Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 5 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. -5 Hotel „NATIONAL" SS Restayratvt 2 Wien, II., Taborstraße 18 5?!ÄS Zentrale Lage, 9(10 Zlmmar, fließendes 111 Unter der bewahrten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Q r ti n e r I kaltes und warmes Wasser und Zentral« VorsUgllcha Wlenar, ungarische und ORIENTALISCHE) helzung. In allen Zlrhmern Telephon Hl (rumänische),KUchc. . Wienerbräu und Pilsner Urquell Schwarzbart vor Gericht. Da« Attentat auf Petljura. gehalten. Auch die Juden, die in der Tschechoslowakei als Nation anerkannt sind, haben in Prag und In Preßburg .(soweit bisher Resultate bekannt sind) ihren Besitzstand, behauptet. In Prag wurden für <lte jüdische Partei 8205 (2 Mandate), fn Preßburg 28t7 Stimmen (3 Mandate) abgegeben. Die Agudlsten' in Preßburg blieben rmlt 859 Stimmen mandatslos. Die Judenjustiz. ■ \ —y Wien, 21. Oktober. Von eini^n Richtern war:; kürzlich hier die Redei .yon dem Wiener Oberlandesgerichtsrat lieber, der (den Ausdruck „jüdische Manieren" für" straflos erklärte,- von dem Breslau er .Oberlandgerichtsrat Gellirl, der seihe'durch die "Taufe erwörbeneii antisemif^hen Allüren jn einem V/einlokal abreagierte. Die Liste ist heute durch den* Weimarer Senat zu ergänzen, der dieser Tage das Wiederaufnahmegesuchtes ehemaligen Oberstaatsanwaltes F r i e- . d e r s yerworfen hat. Der Fall Frieders war im Vorjahre'viel beachtet worden. Er' war-ein besonders krasses Beispiel für die Willkür-; mit. der deutsche rechtsgerichtete Behörden "vorgehen, wenn sie einen Juden vor sich haben. Ihre besondere Färbung erhielt .-diese Angelegenheit aber noch dadurch, daß sie einen»; ojffenkundigen. antisemitischen; Exzeß ., deckte, wobei man sich gar keine Mühe damit nahm, den Charakter der Judenjustiz zu verwischen. Der ^Oberstaatsanwalt Frieders in Weimar, ein Jude, hatte im Auftrag der thüringischen Landesregierung die Strafuntersuchung gegen den Staatsbankpräsidenten Loeb zu führen, den die Hakenkreuz-Fraktion des Landtages unter Führung Dinters des? Betruges bezichtigt hatte. Frieders kam zur, Ueberzeugung von der Haltlosigkeit der Vorwürfe und beantragte die Einstellung des Verfahrens. Seine diesbezügliche Anmerkung auf dem Akt wurde jedoch ohne sein Wissen von dem Staatsanwalt Flo'eJ, einem extremen Hakenkreuzler, ümredigiert in dem "Sinne, daß die Untersuchung kein genügendes Material ergeben habe. Dieser Akt wurde Frieders unter-: schöben, der ihn ahnungslos unterzeichnete. Bei einer Verhandlung gegen einen sozialdemokratischen Redakteur in Jena erklärte dann Frieders unter Eid, er. habe einen derartigen Antrag nient" gestellt. Darauf erstattete sein Kollege und Untergebener Floel die M-eineidsanzeige und Frieders wurde zuerst vonr Amte suspendiert, dann, am 13.; Oktober 1926 ZU' f'fi n f' M o n a t e n Gefängnis verurteilt. Der; solcherart diffamierte Mann wurde schwer kränk. Das Urteil erregte größte; Sensation, zumal sich in einem späteren Verfahren ergeben hätte, daß F l oel f ri e i n e r Ehe i r r ü ri g s'af f'ä'.r e'Vr ri e n B r i'ei gef älsc h t und einen Mein ei d abgelegt hatte. Frieders;- brachte' ein Wiederaufnähmegesuch ein. Es lag drei '•- Monate' bei der: Staatsanwaltschaft in Weßmar und wurde dieser' Tage ohne: jede Begründüng abgelehnt. Der Jude ist ehrlos gemacht und der . Völksseele ist wieder einmal ein Opfer hingeworfen, worden; Die Masse' vergißt sehr raschf die Einzelheiten schwinden ihr aus-dem Gedächtnis und es bleibt nur haften, daß der Jude Meineid begangen hat, daß'er unfähig ist, das Rechtsgut zu wahren und Träger einer öffentlichen Funktion zu sein. 'Darum.: handelt ,es'. sich'. Auf^allerlei krummen und geraden Wegen, durch Schimpf, durch Rechtsverletzung-, ••wird dem .Ziele zugestrebt* in einer Person die jüdische Gesamtheit zutreffen und , ein allgemeines: Urteil gegen sie herbeizuführen. Der Fall Frieders sehließt sich an-die Magdeburger Affäre an, bei der nur durch einen Zufall,-durch, die Recherchen eines Berliner Kriminalisten die Infamien von behördlichen Organen gegen; den jüdischen Fabrikanten Haas aufgedeckt wurden.;AHes hatte sich vereinigt, um einen jüdischen Mord zu konstruieren, Protokolle waren gefälscht, Zeugen beeinflußt, wichtige Spuren verwischt forden, nur-um der neuzeitlichen Inquisition einen Juden ans Messer liefern zu können. Die Floel und die ten Holt sind, aus dem gleichen Holz geschnitzt, sie .liefern das Material, das zur Verfehmung. der .jüdischen Gemeinschaft dient. Das einemal gelingt es, sie auf frischer Tat zu ertappen. Hundertmal aber vollenden sie ihr .Werk und dann geht die Kunde hinaus, daß sichvein Jude als Verbrecher erwiesen und daß "seine Tat aus'seiner jüdischen. Abkunft zu erklären sei, . /Der . Oberstaatsanwalt/ Frieders und der Fabrikant. Haas entstammen jüdischen Kreisen, die sich in der Betonung ihres Deutschtums nicht-genug tun können. Es sind Kreise, denen der Zusammen-, hang mit ihrem angestammten Volkstum verloren gegangen ist und sie sind bestrebt, diesen Mangel durch rückhaltlose Nachläuferei zu. verdecken. Das „Hausherren-Volk" dankt durch Diffamierung und durch, verstärkten Haß. \-. >.....IUI......MMMMM»MMMMMM««MM»MMM"* Vortrag Dr. Martha Hofmann „Eindrücke aus Palästina44 Sonntag, den 29. Oktober 1927, 8 Uhr abends Festsaal, Hotel „Continental", II. Bezirk, Taborstraße 6 Zionistisches. Landeskomitee. i^ädcbeuverelnlg. „Mirjam" Präsidium der „Wfco" »mmmimm..........miHmiiiHiiiiMimmiMiiiI Dienstag - mittags hat in Paris vor dem, S c h. w u r g e r i c h t des Seinedepartements der Pro-, zeß gegen Schalom Schwarzbart begonnen* der am 25. Mai 1926 den Hetman Semen Petljura auf offener Straße erschossen hat. Der Prozeß, für den acht Sitzungen anberaumt sind, ist über ein Jahr lang vorbereitet worden und wird das blutige Bild der Massenpogrome in der Ukraine aufrollen. Hinter den Taten Petljuras tritt die Tat Schwarzbarts zurück. Das Ist der Eindruck, den man schon jetzt, nach den ersten Verhandlungstagen, empfängt.. Den Vorsitz führt der Präsident des Seinetribunals Herr F1 o r y, die Anklage vertritt Generalstaatsanwält B e n a r d. Seine Anklageschrift, die die >,Neue Welt" im kurzen Auszug bereite am 14. d. mitgeteilt •hat, legt das Hauptgewicht auf dife politische Seite der Angelegenheit. Sie behauptet, Petljura sei für die Pogrome nicht verantwortlich gewesen, dagegen wird angedeutet, daß Schwarzbart e i ri A g e n t d e s B o Irsch ewismus gewesen sei! Schwarzbärt, den die Anklageschrift immer Samuel (statt Schalom) nennt, ist ein kleiner, sehr beweglicher Mann, blond, rhit kurz geschnittenem Schnurrbart. Er trägt im Knopfloch das Kriegskreuz. Er ist am 30. September 1888 in Smolensk geboren. Seine Aussagen sind klär und präzis, .; Er bekennt sich zu seiner Tat und gibt eine ausführliche Darstellung der Pogrome. Im Laufe des Verhörs wird festgestellt und von Schwarzbart auch zugegeben, daß er im Jahre 1908 . in Wien .wegen Einbruchsdiebstahls zu drei Monaten Kerkers abgeurteilt . worden war. 'Schwarzb'ärt erzählt darüber, daß erlm! Jahre 1908, als es ihm sehr schlecht ging, zu Fuß von Ozernowit Z n a c fr W i e n gegangen sei. In Wien lebte er in dem anarchistischen Kreis des Pierre R a im u s '(Großmann).". Er habe bei einem Kellner der Weinstube Passecker in der SiebenAster'ngasse gewohnt, -habe einrhal in dieser Weinstube geschlafen und sei, als er in der Nacht das Lokal öffnete, erwischt" und' als" Einbrecher verhaftet und auch verurteilt worden. Nach einer dem Gericht' vorliegenden Note der Wiener Polizei war Schwarzbart von'einem anarchistischen Freund, der „Peter, der Maler", hieß und 191 i bei einem Attentats- 1 versuch in London getötet würde, in das Lokal eingesperrt worden, um dort e i n z ub r e c h e n. Schwarzbart entnahm der Kasse 143 Kronen und schob sie dem draußen wartenden „Peter" hinaus, der mit dem Geld davonlief. Schwarzbart wurde verhaftet, während :sein Freund entkommen ist. Das Geld scheint zu a n a r c Ii i s t i s c h e n Zwecken verwendet, worden zu sein. - . Im Laufe des Verhörs kommt es auch zu-einer interessanten Auseinandersetzung zwischen dem Verteidiger T o r. r e s und. dem-Staatsanwalt über die Haltung Jabotlnskys zu Petljura. Torres verliest einen. Brief Jabotinskys, in.',welchem dieser den Hetman Petljura für s c h u 1 d.i g an, den Pogramen erklärt. Der Anklagevertreter hingegen beruft sich auf einen Artikel Jabotinskys aus einer früheren, Zeit, in welchem nur eine indirekt e Schuld Petljuras behauptet wird.. Der Verteil diger beantragt deshalb, Jabotinsky als Zeug e n z u 1 a d e n, was auch geschehen wird.. Am Sphluß der Vernehmung des .Angeklagten kommt dann seine angebliche Zugehörigkeit zum BoU schewismus in Frage. . Schwarzbart bestreitet dies energisch. Es, entwickelt sich die folgende Diskussion:; Präsident: Wie können Sie beweisen, daß die Pogrome, von 1919 das Werk Petljuras gewesen sind? v Schwarzbart überlegt einen Augenblick, dann erklärt er: „Sofort nach der Revolution/ wurde die Ukraine zuerst von der Radazentrale, dann von, Petl* iura verwaltet. Sofort brachen die Pogrome aus.*5ie sind übrigens keine Neuheit. Seit Jahrhunderten wüten die Pogrome in diesem Tale der Asche und der Tränen.** . Schwarzbart erklärt danri wie er in die Häuser eintrat, in welchen J u de n m a s s a k r i e r t, d i e Frauen ge sc» ä n d et u n d d i e Kinder verstümmelt worden waren. Hier greift der Präsident wieder ein: „Wollen Sie aber Petljura für dieses Verbrechen verantwortlich machen? Antworten Sie auf meine Frage!" Schwarzbart: ,yE r hat sie fortwährend geduldet." Präsident: „Aber bisher haben Sie behauptet, daß er sieinspiriert habe.", Schwarzbart: „Das ist doch d a s s e 1b e."■ ' Präsident: O nein, keineswegs.; Es ist außerordentlich. schwerwiegend, was Sie da sagen. Manv wird nämlich Zeugen hier auftreten sehen, die an der Hand von einwandfreien Dokumenten beweisen werden, 'daß Petl'jüra" immer versucht hat, die Juden zu schützen, daß zah 1 r eic h e R ab b i h e r Schritte bei ihm unternahmen und ihm für den Schutz dankten, den er den Juden angedeihen ließ." Schwarzbart läßt sich durch diese Erkläruligen nicht irre machen.'„jawohl",, ruft er, „Petljura liebte die Juden so, daß er sie in den Himmel schickte." Die Armee Petljuras hat doch zu nichts anderem als dem Judenmord gedient. Die Geschichte von Petljura ist die Geschichte - von- Pontius•■•Pilatus;* d e r si.c h d i e H ä n d e i n. U n s c h u 1 d was c Ii t. Nach außen hin konnte man glauben, daß er die Massakers verurteÜe, in'Wirklichkeit hat er pe aber stets erlaubt. Die Journalistentribüne des: kleinen Saales ist überfüllt. . Die gesamte jüdische Presse - sowie die großen Blätter Amerikas und Englands sind :vertreten. Zum Prozeß sind 120 Zeugen, geladen, darunter Ma- 'xfnr Gorki,,-Alber:tiiEinstein,'iBernard:Laca (der Tm Vorjährdie Ukraine bereist 'bat), der katholische Demokrat Marc Langnier, Leon Blum, die gewesenen Petljura-Minister Schulpin, Martos, Mazeppa und Slawinski. Auch; Trielirere Angehörige von Pogromppfern sind 'anwesend.. Der .Zivilvertreter der .-Familie -Petljura ist der Advokat Zdisky Poznanski aus War* schau, e-in getaufte^. Jude. •. Eine Erklärung Jabotinskys. Wladimir jäbö'fin$ky veröffentlichf• in der>;Pariser Presse einen Artikel, in'welchem er sich schärf dagegen Wehrt, daß er von ukrainjscher Seite als Gewährsmann für'Petljnr'as -Unschuld an den- Pogromen ins Treffen geführt -wird. Jabotinsky meint, die Tatsache, daß er'/Ä'dem,Ukrainer STawIriski über die Bildung einer j ü''d i:sc'h e n Selbst wehr zur Bekämpf ung. der Pogrome verhandelt hat, bedeutet nicht, daß er Petljura für nicht verantwor11 ich hielt Pe11 jura hät es während s e i n e, r g a n z-e n R e g i e r u n g s z e i t g e d u 1d e t,' daß t ä g l i "ch -Vta ir s'e n d e J u d e n a b g eschlacht e t w u r "d e n,. Nie hat er etwas unternommen, um den Wüterichen in die; Arme zu fallen oder Schuldige zu bestrafen. hat er selbst die V er a n.fwo'r t.u n g für jeden Tropfen vergossenen jüdischen Blutes aüf sich geladen. Uebrigens wurden ja auch die jüdischen Selbstschützorganisationen v o n den ukräindscheh Soldaten vernichtet Ich bin, schließt Jabötthsky,' ein Freund der ukrainischen Bewegung," aber nicht jener Ukrainer, die glauben, daß ein Pogromheld ein Volksheld ' sein kann. (Wegen des Vertrages mit Slawinski War seinerzeit Jabotinsky in der jüdischen Presse s e h r s'c h a r f angegriffen Wörden.) ve rband der jüd. Koufleute u. GPwerbßlrßlben de | Dianstag, SS« Oktober, halb 8 Uhr abends findet im Caf 4 Palece, Mariabilt'erstr. 9.9, ein Vortrag des Herrn Dr, M ti 11 e r Sekretär d«s Grem ums der Wr. Kaufmannsoliaft;\,.. woqt . ....;.. Die tiande spol t sithe Situation im Kaufmannssfän i Hl statt Anooöließead Ausspruche aber l-': Ziel und Wege des Verbandes der jüd. Kaufleute und Konstitution der Mariahilf er Geschäftsstelle III GÄSTE HERZLICH WILLKOMMENI ||