß führende Elemente des ukrainischen Volkes unablässig bemüht sind, das Feuer des Judenhasses lebendig zu erhalten. Sie bedauern nicht was geschehen. Sie wollen, daß es sich wiederholt. Sie sagen: Der Jude war das gefügige Werkzeug der Unterdrücker des ukrainischen Volkes und ist es heute. Früher half er dem polnischen Adel und dem Zaren, die Ukraine zu versklaven, heute dient er der bolschewikischen Tyrannei. Das ist das Schlagwort und als Illustration dient die Judenkolonisation in der Krim und der Ukraine! Dem ukrainischen Bauern hat nian Boden gestohlen und Juden darauf gesetzt. Der bodenständige Bauer wird in die Fremde gejagt. Und der Jude genießt nicht nur den Raub, er ist bolschewikischer Spion und Agent, er verseucht und zersetzt die Umgebung durch Irrlehren, er zerstört, die religiöse und nationale Tradition! Die Judenkolonisation in der Ukraine ist das Sinn.bild der Vernichtung des armen ukrainischen Volkes! Ukrainer, denket daran! Unablässig und unablässig wird das gepredigt und in die Herzen und die Köpfe gehämmert! Und nicht vergebens. Wenn ukrainische Hetzblätter trium- ^JI Illltllllllltllllllf Ulli IllllfllllllllllllllllllllllillflllllllllllllllMllIIMIIlIIlIlltlllllllllllll IL^ I ZioniftifcheBezirksfektionVL VIII. 2 I Dienstag den 1. November19Z7 punkt 8 Uhr abends im Vereinsheim, H VHL, Bennoplatz la I VORTRAG | Dr. N. M. Gelber: | „Der Schwarzbart * Prozefc" § Gäste willkommen! Gäste willkommen! ^Tiuiimiiim iiiiiiiiiiiiiiiit iiiiim iiiniriiii i jiiiti iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifitiiiiiiii tiiiiiiimult^ dicken Sohlen, um groß zu erscheinen. Auch pflegten die Töchter Jerusalems ein hohles Ei mit Balsam gefüllt in ihren Schuhen zu tragen. Kam nun eine Schar Jünglinge herbei, so stampfte das Mädchen mit dem Fuße auf, die Schale zerbrach und der Duft; des ausströmenden Balsams hatte auf, die Jünglinge die Wirkung von. Schlangengif;." Dem Humor dieser Schilderung der" Jerusalemer Damenwelt kommt nur noch die Tragik einzelner Episoden aus der Zeit der Hungersnot gleich, wie jener, da ein Großer Jerusalems den Sklaven um Wasser schickt. Dei Bote kommt mit dem leeren Krug zurück. „Da sprach sein Herr: Zerbrich deinen Krug. Das Gefäß zerschellte. Und der vornehme Mann stürzte sich vom Dach seines Hauses und war tot. Und die zerschmetterten Glieder mischten sich mit den Scherben des Topfes." Ein buntes, lebensvolles Buch, stark und reich, weise, tapfer und durchaus auf sich selbst gestellt; Es wirkt schwer in den Händen der jüdischen Erben. Allztischwer. ' ' OttoAbeles. Die Klage der Tochter Jephtahs, Aus dem soeben erschienenen Schlußband „Juda und Israel" der Sammlung „Die Sagen der Juden" von Micha Josef bin Gorion, Kütten & Loening Verlag, Frankfurt a. M. ' Nach Jair kam Jephtah'der Gileadlter auf,, welcher Israel von der Hand der Ammouiter gerettet hat. Er betete zu Mizpa und sprach: 0 Herr, erhöre uns, laß dein Erbe nicht umkommen und deinen Weinberg nicht zertreten werden, sondern nimm dich der Rebe an, die du gepflanzt hast und die du aus Aegypten herübergebracht hast. Und er sandte Boten zu Giteel, dem König der Ammoniter, und Heß ihm sagen: Was sind wir miteinander, daß du zu mir kommst und Streit anfängst? Aber der Geist Gottes geriet über Jephtah, als er in den Krieg zog, und er tat ein Gelübde dem Herrn und sprach: Wenn du die Kinder Ammon in meine Hand fallen läßt, so soll das erste, was zur Tür meines Hauses mir entgegenkommt, wenn ich mit Frieden heimgekehrt bin, Gott geweiht sein und als Brandopfer dargebracht werden. phierend berichten, daß diese Agitation schon reichlich Früchte getragen hat und der Antisemitismus wächst und wächst, so ist das nicht leere Prahlerei. In Berichten der Moskauer Regierung wird oft und oft von wachsender Judenfeindschaft in der Ukraine gemeldet und Vor wenigen Tagen ist den ukrainischen Antisemiten ein Kronzeuge erstanden': Artur H o 11 i t s c Ii e f, der deutsch-jüdische Literat, der zu den Bolschewiken übergegangen, ist und ihre Lehre anpreist. In einem Vortrage, den £r in Breslau hielt, hat Hollitscher, der lange in den netten jüdischen Kolonien in der Krim und der Ukraine weilte, festgestellt, daß die Juden dort auf einem Vulkan leben. Öei der geringsten Erschütterung des bolschewikischen Systems wird dort ein J u d e nmorden angehen, wie es d i e G e s c h i c h t e n o c h n i c h t k e n n t. Seine Worte! Zynisch stellt er fest, daß die jüdischen Kolonisten eine Art Faustpfand, eine Rückendeckung der ^Bolschewiken, sind. Er sagt: Juden Europas und Amerikas merkt aut: Wenn's den Bolschewiken schlecht geht, werden die Ukrainer Juden samt und sonders abgeschlachtet. Also müsset ihr den Bolschewiken überall helfen, ob ihr wollet oder nicht! :!: Als das Projekt der Kolonisierung von Juden in' der Krim und der Ukraine mit Hilfe jüdischer Gelder unter Kontrolle Moskaus bekannt wurde, habe ich es als K a r d i n a 1 v e r b r e c Ii e n a m jüdischen Volke bezeichnet und in, Versammlungen und in der Presse seine Bekämpfung gefördert. Ich habe es als Produkt einer perversen Vereinigung zwischen j üd isc h'-amc r ika n i sc h e rn Großkapital und den Moskauer M a c h t h a b e r n gekennzeichnet. Beiden ist der Aufbau des Judenstaates nicht genehm, beide empfinden die Wiederaufrichtung der jüdischen Nation als störend. Betriebsame Vermittler haben, die Verständigungbesorgt und gemeinsam wurde dem Zionismus ein grandioses Konkurrenzprojekt entgegengestellt:- Krim und Ukraine gegen Palästina.'Als ich meine Anklage erhob und vor der fürchterlichen Gefahr, warnte, welche die Versetzung von Juden auf weggenommenem Boden, in-eine fremde, fehidliche Umgebung, und unter dem Protektorate einer . verhaßten Gewaltherrschaf t in sich birgt, ging die liebedieneris^ Presse gegen mich los und die' ziQris^schf;— schwieg sich aus. Herr Louis M a r s h a 1, der Führer der reichen amerikanischen Nichtzionistert und Protektor des Krimprojekts, antwortete üllerniütig, er übernehme die Hafjung für die Zukunft der jüdischen Kolo-ni-s* ten.; 'Ihr••S6h:icRsal sei gesichert, ob nun in, Rußläi^^^ ödef nicht. Ich --haft erihm'. dämaM%Mdfiirt,>:^ß:•^ihe^^sDlche *¥br'i- Sicherung, in London .dem^iScbreHofräulein - diktiert, wertlos sei, daß.seine, seiner Freunde, seiner Sekretäre und seiner. Journalisten Macht, so groß sie'auch sonst sein möge, gegen Volksleidenschaften in Rußland nichts, bedeute. Ich wiederhole heute meinen Ruf: Kampf dem.Krjrn~ ,und Ukrain,e-Projekt! Das jüdische. Volk da,r|,sicli nicht länger vom einzigen Lande. jüdischer Hreiheiti^von Palästina ablenken, nicht weiter, mit philanthropischen Phrasen dazu verleiten lassen, unglückliche Brüder der entsetzlichsten Gefahr preiszugeben, sie, wie der Kom- Und Jephtah sclf&ig die Ammoniter aufs Haupt und demütigte sie vor Israel. Alsdann kehrte er nach Mizpa zurück, und die Frauen .und die Jungfrauen eilten ihm entgegen mit Pauken »und Reigen; aber seine Tochter war das erste, was ihm in seiner Vaterstadt begegnete, und sie war sein einziges Kind, und er hatte außer ihr kein anderes, weder eine Tochter nöch einen Sohn. Wie er sie nun sah, zerriß er seine. Kleider und sprach: Ach, meine Tochter, wie beugest, wie betrübest du mich! Du, meine Tochter, sollst mein Verderber sein! Nun liegt für mich in der einen Wagschale die Freude über den Untergang der Feinde, in der anderen mein eigen Fleisch und Blut; was wiegt mir schwerer? Mitten in der' Trunkenheit des Sieges fügst du mir solchen Schmerz zu. Denn ich habe meinen Mund aufgetan vor Gott und kann es nicht zurücknehmen. Da sprach seine Tochter Seela zu ihrem Vater: Worüber grämst du dich denn? Schmerzt dich mein Tod, nachdem du an deinen Feinden Rache genommen hast? Gedenke unsrer Väter, gedenke der Geschichte, wie einst ein Vater seinen Sohn geopfert hat und beide, der Opfernde und der Dargebrachte, dem Herrn angenehm waren? Tu also an mir, Vater, wie du gesprochen hast. Nur eine Bitte gewähre mir, ehe, ich sterbe. Gib mir eine Frist von zwei Monaten, daß ich bete zu dem, dem' ich meine Seele zurückgeben werde, daß ich die Berge ersteige und wieder hinabgehe, auf den Hügeln nächtige und über die Felsen ziehe, meine Jungfrauschaft zu beweinen mit meinen Freundinnen, und Tränen, darüber zu vergießen. Ich will meinen Sinn kühlen über die dahingegangene Jugend, und es sollen mich beweinen. ..die Bäume, des Waldes und die Tiere des; Feldes. Es ist mir. nicht leid darum, daß ich sterben muß und daß.., mein Vater gelobt hat, mich als Opfer darzubringen; mir ist. nur Angst, darum, daß mein Opfer nicht, genehm und mein Tod vergeblich sein könnte. Da willigte Jephtah in den Wunsch seiner Tochter ein, und sie zog mit ihren Freundinnen hinaus in die Welt. Sie suchte die Weisen ihres Volkes auf und erzählte ihnen munist Hollitscher sagt, auf einen Vulkan setzen. Wenn Judenblut fließen wird, dann wird es über jene kommen, die trotz der furchtbaren Warnung des Schwarzbart-Prozesses weiterhin das unselige Krimprojekt fördern oder dulden. Die Demokratisierung der jüdischen Gemeinden in Polen. Aus Warschau wird uns von unserem N. R.¬ Berichterstatter gemeldet: Im Amtsblatt ist am Montag die Verordnung des Präsidenten der Republik vom 14. Oktober erschienen, betreffend die Ordnung "der O rganisation der jüdischen Kultusgemeinden in Polen, mit Ausnahme.der Woiwodschaften Rosen, Pommern und Schlesien. Die Verordnung bedeutet die Ausdehnung des sogenannten P i 1 s u d s k i - D e k r etes vom'Jahre 1919, welches bisher nur in Kongreßpolen galt, auch auf Kleiripolen. < Im wesentlichen wird bestimmt, daß die Juden einen Religionsverband bilden, der sich aus den Gemeindenzusammensetzt und unter einem religiösen Rat steht. Die Gemeinden fallen grundsätzlich mit den politischen Gemeinden zusammen. In die Kompetenz der Gemeinde gehören unter anderem: die Organisierung und Erhaltung der Rabbinate, die Gründung und Erhaltung der Gotteshäuser und Friedhöfe, die Vorsorge für die religiöse Jugenderziehung; außerdem hat die Gemeinde das Recht der charitativen Hilfeleistung und der Gründung von Wohlfahrtsanstalten. Die Verwaltung der kleineren jüdischen Gemeinden besteht aus einem Rabbiner und acht Räten, die nach dem allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten und proportionalen Wahlrecht gewählt werden. Die Zusammensetzung der Räte der G r o ß g e m e i n d e n wird vom religiösen Rat bestimmt. Die höchste Instanz ist der religiöse Rat, der aus sieben Rabbinern und vier weltlichen Mitgliedern besteht und seinen Sitz in Warschau hat. Der Minister des Innern kann in diesen Rat zwei Rabbiner und vier bürgerliche Mitglieder entsenden. Die jüdische Oeifentlichkeit hat die Verlautbarung dieses lange erwarteten Dekrets mit Freude begrüßt. jiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiH 1 Klub radikaler Zionisien jj H Mittwoch,.den.2. November 1927 um halb 9.Uhr H H abends findet' im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, I.;' S S Aspernplatz eine =5 | Klubversammlimg I H Gegenstand: lf ppira H Referent: ' 'S jj Dr. N. M, Gelber | H Im österreichischen Landesverbände organisierte js S Zionisten als Gäste willkommen. Zu dieser Ver-= E5 .. Sammlung ergehen keine besonderen Einladungen lllllllllllllllM m^mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm^ma^mmmm^m^mmmmmmmmmmmmmmmm von ihrem Geschick, allein keiner wußte ihr Antwort zu geben. Da" stieg sie auf das Gebirge Telag, und hier erschien ihr der Herr;in" der Nacht und sprach zu ihr: Ich habe den Mund der Weisen meines Volkes verschlossen, daß sie keine Antwort zii' geben wußten der Tochter Jephtahs; nun soll ihr durch mich Antwort werden: ihr Tod ist mir ein liebes Geschenk, denn die Weisheit aller Weisen wohnt ihr innc. Danach ging Seela, die Tochter Jephtahs, zu ihrer Mutter und warf sich in ihren Schoß. Sie zog weinend fort in das Gebirge Telag und klagte und rief: Hört, ihr Ber-ge, das Seufzen meiner Trauer; ihr Hügel seht hin auf . die Tränen meiner Augen; ihr Felsen seid Zeugen des Jammers meiner Seeje, der Seele, die dem Tode geweiht äst. Doch nicht vergeblich wird mein Tod sein. Meine Worte werden im Himmel ihre Sühne finden, und meine Tränen werden droben abgewischt werden. Denn der Vater hat keinen Streit geführt mit der Tochter, die er opfern wollte, und hat der Stimme der Fürsten nicht gehorcht, als er sein . einziges. Kind umzubringen beschloß. Ich aber soll meinen Brauthimmel nicht schauen und die Hochzeitskrone nimmer tragen; nie werde ich in den Gewändern prunken, in die die Jungfrau gehüllt wird am Tag ihrer Vermählung. Nie wird Myrrhe mein Zelt durchduften und Salböl meine Stirne streichen. Ö meine Mutter, umsonst hast du mich geboren! Deiner Töchter Trauung wird im Grabe vor sich gehen; umsonst ist die Mühe, die du mit mir 'gehabt hast. Meine schönen Kleider werden die Motten fressen, und die Blumen meines Kranzes werden welk und trocken werden. Die Bäume werden ihre Wipfel neigen über meine Jungfrauschaft, und die Tiere des Feldes werden sie zertreten, denn meiner Jahre Lauf wird gehemmt, und die Zeit meines Lebens soll im Dunkel vollendet weiden. Nach zwei Monaten kehrte die Tochter Jephtahs zurück zu ihrem Vater, und er tat an ihr, wie er gelobt hatte. Da kamen die Jungfrauen in Israel und begruben sie und beklagten sie. Und es ward eine Gewohnheit in Israel, daß die Töchter Israels 'Jahr1 um Jahr hingingen, zu klagen um die Tochter Jephtahs, des Jahrs vier Tage,

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