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Die neue Welt · 1927-10-14 · Heft 4 (14.10.1927) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 4 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6* DIE NEUE WELT Nr. 4 frauenzimmcr auffs prächtigste herausgcputzet. Auf! dem Kroßen marcktplatz hatte man ein wcitlläufftiges gerüste auffgebauet and sähe man allda von frühe bis abends um 9 ahr nichts als arme missethätcr von beyderley geschlechten, inmassen sie von allen übrigen Inquisitionen nach Madrid waren geschicket worden. Man laß ihr verbrechen und das wider sie gesprochene urteil überlaut ab. Unter den gefangenen wurden zwanzig Jüden, sowohl mannals Weibspersonen, benebenst einem, sovvom Christlichen zum Türkischen glauben abgefallen, lebendig verbrannt, fünfzig Jüden und Jüdinnen aber, welche Christen geworden, wurden zu einem langwierigen gefängtmß verurtheilet und solten sie indessen ein gelbes schultcrgewand mit einem rothen cretitz tragen. Zehen andere, welche wegen gedoppelter ehe, zauberey und anderer schweren laster angeklagt worden, wurden gegeißelt and auff die G a I e r e n geschmiedet; und hatten diese letzteren große mutzen von gesteifftem papier auff den köpfen, auf welche ihr verbrechen geschrieben stund; um den halß trugen sie einen strick und! in der ha.nd .eine fackel. Der gantze hof sähe dieses mit an, nemlich: die beiden Königinnen, das vornehme frauenzimtner, die ausländischen gesandten, die Großen von Spanien, benebenst einer großen m e n.g e g m e i n e n volckes. Der stuhl des Großinquisitors sähe, einem richterlichen thron gleich und war weit über dem thron des Königs, auch um ein:.gut thcll höher, erhaben. Es wurden auch die armen sünder so nahe bey dem König gemartert, daß er ihr wi'iiscln und klagen gait eigentlich hören konnte;.wie denn das gerüste an des; Königs ercker anstieß.; die Grandes vbn Spanien verrichteten dasjenige amtj so an änderen orten denen büttein undgerichtsknechten z u k Ö m m e t, weil sie die, so man verbrennen wolte, in guter Ordnung auff die gerichtsstätte an einem strick daher führeten. Die „familiäres" oder bedienten der Inquisition brachten die übrigen missethäter. Die Mönche, deren einige selbst nichts wußten, disputirten mit großer hefftigkeit und wolten die armen leufe zur Catholischen religion bekehren. Allein es fanden sich Jüden unter ihnen, welche in ihrem aberelauben große Wissenschaft hatten und jenen mit ihrer antwort genug zu schaffen machten. Unter anderen sähe man ein mädenen, so noch nicht 17 Jahre alt zu sein schiene, diese, weil sie auff. der Königin seite stund, wendete sich gegen sie und bat um gnade; sie war aber von einer recht wunderbaren Schönheit: „Große Königin," sagte sie zu ihr, „s o 11 e nicht E u r e K ö n i g 1 i c h e gegenwart meinem jammer eine veränderung bringen? bedencket,doch meine jugend,. und daß ich um einer religion willen gemartert werde, welche ich mit der muttermilch eingesogen?"- Die Königin wendete ihre äugen von ihr weg und bezeugte gegen sie ein empfindliches mitleiden, durffte sich aber nicht unterstehen, um fristung ihres Lebens anzuhalten. - : Hierauf ging die messe an, als aber derjenige, so sie hielte, biß in die mitte gekommen, gieng er von dem altar weg und setzte sich auff einen stuhl, welcher vor ihn zugerichtet. Der Großinquisitor stieg hingegen von dem als ein halber mond erbaueten gerüste, bekleidet mit einem meßgewand und die mütze auff dem kopff habend; und nachdem er sich gegen den altar geneiget, gieng er gegen den ercker des Königs. Folgends stieg er auff das schavot, dahin ihn etliche bedienten der Inquisition begleiteten. Diese trugen das creutz und das evangelienb u c h benebenst einem andern, worinh'en der eyd der Könige in Spanien, welchen sie den catholischen glauben zu schützen, die k e t z e r e i e n auszurotten und alles was die Inquisition vornimmt mit ihrer Königlichen gewalt zu befördern schwören geschrieben war. Der könig stand auff, entblösete das haupt und legte ietztgedachten eyd ab, welcher ihm von einem geheimen Rath vorgelesen wurde. Zur rechten stunde der Condestable von Castilien, welcher das entblösete schwerdt in die höhe hielte. S. Majestät blieben also stehen, bis der Inquisitor wieder an seinem gewöhnlichen platz angelangt; worauff ein Secretarius von der Inquisition auff eine cantzel stieg und den eyd,. welchen die räthe und gantze Versammlung gleichergestalt schwören mußten, ablaß. Es war schon um mittag, da die messe ihren anfang nahm und wurde man vor abends um 9 ühr nicht fertig, indem eines leden Uftheil überlaut muste abgelesen werden, D'e hartnä'ckigkeit, mit welcher sie dem tod entgegen-' giengen, war otwa3 r e c h t ü n g e m e i n e s, wie denn ihrer etil Jie von sich s e 1 b s t e n in das f e ü e r Sprüngen, etliche hielten ihre hände und füße ganz unbeweglich in die flammen und war wohl zu beklagen, daß so standhafte i^müther mit dem licht des wahren glaubens nioht sollten erleuchtet seyn. Der König trug viel belieb an. diesem elenden spiele beyzuwo litt en. Man bilde sich aber ja nlc;ht ein, als ob durch dieses harte verfahren die Jüden bekehrt werden; es gehet1 ihnen solches in Wahrheit wenig zu hertzen, So sind die königl. Rentmeister, einnehmer und Pächter meistentheils Jüden, welchen man aber, wenn man mercket, daß sie reich geworden, eine furcht einjaget und müssen sie hernach, Ihr leben zu retten, die beutet brav ausleeren. Durch dieses mittel ziehet man eine große menge geldes; wenn aber Jene solches nur geben können, habe sie sich vor dem feuer, ob sie es gleich ebensowohl als andere verdienet, weiter nicht zu farebteo." AUS PALÄSTINA. Dr. Weizmann in Palästina* Präsident Weizjnann ist am 7. Oktober in Jerusalem eingetroffen. 10.000 Pfund für Palästina. Eine Spende der südafrikanischen Zionisten. Aus Johannisburg meldet J. T. A.: Der Vollzugsausschuß der südafrikanischen zionistischen Föderation erhielt vor kurzem aus Basel ein von Dr. Weizman n und S o k o 1 ö W unterzeichnetes Telegramm mit dem Ersuchen, sofort 10.000 Pfund als außerordentliche Keren-Hajessod-Leistung nach Palästina zu senden. Der Vollzugsausschuß hat bereits die Summe nach Palästina gesandt. Rückerstattung von Tabaksteuern in Palästina. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Palästina-Regierung beschlossen, die Hälfte der im Jahre 1924 von den palästinensischen Tabakzüchtern geleisteten Steuern rückzuerstatten. Damit kam sie einem dringenden Wunsche der Tabakpflanzer entgegen. Der akademische Rat der Jerusalemer Universität. Der Akademische Rat der hebräischen Universität in Jerusalem" wird am 13. November d. J. iri Berlin unter :detri Vorsitz von Prof. Albert Einstein zu einer Beratung zusammentreten, in der über, eine wichtige, die Zukunft der hebrSischen Universität betreffende Frage beraten werden wird. Nur palästinensische Bürger im Eisenbahnwesen beschäftigt? Die arabische Zeltung „Ikdam" in Jerusalem meldet aus Haifa, daß der Generalmanager der palästinensichen Eisenbahnen beschlossen hat, nur palästinensische S t a a t s b ü r g e r aJs Beamte und Arbeiter im Eisenbahnwesen anzustellen. Professor Wartburg über die Bananenzucht. In einer Zuschrift an die Jüdische Telegraphen- Agentur erklärt Professor Otto War bürg, daß einstweilen keine Aussicht besteht, den Anbau von' Bananen zu einer Exportkultur auszubauen. Die in Gründung begriffene Gesellschaft soll nur den Grundstock zur E rprobung der Exportmöglichkeiten liefern. Für den Weltmarkt wird die Bananenproduktion Palästinas keine sehr große Rolle spielen. Liquidierung der Deinner sehen Seidenfabrik. Wie,die. J. ,T. A. aus Tel-Awiw meldet, wird die dort vor. zwei Jahren eingerichtete Seidemfabrik des Wiener Industrieller! Max ••D-elfin erganz ' liquidiert. -Maschinen und Inventar werden nach Europa gebrächt. Versammlung der Jaffaer Handelskammer. Aus Jaffa meldet die ITA: In der Halbjahrsversammlung der Jaffaer Handelskammer wurde Bericht über die Handelslage erstattet. Die großen Firmen, heißt es.darin, konnten sich. leicht den neuen Bedingungen anpassen, allein die kleineren Firmen wären stark erschüttert. In dem Handelszentrum Jaffas existieren zu vi e 1 e' K1 ei n 1 äd e n, eine Reduktion wäre zur Sicherung der Existenz der Bleibenden zu -wünschen. Die Lage dieser Geschäfte ist besonders dadurch unsicher, weil zu ihren Künden eine große Zahl Arbeitsldser gehört. Die unsichere Lage der Kleinläden gefährdet aber auch den Großhandel. , Die Lage der lokalen Industrie ist weit besser, als allgemein angenommen wird. Die kleineren Industrien, deren Unternehmer technisch nicht vorbereitet waren oder über zu wenig Kapital verfügten, mußten verschwinden. Anders aber die Industrien, die über administrativ und technisch geschultes Personal, sowie über genügend Kapital verfügten; diese haben ein gutes Fundament und prosperieren. Die Lage des Orangenmarktes (Orangen bilden den Hauptproduktionszweig Jaffas) ist diesmal nicht gut. In der zweiten Hälfte der Saison 1926-27 sanken die Preise, und Kaufleute, die in der ersten Hälfte der Saison Anschaffungen machten, mußten viel verlieren. Auf der anderen Seite hatten die Pflanzer eine gute Einnahme; ihre vorzügliche ökonomische Lage bildet einen Lichtpunkt in dem sonst wenig erfreulichen Bilde. Fabrikanten und Arbeiter in Palästina gegen das Handelsabkommen mit Syrien. Aus Tel-Awiw meldet die J. T. A.: Der Arbeiterrat Und der Fabrikantenverein von Tel-Awiw hielten eine gemeinschaftliche Beratung über das zwischen der Palä- SIEGM. KORNHEHL <HtOS£FLGI5ClfHAU!£ft£l Zentrale IX., Beryga»»e 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-31 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen ffflr ^gfc181*1***1 unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Knltusgeroeinde Wien IX. B«rgg. 19 / XVIII.« WUirlngftrftttv •? stina-Regierung und Syrien abgeschlossene Handelsabkommen ab. Dieses Abkommen hat die Gefahr heraufbeschworen, daß der syrische Markt gegen palästinensische Industrieerzeugnisse vollkommen" abgesperrt werde. Es erwies sich, daß in diesem Punkte die Interessen der Arbeiterschaft mit denen der Fabrikanten übereinstimmen. Namentlich sind die Textilindustrie und die Lederbranche durch das Abkommen mit Syrien bedroht. Es wurde beschlossen, eine Aktion zur Aufklärung der Öffentlichkeit Palästinas und des Auslandes über die schädlichen Folgen dieses Abkommens einzuleiten. Der Magistrat von Jerusalem boykottiert jüdische Arbeit, Der Stadtrat von Jerusalem beschäftigte sich in der letzten Sitzung mit der Frage der Vergebung der öffentlichen Arbeiten. Der Bürgermeister Nashashibi beantragte die Ratifizierung der Beschlüsse der Straßenkommission über die Vergebung einer Reihe von Straßenarbeiten an arabische Unternehmer. Das jüdische Stadtratsmitglied Solomon forderte, daß die Arbeiten an zwei Chausseen jüdischen Arbeitern übertragen werden sollen, und führte darüber Beschwerde, daß die öffentlichen Arbeiten des laufenden Jahres, für die ein Betrag von 12.000 Pfund ausgegeben worden ist, einzig durch arabische Unternehmer ausgeführt wurden. Nashashibi sprach sich gegen die Heranziehung jüdischer Arbeiter aus und kritisierte die jüdische Arbeit überhaupt. Solomon beantragte, eine Sachverständigenkommission einzusetzen, die die Vorwürfe des Bürgermeisters gegen die jüdischen Arbeiter prüfen soll. Auch die christlichen Stadträte beschwerten sich, daß öffentliche Arbeiten ausschließlich an arabische Unternehmer vergeben werden, die christliche Arbeiter nicht beschäftigen. Schließlich wurde Nashashibis Vorschlag mit Mehrheit angenommen. Der Arbeiterrat von Jerusalem unterbreitete, wie bereits in der „Neuen Welt" berichtet, dem Jerüsalemsr Gouverneur einen. Protest gegen die Handlungsweise des Jerusälemcr Magistrates, der die jüdische Bevölkerung von der Teilnahme an öffentlichen Arbeiten ausschließt und die Leistungen der jüdischen Arbeiterschaft öffentlich herabsetzt. Ueberfall auf Juden am Damaskus-Tore. Jerusalem, 24. .September. (J. T. A.) Ein Trupp von 12 Arabern, mit Stöcken und Messern ibewaffnet, griff heute in der Nähe des Damaskus-Tores eine Gruppe von Juden an. Ein Jude wurde durch Messer^, Stiche im Rücken verwundet, es gelang ihm aber, seinen Angreifer festzuhalten und der Polizei zu übergeben. Die Untersuchung ist im Gange. Am 1. November wird die neue Palästina-Währung eingeführt. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: „Official Gazette" teilt amtlich mit, daß die neue Währung des Landes Palästina, die die bisher geltende ägyptische Währung ersetzen soll; am 1. November 1927 in Umlauf gesetzt werden wird. * In derselben Nummer der „Official Gazette" werden die Bestimmungen der Ablösung der ägyptischen und der alten ottomanischen Währung veröffentlicht. .. Es wird ferner mitgeteilt, daß eine beträchtliche Menge Von Münzen und Noten der neuen Währung bereits im palästinensischen Schatzmeisteramt vorhanden ist. Die erste Ladung in Höhe von Pfd. Sterl. 430.000 war in der ersten Juliwoche, die zweite Ladung in Höbe von Pfd. Sterl. 400.000 in der ersten Augustwoche aus London eingetroffen. Die neue palästinensische Währung basiert auf dem englischen Pfund Sterling, ihr Umlauf wird von einem, im September 1926 vom englischen Kolonienministerium eingesetzten palästinensischen Währungsrat, der seinen Sitz in London hat, kontrolliert. Noten und Münzen tragen Inschriften in den drei offiziellen Landessprachen Palästinas: in Englisch, Arabisch und Hebräisch, Bisher bestand keine eigene Palästinawährung; gesetzliche Zahlungsmittel waren Noten der NarJonalbank von Aegypten, ägyptische Silber- und Nickelmünzen, sowie der englische Goldsovereign. Schutz den jüdisch-historischen Grabstätten. Während alle anderen Nationen und Kulte ihren religiösen und historisch wichtigen Grabstätten .und Denkmälern in Palästina einen besonders organisierten Schutz angedeihen lassen und sie vor Verfall bewahren, gibt es zahlreiche für .die jüdische Volks¬ und Kulturgeschichte wichtige Stätten im Lande, die in fremdem Besitz als Weideplätze dienen Und der völligen Verwahrlosung anheimfallen. Nun wurde dieser Tage in J e r u s a 1 e'm. eine Vereinigung ins Leben gerufen, die sich zur Aufgabe stellt, die Erhaltung und den Schutz dieser Grabstätten zu organisieren. Die warmen Quellen von Tlberias. Eine Beschwerde der Gemeinde von TiberN* betreffend die Eigentumsrechte an den heißen Quellen von Tlberias hat der Oberkommissär FeidraarschaU Lord

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