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Die neue Welt · 1927-10-21 · Heft 5 (21.10.1927) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 5 (21.10.1927)
Date
1927-10-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Groschen V. b. b. DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2<—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6*—, vierteljährig Kc 15 —; Jugoslawien, monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire W.—; Schweis und die übrigen Länder motv.Hdi Schwober Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Tranes 4.50. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKE? Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6r-8. Telephon: 25-2-82. — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 1 Freitag, den M Oktober 1927 Nr. 5 Aus dem Inhalte: MinisW Benesch über den Judeustaat. —y: Die Judenjustiz. Dr. Fritz L ö w e n s t e i n, Jerusalem: Brief aus Palästina. Schwarzbart vor Gericht. Dr. Otto A b e 1 e s: Tagebuch eines jüdischen Knaben. Dr. :N. M. Gelb er: Rüben Ascher Braudis. Schalom Asch: Sami. Bei den Juden in Tunis. Dr. Sanel Beer: Ueber Halskrankheiten. Mitteilungen des Verbandes jüdischer Kaufleute. 'Jüdische Sport- und Turnbewegung. Austritte aus dem Judentum. 'Jüdischer Humor. Die ^Zauberin von Kastilien. An unsere Leser in . Wien und den österreichischen Bundesländern! Wir haben unseren Lesern Bestellkarten und Erlajgscheine züg^sandt;;:^ir ersuchen ün£yrngeheo^ undf fferlägscheineiy da wir ' söhstl genjöiigt - <ft&r'*h, die- Weitere.; Zusendung, unserer; /Re_yue..einzustellen. . % ":-, -v \ . .r *: RUNDSCHAU. .." Minister Benesch über den Judeustaat. Die Gesellschalt France-Palestine; der: eine große Zähl französischer Staatsmänner, Gelehrterv und Sdiriftsteller. angehört, hat mit der Herausga%':-e|ries eigenen Organs „Palestine" begonnen. Die erste Nummer enthält Beiträge vom Präsidenten 'der? Gesellschaft Justin'Go da r d, vom früheren Oberkommissär für Palästina Sir Herbert S a m u e 1, vonj Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation Dr^ Giiairh W eizma n n und vom Außenminister der Tspheclioslowakei Eduard Be n esc h.Minister Benesch sagt in seinem Aufsatz,; daß eines der konkretenrfeß_iiltate;des. Weit: 'krieges die Verbesseruffg der Lage der Juden sei. Noch-ist die Lage der Juden, in vielen Ländern feiend, ja verzweifelt. In zweifacher Hinsicht ist jedoch ein Fortschritt .zu verzeichnen: erstens^ hat der inte rna t i o n ale S c hu tz d e r. Min o rit ä t en auch d en J u den; vitf:l,e.«-Vo r tei:ke,gseb r ach t; zweitens, wird das historische Ideal der Juden, die Errichtung : einer jüdischen. politische!!;Eitilieit;in .Palästina it^ter.'einer-unabhängigen Verwaltung, durchdas: von Großbritannien verwaltete Mandat, verwirklicht. Das Mandat ■: bedeutet, nicht'; die yölWge^Realisierung^ der äjten ' WUnsche,-; ein großer: Schritt nach vorwärts ist jedoch 'getan: Z u mindejs,t-/ is t' d,e;r G r u nds 10n z.u m k ü n f t i g e n j <ü di.s c h e 11 S t ä a t g ele g>t. Bewundernswert ist das hohe Maß an Idealis- Intelligenz lind Energie, das von den Juden aufgebracht wird. Die1 jüdischen Pioniere, haben Ungeheures .geleistet. Öie Tscliechöslowajcej, die eine beträchllicjie; jüdische. .Minderheit;' 'beherbergt, dieser . j\^^rheit' vvdUe^ejcfibereclitigung gewährtund , 'aji<S>W#s's£^;iie5b^äi$c'|ie:$^ S^pjktftje cjje^ntwickJu^ in„ Paiasöha, an. welchem aitelrdie bilden, derVTschecho-,; slj?;vyäker Anteil nehmen. Minister Beriesch gehört t zu; de^weiijgen' sympathischen Politikern 'von. inter-; )$ti<>n$$r/Bedeutung, die. $$.;%erstehen, ihreSn^Yoifo; Ubu/j^.piMsr^q^ zu idigueii und sich' däbei :von < [0aüjnh\§tkQhQn fTenderizeiv' von der Hetze gegen anjäer^r|atioueh' fjern£uhal$h. Seine freundliche und■ vorstäH4.i*isvolle'''Haliiitig'zifth*'ZtÖti'isittus ist eirt .Pro-' dukt seiner politischen EntwickJtHig. Br ist aus der. Schule M a s a r y <k s her vorgegangen, des großen Judenfreuiides, der seit dem Entstehen der jüdischnationalen Bewegimg treu zu. ihr gehalten hat und in Zeiten höchster Gefahr'an1 der Seite des jüdischen Volkes zu finden war. Benesch war als Mitarbeiter Masaryks dabei, als die Friedensverträge und mit ihnen das Palästinamandat; beraten und entworfen wurden.: Wenn dieser Mailn/ daran erinnert, daß damals der J«denstaalt verlangt wurde und 'das Mandat als Grundstein: des >$-'ii d *e n s t a a t e's gegeben wurde, so ist das vyertvoll. Es ist. das eine Antwort an jene Gegner, welche heute an dem Palästinamahdat drehen und-döuteh),. welche es verkleinern wollen, aber auch eine beredte Mahnung, an jene Zionisteh' gerichtet, die aus'^ Schwäche am Judenstaatsgedanken yerzweifeln undr daran vergessen; daß es allein der Jüdenstaatsgedairike ist, welcher dem Zionismus" Größe und Bedeutung verleiht. Macht nichts, der Jude wird geprügelt. Was haben die. Juden von Mihalovce in der Slowakei mit Seiner;Erlaucht Lord^Rot'liermere in Londöri zu tmi? Nichts.'-So dachten die;Juden voii Mihalovce und wir; .und die; gärfz£ Welt, bis; yqrigc Woche. Ebeninvdcr vorigen-; Woche : W'Urde. uns allen das Gegenteil „scidagkräft^g" bewiesen^.';Edier Volkszorii: brach über' die: Mi'haloveer Juden Jiernieder, und-sie -bekämen- ,Rr.üge£ wegen -l^rd^^hermere.^ +Der besägte britische; £delmensc;h' ist näinlich -in. ^feiner- ■ VeiJdau^ •; üngspause -zwischen Beetstea^elph' ütid: Golf spiel vatif dib erliäbenf iuid für ihn meh, daß mäh; deü .;;ia'rmeh ^'Üngarn'':''d;ie r':Slöwä'kei: zürückgeben soll. Er ließ dieses. Produkt schöner'' Seelenr.egungen; und eines giiten Frühstücksdurch seine "Blätter - yero'reiten. Darob heller Jubel in Budapest. Üugärri1 soll die Slowakei, die ihm durch; 'den Verrat der verfluchten Juden geraubt wurde, wieder bekonir inen. Neun 'jaiire hat Ungarn seine Juden; für. den Verlust der Slowakei geprügelt. Endlich ein Resultat! Ebenso' heller Zorn in, der Slowakei. Mau will uns wieder den magyarischen Schindern ausliefern! Protestvejsgmhiluiig-eii.. Irgend etwas muß geschehen. Lord Röthermere ist weit,, die Juden sind näh. Also ging man hin und prügelte die Mihalovcer Juden. Die reiben sich jetzt den Buckel und fragen: „Wieso?" Sie verstehen eben-nicht den Sinn der jüdischen Geschichte, ' Ein guter Einfall, der zu spät kam. Im September 1921 befand sich Herr. Alois Klein in Oppeln, seines Zeichens Kaufmann, deutscher Patriot, Hakenkreuzler und Mitglied des nationalen Selbstschutzes, in höchster Aufregung. Wut über den Verlust Oberschlesieiis an Polen,-Aufstand im Land. Was tut ein deutscinuitiohaler Patriot in seinem heiligen Schmerz? Er gehtvin den. frommen deutschen Wald und klagt den deutschen Eichen sein Lied. Also ging Herr Klein •1nr-de.h;;l.Wal;d,;' aber «er. begnügte sich" nicht damit, pätridtisclie Klagen in die Luit zu reden,, sondern'lauerte dort zwei ihm bekannten, begüterten jüdischen Kohleiihändlern;. David K i r s c h bau m und Max R eg 'e n, aiif, cranordete sie und nahm ihr Geld an. sich; Wohl als; kleine Entschädisung für den ganzen Raub, den Ehgland und Frankreich ain armen deutschen Vaterlandbegangen hatten. Aber die toten Juden stanken zum -Himmel, die Sache kam auf und Klein wurde eingesperrt. Er leugnete. Sechs Ja'hre ging die Sache. ■ Bei: Hakenkreuzlerh ist die deutsche Justiz ■geduldig.: Erst< jetzt, im Oktober/ 1927,vfar|d> die ■ Verhändjungvi,staft" und <m; seinem ^Bedaüe'r-ii;-? mu;lte dgr Ge^ch^ljofrrfe^tste'jllen^däiS' Jd'ef BeXveis;; gegeir Klein lückenlos <geschlossen. sei. Da spräug"?K1ein :aitf und. erldäfte, er;hätte wohl'{die:;Jiu d^e'h^evns c-h'l ä'gen, äb^rvh'iijr, w eil' sie Wo c.hWie;r.r ält e r undf S plb n e^w.a r e n!\Das Geld habe •eru;auch genöir»*" me,u. 'Kkpx: was •bedeutet'-' ein solch* kleiner Mißgriff, wör^redet, über solclie- Klcij^kei^^wehii es tim die Rettung'; des Vaterlandes ge^t! ^pjl^ni^e)digen Vp|- wurfes .fragte ihn "der' Vorsftzen^ Iw|rum er erst jetzt;vdäs;alles erzalile^ Wäruin iMU Mtm? Zn spät. Die' Geschwonieu sm-jfchen ihr, oSchuklig", doch beauftragten sie den Gerichtshof, die Begnadigung durchzusetzen,. Herr Klein kam mit seiner guten Idee etwas zu spät, aber noch schimmert ein Hoffnungsstrahl. Noch hängt' er nicht. Für solche Fälle gibt's kleine, niedliche Amnestien. Wenu's normal geht, marschiert Herr Klein in einem Jährchen frisch und "gesund im Festzug des „Stahlhelm" oder „Wehrwolf". Die Abberufung Rakowskis von seinem Pariser Posten als Vertreter der Sowjetregierung ist. zur Tatsache geworden. Das ist eines der erstaunlichsten Ereignisse, die Affäre an sich und ihr Ende, das nach den Erklärungen Briands und Tschitscherins ein definitives ist. Rakowski war plötzlich von der nationalistischen: Presse wegen der Unterfertigung eines Aufrufes der Kommunistischen Internationale angegriffen worden. Der Aufruf, der das Proletariat*, aufforderte, im Fälle eines Krieges gegen Rußland zum Feind überzugehen, datierte schon ein Jahr lang zurück., Die Kampagne erfolgte im direkten Anschluß an die Londoner Arcos-Affäre. Das Erstaunliche war nun nicht etwader Aufruf selbst, auclr nicht "die U.nterfertigung1 durch den Gesandten. Ini-Weltkrieg haben Diplpmateii noch ganz andere Dinge fertig, gebracht.-vAl?er. ^alcowski,''bestritt, .':daÄ--Man5lftst iezeichnet.-iuhab.eii; .und ■ - seine Regierung: ließ^ iijff 'j\acli einem ^ziemlich;-erregten NptenwechseL fairenk Moskau-deckte' seinem nicht und es' ist \ypji>{ zum erstenmal ^Icr* Fall zu verzeichnen, ,daß ein Itls^ariige'r': ^Vertrejter von einer Zeitungskampagne weggerafft wird, r, Die Mpskauer Regierung - ist un^ sicher .geworden und:sie. empfindet es seibs^/d^sre.^ ihre Zweideutigkeiten nicht mehr so ungeniert fortsetzen kann. Sie hat es nicht mehr wagen koi;.h;en, eirte Tat zu verteidigen, die gegen die internationale Loyalität verstößt. .■ ■ ■ \ : Der Kirchenstaat steht wieder in Diskussion: Zwischen der Kurie utä der römischen Regierung ist eine Verhandlung- -angesponnen worden, dieaufydie Reform der Garantiegesetze vom Jahre 1870 hinaus^ geht, die bekanntlich die1 Einschränkung des Vatikans auf Rom beinhalten/ Bei den gegenwärtigen Besprechungen handelt es sieh um die Gewährung eines ans Meer reichenden kleinen Territoriums als 'Alis- . .druck einer erweiterten Souveränität des Papstes. Da der Fascismus seine Bereitwilligkeit zu einer solchen Lösung zeigte wird der Kirchenstaat vielleicht schon in | Kürze aufgerichtet werden. Für die internationale Politik ist dies von sehr hoher Bedeutung, da der solcherart begründete neue Staat aiiclt die Vertretung im Völkerbund anstreben und Wohl auch erreichen wird. K\ ' Der albanisclte Gesandte in Prag, Zena Beg, ist,von einem konnatiphalen Studenten ^erschossen worden. Der Täter, der, aus Rom nach Prag, gekommen war, gibt a% er .habe den Gesandten wegen des : Verrates seines. Vaterlandes an Jugoslawien: bestrafen wollen. DerH Mord; lenkt -wieder die Aufmerksamkeit au.f. einesf der unglücklichsten Länder, auf den letzten Rest" des . orieut^lischen; Fe.uda(ismus/ in Europa. Albaniens »angebliche. , .Unabhängigr>eit ist; eine Schöpfung der europäischen Intrigendiplomatie. Die Entwicklung der letzten Jahre ist aber auch ein Beweis für die Unfähigkeit der Großen, geordnete Verhältnisse zu schaffen. Sie gehen von der Vergiftung auf und kommen zum Mord. Die Gemeindewahlen in der Tschechoslowakei. Am 16. Oktober haben ihr den größeren Städ.ten-rder Tschechoslowakei(tiirtd i in< den-,inejsteh' Ländgeth^in- . deii die Wahlen der; Qrtsvertreturigen stattgefundetii ^ObzAvar diese -Wahlen 'nicht,das'.'ganze Gebiet der Republik umfaßten," war doch der Ausgang miV"großer Spannung erwartet worden; es waren die: ' . ersten;Wahlen .nach1 der^;Bildun,g der deutsch-tschechischen Regienuig, uhd;es. sollte sich' zeigen, wie die Wähler- •|^fhdehkt. Der. neue Kurs,ist;nun bestätigt.:worden, |ljd. es ist insbesondere hervorzuheben, daß die;, natpnaldemökratische Partei, die Partei, des bürge> liehen Imperialismus, zurückgedrängt worden ist. E£e Parteien der Regierung haben sich im großen ganzen

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