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Die neue Welt · 1927-10-14 · Heft 4 (14.10.1927) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 4 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 4 DIE NEUE WELT Seite 9 Wer Dario Rappaport ist. (Einige biographische Daten, die der Oeifentlichkeit vorenthalten bleiben.) Der erfolgreiche junge Maler Dario Rappaport, einer der gesuchtesten, bestbezahlten Porträtisten der neuen und alten Welt, — die neue, die in Dollarwährung zahlt, geht voran —, hat sich kurze Wochen kr Wien aufgehalten und wurde von Interviewern belägert. Er sprach viel und fleißig mit ihnen. Von seinen Studienreisen im Orienit und in Holland, von Reinhardt und von Rom, von den amerikanischen Verhältnissen und insbesondere' auch. davon, daß man den Kunstsinn und Geschmack der City ,von New-York weit unterschätze. (Er hat gerade die Koffer gepackt, um in sein New-Yorker Studio m reisen.) Einer der Interviewer fand, daß ihm seine Eltern intuitiv den schönen Vornamen Dario gegeben hätten, gleichsam in Vorahnung seiner künftigen Künstlerläufbahn. ' . . , Da nun der wirkliche Entwicklungsgang des berühmten Malers in keinem dieser Gespräche geschildert war, sei hier einiges ans Rappaports Biographie nachgetragen. Er heißt bürgerlich David und kam als Sohn frommer chassidischer Bitern in Brody zur Welt. Als Boris Schatz, der Gründer und Leiter der Kunstge.werbeschule „Bezalel" (Jerusalem) auf einer seiner Propagandareisen in Brody weilte, machten ihn dortige Zionisten auf den Knaben aufmerksam. Schatz erkannte die. .ungewöhnliche Begabung und alsbald wurde David Rappaport nach Palästina geschickt und erhielt in der zionistischen Kunstgewerbeschule „B e z a \ e 1" seine erste Ausbildung. Später sorgte Schätz dafür, daß der Hochbegabte zur weiteren Vervollkommnung nach Wien ging. Es waren schwere Jahre, der Junge verfügte über keine Mittel und die zionistisch e n Studenten ■aus seiner Heimatstadt nahmen sich Rappaports während der ersten Wiener Zeit in jeder Weise an. Er hat sodann einen rapiden Aufstieg genommen, ist der Porträtist des Papstes und Mussolinis, des Präsidenten Coolidge und George Clömenceaus geworden. Er hat Talent und Ellenbogen, und er s.agte einem Interviewer: „Heute hat das Herz zu schweigen. Man muß seinem Gehirn leben.. . ." Schön. Aber deshalb hätte Rappaport nicht verschweigen müssen, daß die Grundlage seiner erfolgreichen Malerlaufbahn im „Bezalel" gelegt wurde und 4aß er Erez lsrae 1 manches zu verdanken hat. Auch .den; Zionisten. Er hat jetzt vielfach Gelegenheit, für Palästina zu wirken und seine Dänkespflicht abzutragen. .Aüch in diesen zahlreichen Interviews wäre der Hinweis auf diese palästinensischen Lehrjahre angebracht und dem Lände nützlich gewesen. Er hätte die palästinensisclie'Stndäenzeit nicht verschweigen müssen, nicht verschweigen dürfen. Eine Ausstellung jüdischer Kunst . Die Aasstellung jüdischer Kunst, wie sie aus Anlaß des Jubiläums der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfur t a. M. gegenwärtig im dortigen Kunstverein gezeigt wird, stützt sich auf ein Material, wie es in dieser Form wohl erstmalig dargeboten wird und gleich qualitätvoll kaum in einer anderen Stadt, außer Frankfurt, gezeigt werden kann. Ganz frühe hebräische Handschriften und Drucke wechseln mit Kultgegenständen der mannigfachsten Art, alle ausgesucht in der Schönheit ihrer Formengebung. Glanzstücke sind: der silberne Thoraschmuck, der reich gedeckte Sedertisch und die einzig in ihrer Art dastehende Sammlung jüdischer Trauringe. Neben diesen Originalen ist nicht weniger interessant und anziehend das an den Wänden untergebrachte AbbildungsmateriaL welches Synagogenfranten der Antike, des Mittelalters und des Barock von innen und außen zeigt, desgleichen die Aufnahmen russischer Holzsynagogen, welche Harry Goldschmidt im Einvernehmen mit dem Oberkommando Ost während des Krieges besorgte, und die zürn erstenmal hier der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden. _ Die Jüdische Bühne wieder in Wien. Die Jüdische Bühne ist von dem erfolgreichen dreimonatlichen Gastspiel aus Karlsbad zurückgekehrt und hat bereits die neue Spielzeit in Wien (Hotel Stephanie, Taborstraße 12), begonnen. Samstag den 15. Oktober Erstaufführung wDie Kaukaser Liebe". Sensationelle Ausstattung! Sonntag, 3 Uhr Nachmittagsvorstellung bei freiem Eintritt. Abends „Die Kaukaser Liebe". Mäßige Eintrittspreise. Montag, Dienstag, Mittwoch „Die Kaukaser Liebe" - Donnerstag ,yBar Kochba". Jüdische Künstlerspiele im Theater Reklame, H.,Praterstraße 34. Freitag den 14. und Samstag den 15. Oktober findet.die Aufführung des Lebensbildes „Mosenke Latutnik" mit Gesang und Tanz von William SIgall, um 8 Uhr abends statt. In diesem Stück treten Berta Liebgold und Salomon L i e b g o l d als Gäste auf. — Sonntag den 16. und Montag den 17. Oktober gelangt die Lustspieloperette „Die schöne Amerikanerin" von A. Schorr, Musik von J. Rumschinsky, zur Aufführung. In diesen Vorstellungen treten die neuengagierten Mitglieder Max Ze 1 niker und Jakob Feldbaum zum erstenmal auf. In der Titelrolle Frau Berta L i e b g o I d. — Beginn 8 Uhr. Oer schwedische „Dybuk". Die Direktion des Stockholmer Oscari-Theaters (Brunius-Ekmann) hatte es unternommen, die dramatische Legende Salomon Rappaports (unter dem Pseudonym A n - S k i) dem schwedischen Publikum vorzuführen, in einem Lande mit 6500 Juden. Aber Stück und Aufführung hatten beim Publikum, und Presse einen einstimmigen, starken Erfolg. Der Hauptanteil gebührt dem ausgezeichneten Londoner Regisseur Robert Atkiris, der eine Inszenierung von glaubhafter Wirklichkeit dieses mystischen Spieles „zwischen zwei Welten" geschaffen hatte. Eine schauspielerische Höchstleistung war die Lea der Inga Tidblad. Todesfall. In Linz a. D. starb am 8. d. Herr Egon Kafka, der in den Gründungs jähren des Keren Kajemeth Jisrael als Vertrauensmann fungierte. Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Angebote und Nachfragen. Liste XL Nachfragen: 1057 Firma in Utrecht sucht Schleifscheiben. 1058 Firma in Bulgarien sucht Feuerzeuge. 1061 Firma in Konstantinopel sucht Kunstseide. 1062. Firma in U. S. A. sucht geschliffene Tafelgläser. 1063 Firma in Mailand sucht Textil- und Appreturmaschinen. 1064 Firma in Saloniki sucht Baumaschinen. 1066 Firma in Chisinau sucht Müllereimaschinen. 1068 Firma in Turda sucht Vertretung in Textil- und Kurzwaren. 1069 Firma in Oswiecim sucht Linoleum, Segeltuch usw. 1070 Firma in Turin sucht Kautschukstampiglien. 1071 Firma in Paris sucht Vertretung in Textilien. 1074 Firma in Montreal sucht Sonnenblumen-, Kürbis- und Hirsesamen. 1075 Firma in Kandia sucht Schweinfurtergrüii. 1076 Firma in Rumänien sucht Verbindung mit Werkzeugstielerzeugern. 1077 Firma in Belgrad sucht Baumwoll-iEkrüstoff. 1078 Firma in Elberfeld sucht Goldfiolen zur Goldprägung. 1079 Firma in Barmen sucht Zigarettenpapier. 1081 Firma in Wien sucht Vertretung in Kunstseide. 1082 Firma in Rotterdam sucht Verbindung mit Liefe- ' ranten von Baumaterialien. 1083 Firma in Wien sucht Vertretung in Kartoffeln und . Agrumen. 1084 Firma in London sucht Vertretung in Neuheiten und Raucherartikeln. 1085. Firma in Malta sucht Zündhölzchen. 1086 Firma in Denver, U. S. A., sucht Vertretung von Massenartikeln (Porzellan-Nippessächen). 1088 Firma in Frankfurt sucht Vertretung in Strickwaren. 1089 Firma in Habana (Kuba) sucht Vertretung in Wäsche und Krawatten. 1091 Firma in Heldelberg sucht Schreibgarnituren in echt Marmor. 1092 Firma in Mailand sucht Stehlampen und Lampenschirme. 1093 Firma in Sofia sucht Kälbermagen. 1094 Firma in Essen sucht geschweißte Gasrohre und . nahtlose Siederohre. 1095 Firma in Lodz sucht Maschinen zum Spinnen von Mauila- und Kölonlalhanf. 1096 Firma in London' sucht Gesimse aus Eichenholz. 1097 Firma in Bremen sucht Kunstseidengarn für den Export. 1098 -Firma in Hamburg sucht Hundehalsbänder für Export nach Indien. 1099 Firma in Bukarest sucht Vertretung in WoIItuchwaren. . ' 1100 Firma in East Gamden sucht Schuhe. M01 Firma in Waterburg sucht Reißbrettstiften. 1102 Firma in Frankreich sucht Bilderbogen, Briefpapier und Bureanartikel. 1103 Firma in Amerika sucht Verbindung mit Finnen, die künstlichen Marmor herstellen. 1104 Firma in Birmingham sucht Spiegelrahmen. 1105 Firma in Wien sucht Vertretung in Kurz- und Galanteriewaren. 1107 Firma in Fischern (Tschechoslowakei) sucht Wiener Schuhe. 1108 Firma in Zagreb hat Bedarf an Weißbleoblithographiemaschineri. : 1139 Firma in Genua sucht Vertretung einer größeren Holzfirma. 1110 Firma in Turin sucht pharmazeutische Apparate. IUI Firma in Tcschen-sucht Pfeifencinlagen aus Papier. 1112 Firma in Paris sucht Vertretungen in Fellen. 1113 Firma in Wien sucht Vertretungen in Konserven aller Art. 1114 Firma" in Wien sucht für eingeführtes Ttichw'afengeschäft zwecks Erweiterung, einen Kompagnon mit Kapital. Angebote: 1056 Firma in Belgien sucht Verbindung mit amerikanischen Einkäufern von Hutzubehörartikeln. 1060 Firma in Italien offeriert geräucherten Aal. 1065 Firma in London offeriert Modeleder. 1067 Firma ,in Malaga offeriert Weine und Liköre. . 1072 Firma in Wien offeriert Oxydglühdraht. ' 1073 Firma in Wien offeriert Verfahren zur Herstellung einer galalithähnlichen Masse. 1080 -Firma in Mazomet offeriert gegerbte Schaffelle. 1087 Firma In Wien nimmt einen tüchtigen Vertreter aus der Papierbranche auf. 1090 Firma in Luzern vergibt Vertretung für Oesterreich in Schnellheizöfen, elektrischen Heizkörpern usw. Die Adressen sind zu erfragen im Sekretariate des Verbandes der jüdischen Kauflente und Gewerbetreibenden, I., Elisabethstraße 9, I. Stock, Tür 10 (Kredit- und Handelskassa „Metropole") täglich, mit Ausnahme von Samstag und Sonntag von 9 bis U Uhr vormittags. Chiffreangabe erforderlich. H a n d e 1 s v e r t r c t e r s t e 11 e: Der Verband stellt einwandfreie, gewerbebereohtiRte sprachen- und branchenkundige Vertreter kostenlos zur Verfügung. Rechtsschutzsekt ibn: Die Sprechstunden des Verbandsanwaltes sind Montag und Freitag von lt bis 1.2 Uhr vormittags. Auskünfte aller Art wie auch Mitgliederaufnahmen im Verbandssekretariat während der oberwähnten Kanzleistunden. Mitgliedsbeitrag: S 3.— vierteljährlich. Der Hausarzt. Von Dr. Sanel Beer. Die rituelle Beschneidung* Für die überwiegende Mehrheit der Juden, die sich an 'die verschiedentlictien rituellen Gebote und Verbote nur wenig halten, gilt die Beschneidung (mila) noch immer als oberstes und heiligstes Gebot des Judentums. Sie ist das äußere Zeichen der Zugehörigkeit zur jüdischen Nationalität. Der durchschnittliche Jude weiß nur, daß die Beschneidung (Zirkumzision) nach dem bekannten Berichte der Bibel als Bundeszeichen zwischen Gott und ihm angesehen wird, es ist dem gläubigen Juden der Vorgang bei der rituellen Mila geläufig, aber darüber hinaus ist ihm über die ungeheure Literatur, die dieser rituelle Gebrauch, von dem althebräischen Quellenmaterial angefangen bis zur modernsten Geschichte der Zirkumzision, hervorgebracht hat, nichts bekannt. Sowohl die ältesten jüdischen als nichtjüdischen Schriftsteller von Herodot bis Puschmann berichten über die Beschneidung, über ihre Erfinder, über ihre dogmatische Bedeutung, über die . mutmaßlichen Erwägungen bei der Einführung dieses rituellen Gebrauches und über dessen Technik. Es ist nicht geklärt, ob die Juden die Beschneidung eingeführt oder ob sie sie von den A e g y ptern gelernt haben. Die Beschneidung war und ist noch bei vielen assiatischen, afrikanischen und selbst amerikanischen Urvölkern in Gebrauch. Es müssen somit bestimmte gleichartige Erfahrungen bei verschiedenen Völkern zur Abtragung der Vorhaut geführt haben. Während die Beschneidung bei den Juden rein religiöses Gepräge trägt und sich dementsprechend auf eine gewisse Feierlichkeit herausgebildet hat, ist. sie bei anderen Völkern eher Symbol sittlicher oder körperlicher Reinigung. Sie stellt bei den primitiven Stämmen den letzten Akt der Zereiiiiiiiiiiiiiiiiiii -^t- Strick- und Strumpfwaren J. SIN OER, II. raborstraBe 28 Seltene Gelegenheit: SPORTWiStS <f4£ MIT KRAGEN S IO.30 Im monie dar, die den den Standhaftigkeitsproben unterworfenen Knaben in die Pflichten und Rechte der Männer einstellt.! Bei den mohammedanischen Völkern findet die Beschneidung meist erst im 15. Lebensjahre statt, während die gesetzliche Vorschrift bei den Juden den achten Tag nach der Geburt dazu festsetzt. , Moderne Kritik, die unsere heutige Vorstellungswelt den alten Völkern zugrundelegt, sieht die .Einführung der Zirkumzision in einer. sanitären Maßnahme, die die, infolge des Zersetzungsprozesses des Vorhauttalges an den heißen Klimaten entstehenden häufigen Entzündungen der Vorhaut vermeiden hilft. Die Technik der Beschneidung hat vielfache Veränderungen im Laufe der Zeiten erfahren. Die Bibel selbst schreibt nichts über die Ausführung der rituellen Zeremonie, hingegen finden sich in der Mischra verschiedene Berichte über Verhaltungsmaßregeln und über'praktische Erfahrungen.'Der religiöse Akt, der ursprünglich viel einfacher war, indem die Vorhaut (Praeputium) mit einem steinernen Messer abgetrennt wurde, gestaltete sich später komplizierter, wie etwa zu Zeiten der Makkabäer, da die jüdischen Jünglinge, um dem Spott der Griechen und Römer in den Gymnasien zu entgehen, die Vorhautreste zur Wiederherstellung des Praeputiums verwendeten. Die Mila besteht nach den gesetzlichen Vorschriften, die als bekannt in der Bibel vorausgesetzt werden, aus vier Akten: aus der Abtragung der Vorhaut, die nach vorheriger Abklemmung durch eine mit einem Einschnitt versehene silberne Platte mit einem zweischneidigen scharfen Messer erfolgt, dann aus der P e r i a, der Entblößung der Eichel bis zur Freilegung der Eichelkrone (ohne diesen wichtigen Akt ist die Beschneidung ungültig), drittens aus der M e z i z a, dem Aussaugen des Blutes, das wohl in der Absicht erfolgte, die Blutstillung durch Zusammenziehen der Gefäße zu bewirken. Dieser dritte Akt und der nachfolgende übliche Verband sind nicht als absolute gottesdienstliche Handlungen zu betrachten, weshalb die M e z i z a neuesten aus hygienischen Gründen, um eine Infektion des Kindes durch den Beschneider (den Mohel) zu , vermeiden, unterlassen wird. Denn es ist klar, das in dem Munde des Möhel befindliche Tuberkelbazillen, Syphiliskeime oder Rotlauf bakterien auf die frische Wunde übertragen werden können. Die Aerzte haben oft Gelegenheit, solche Infektionen zu beobachten, weshalb nur Aerzte oder der ärztlichen Kontrolle unterstehende Beschneider diese wichtige Funktion ausüben sollen. Eine solche ärztliche Assistenz ist auch

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