Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 4 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 4 DIE NEUE WELT Seite 5 Ist, übernehmen. Die Exekutive» vertraut darauf, daß die Juden in der Diaspora sich der ganzen Schwere ihrer Verantwortung bewußt zeigen werden. Sic müssen sich aber ihrer Aufgabe unverzüglich widmen und ihre "Bemühungen unermüdlich fortsetzen. Indem die Exekutive alle Kreise des jüdischen Volkes zur Mitarbeit einlädt, wird sie sich um das Verständnis und die Mitarbeit seitens der autoritativen Behörden in Palästina und außerhalb Palästinas, die den Bestimmungen des Mandates gemäß für die Landesverwaltung und für die Förderung des Aufbaues des jüdischen Nationalheims verantwortlich sind, bemühen. Die Exekutive glaubt, daß sie einer solchen, auf Sympathie beruhenden Mitarbeit und Unterstützung seitens der britischen Regierung und der Regierung Palästinas sicher sein kann. Oberrabbiner Chajes über den XV. Zionistenkongreß. Im Rahmen einer massenhaft besuchten Versammlung sprach Oberrabbiner Chajes über den XV. Zionistenkongreß. Im ersten Teil seines Vortrages beschäftigte er sich sehr eingehend mit den drei Personen, welche die neue Palästina-Exekutive bilden. Man brauchte bei der gegenwärtigen Lage in Palästina für die Exekutive. Menschen ohne jede Bindung und Prof. Chajes ist der Meinung, daß man sie tatsächlich in den drei Gewählten gefunden habe. Zunächst sei er peinlich berührt gewesen, weil in dem ursprünglich vorgeschlagenen „Triumvirat" sich keine Persönlichkeit befunden habe, die ein direktes Verhältnis zur jüdischen Kultur besitzt. Aber da schließlich als drittes Mitglied der Palästina-Exekutive Henriette Szold gewählt wurde, sei dieses Bedenken beseitigt. Chajes besprach dann einzeln die Fähigkeiten der drei Exekutivmitglieder. K i s c h sei ein ganz ausgezeichnetes Exekutivorgan und habe erst dann versagt, als er infolge der Krise gezwungen war, aus eigener Initiative zu handeln und zum Beispiel das ihm ganz ferneliegende Erziehungswesen zu leiten. Für S a c h c r spreche, daß er sich in dieser schwierigen Situation bereit gefunden habe, die ganze Last der Verantwortung zu übernehmen, und die Wahl Henriette Szolds, die in der Arbeit für die „Hadassa" 30.000 Frauen Amerikas zu organisieren verstand, werde die Arbeit für Palästina in Amerika bestimmt sehr günstig beeinflussen. — Es habe sich gerächt, daß man die Politik in Palästina sich selbst überließ und immer den Schwerpunkt der zionistischen Politik in England sah. „Wir haben erst jetzt", sagte Chajes, „eine richtige Palästina-Exekutive". Was die Verhandlungen und Beschlüsse des Kongresses anlangt, gebühre besonderer Dank Jafootinski als dem Führer der Opposition, weil er stärker, als es von anderer Seite geschehen ist, die Aufmerksamkeit auf die Mängel der Palästinaverwaltung gelenkt und die Haltung des Kongresses entscheidend beeinflußt hat. So sei die scharf kritische Präambel zu den politischen Resolutionen entstanden. Weizmann habe sich nicht in Palästina aufhalten können und es hätte bisher an genügend starken zionistischen Persönlichkeiten im Lande gefehlt, welche die englischen Beamten dahin beeinflussen, alle politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen vom Standpunkt des jüdischen Nationalismus zu treffen. Nur so sei es erklärlich, daß der den Jischuw schwer schädigende Vertrag mit Syrien abgeschlossen wurde und Chajes sieht den ersten Erfolg der Haltung des Kongresses in der jetzt erfolgten Entschuldigung Phwners, der erklärte, daß keine böse Absicht bei Kontrahierung dieses Vertrages vorlag. Chajes schloß seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag, indem er der Ueberzeugung Ausdruck gab, der Zionismus werde innerlich gestärkt aus der Krise hervorgehen. _ England und das Mandat/ Die Rede des Ministers Amery in Südafrika. Wie bekannt, hat der englische Kolonienminister Amery am 9. September bei einem Empfang der zionistischen Vereinigung zu Johannisburg (Südafrika) eine Ansprache über die britische Politik in Palästina gehalten. Er sagte u. a.: Es war gewiß kei.no leichte Aufgabe, die Gesichtspunkte der Balfoiir-Deklaration mit unserer Verpflichtung, dje Interessen der arabischen Bevölkerung zu berücksichtigen, in Einklang zu bringen. Viele hegten anfangs extravagante Erwartungen mit Bezug darauf, was in Palästina in wenigen Jahren zu schaffen möglich wäre. Die übertriebenen Hoffnungen auf der einen Seite und die übertriebene Panik der arabischen Bevölkerung auf der anderen Seite trugen mit dazu bei, in den ersten Jahren bei einem Teil der britischen Oeffentlichkeit Zweifel an der Durchführbarkeit unseres Unternehmens zu erregen. Ich gebe Ihnen aber die Versicherung, daß die stetige Politik der britischen Regierung in Palästina und die Administration unter Sir Herbert Samuel und Lord Plumer es erreicht haben, aMe Befürchtungen und Zweifel des britischen Volkes zu zerstreuen. Die gesamte britische Nation steht treu hinter dem Gebote der Verwirklichung des Mandates. Ein Wechsel in der Parteipolitik Englands wird nie auch nur die geringste Wirkung auf die Wetterführung der Administration in Palästina haben. Auch wird, was ebenso wichtig ist, eine herzlichere und bessere Verständigung mit der arabischen Bevölkerung erzielt, Es ist nicht zu leugnen, daß unter den aktiveren politischen Elementen der Araber noch eine starke Opposition gegen das Mandat besteht. Aber auch diese Opposition ist wesentlich anderer Art als die frühere. Wir haben mit der Einrichtung von G c m e i n d c s e I b s t v e rv/ a 11 u n g c u begonnen. Eines der erfreulichsten Zeichen für den gesunden Fortschritt ist die Tatsache, daß bei den vor einigen Monaten durchgeführten Gemeindewahlen in Jerusalem und in anderen Städten die extremen Nationalisten einer Vereinigung der gemäßigten Araber und der Juden leicht unterlagen. Wir bauen auf gesunder Gründl a g e, auch wenn wir langsam bauen müssen. Minister Amery schloß mit der Versicherung, daß die britische Verwaltung in Palästina, während sie darauf bedacht sei, die Interessen aller Teile der Bevölkerung wahrzunehmen, absolut ehrlich und loyal ihrer Mission sich bewußt ist, im Geiste und in der Tat das im Namen Lord Balfours im Jahre 1917 getane und im Mandat wiederholte Gelübde zu erfüllen, ein Gelübde, das von allen, die je in der britischen Regierung oder an einer anderen verantwortlichen Stelle in der Verwaltung Palästinas tätig sein werden, gewissenhaft erfüllt werden wird. Sämtliche judischen Aristokraten in Ungarn ausgetauft. Aus Budapest wird uns geschrieben: So oft in Wiener Jockeyklub oder in einem ungarischen Gentryklub ein gesellschaftlicher Skandal ausbricht, stürzen sich die Blätter mit besonderem Eifer und Behagen auf die „Barone mosaischen Glaubens". Das ist jedoch eine glatte Irreführung, da es in Ungarn bis auf die Reste dreier Familien überhaupt keine jüdischen Barone mehr gibt. Sie sind alle mit Kind und Kegel und ihrem gesamten als Juden erworbenen Vermögen von der römischkatholischen Kirche aufgefangen worden. So sind sämtliche Kinder des Barons Königswartcr noch im vorigen Jahrhundert zum Christentum übergetreten. In den Familien der Barone VVodianer gibt es keinen einzigen Juden mehr. Dasselbe gilt von den baronisierten Familien Popper und Gr öd ei. Von der Familie des ehemaligen Vizepräsidenten der Budapester Kultusgemeiiidc, Baron S i e g m u n d Kornfeld ist kein einziger Jude geblieben. Sowohl diese als auch die Familie des Barons O r o s d y betätigen sich jetzt als eifrige katholische Propagandisten, entfalten aktive Missionstätigkeit und opfern für die Verbreitung des Katholizismus jährlich hunderte Millionen. Sämtliche Nachkommen des verstorbenen Barons Peter Herzog sind heute Säulen der katholischen Kirche in Ungarn. Die männlichen Sprößlinge der Barone Josef und Alexander Hatvany sind ausnahmslos zum Christentum übergetreten. Bloß die einzige Tochter des Barons Alexander Hatvany ist vor einigen Monaten wieder zum Judentum zurückgekehrt, während ihr Gatte und ihr Kind im Christentum blieben. Alle Töchter und Schwiegersöhne des Munitionsfabrikanten Baron Manfred Weiß de Cscpc 1, die als Juden geboren wurden, haben das Judentum verlassen. Von dem einst. berühmten und weitverzweigten' Baron Schoßberiger ist nur noch Baron Rudolf Torna! Jude, alle übrigen gehören längst nicht mehr dem Judentum an. Völlig judenrein sind bereits die Familien der jüdischen Barone Ornstein, Guttmann, Madarassy- Beck und Herzl. Dem Judentum gehören bisher noch an: die Barone Adolf und Wilhelm Kohner, Bela Dirsztay und Wolfner und ihre Familien, die auch am öffentlichen Leben der ungarischen Juden regen Anteil nehmen, Das rumänische Kultusgemeindegesetz. Aus Bukarest meldet J. T. A.: In der letzten Sitzung des Ministerrates wurde beschlossen, dem am 15. Oktober zusammentretenden Parlament den Gesetzentwurf über die „fremden Religionen" zur Votierimg zu unterbreiten. Der Entwurf enthält auch die Vorschriften über die jüdischen Gemeinden. Die Friedhofsschändungeii in Deutschland. Die „Vossische Zeitung" meldet: Von unbekannten Tätern wurde der alte israelitische Friedhof in Bockenheim in gemeinster Weise geschändet. Es wurden Grabsteine umgeworfen, Blumen wurden aus den Gräbern gerissen und auf Grabsteine Aufschriften gemalt, wie „Judas IschariotrT; auch wurden Hakenkreuze auf den Grab steinenangebracht, und alle Wege wurden verunreinigt. Ein jüdisches Kriegerdenkmal in Belgrad. Auf dem jüdischen Kriegerfriedhof zu Belgrad wurde ein Denkmal zur Erinnerung an die im Weltkriege 1914 bis 1918 gefallenen jüdischen Krieger aus den Ländern Jugoslawiens unter großer Teilnahme der jüdischen, Bevölkerung und der Behörden enthüllt. König Alexander ließ sich durch einen Offizier vertreten. Das Urteil gegen den Charblner Judeuinörder. Aus Charbin, 21. September, meldet J. T. A.: Am 20, September verhandelte das chinesische Kreisgericht der Mandschurei gegen den weißgardistischen Offizier Düskin, der am 9. Juli d. J. ain Bahnhof Chailar bei Charbin den jüdischen Eisenbahnunternehmer Wilensky durch Messerstiche tötete und dessen Angestellten Bichowski schwer verwundete. Der Mörder gehört einem Kreise Schwärze Hundert-Offiziere au, von denen eine gefährliche Judenhetze betrieben wird. Während er die tödlichen pitnfliflflnnmmnmtiim | JmiHMta S 35.— IMff-Ifttn, 1 | tartllov« \ 19.50 Kinder-Pullover . $8.501 1 Prflfen Sie überall — Sie kaufen doch im | H Spezfalhaus für Sirickmoden ü | M. HOLZER I I VI., Marlnhüferitr. 89 (neben Flottcnk no) g I II.. Tabontr. 18 (Hotel National) § H KARLSBAD, Alle Wiese. g lllllllllliillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllW Stiche führte, rief er: „Di es, Ihr J u de n, f ü r d eu Zaren und R u ß 1 a h d!" Vor Gericht erschienen mehrere Offizierskollegen Düskins und ein früherer zaristischer General, die den Mörder verteidigten 'und vorbrachten, die Juden beherrschen Rußland und hätten die früheren besitzenden Kreise Rußlands enteignet und an den Bettelstab gebracht, und dies hätte Düskin rächen wollen. Düskin wurde wegen Mordes und Mordversuches verbunden mit schwerer Körperverletzung zu lebenslängliche m Zuchthaus verurteilt. Ehescheidungen bei Christen und Juden. Dr. Artur C z e 11 i t z e r in Berlin hielt kürzlich einen Vortrag, in welchem er eine Statistik der Mischehen bei den verschiedenen Konfessionen in Berlin während der letzten zehn Jahre gab und eine Statistik, welche die Tendenz der Scheidungen darlegte. Es ist zu ersehen, daß die Neigung zur Mischehe (in Berlin wenigstens) keineswegs bei jüdischen Männern am stärksten ist, sondern bei Katholiken, und zwar beiderlei Geschlechts. Mitspricht natürlich die Tatsache, daß die Katholiken eine Minorität innerhalb einer großen evangelischen Masse darstellen. Aber obgleich die Juden eine noch kleinere Minorität bedeuten, folgen die jüdischen Männer erst in weitem Abstände mit rund 30 Prozent, dann folgen die evangelischen Bräute mit 17 Prozent, dann die jüdischen Bräute und schließlich die evangelischen Männer mit 10 bis 11 Prozent. Die Zahl der jüdisch-christlichen Mischehen wird übrigens in Wahrheit noch größer sein, weil erstens viel jüdische Partner vor der Trauung aus dem Judentum austreten und oft dann als Konfessionslose figurieren, andere, besonders jüdische Männer, ihre christliche Braut veranlassen, zum Judentum überzutreten. Die genauere Analyse der Mischehen zeigt als wesentliches Resultat, daß von 1000 christlichen Bräutigamen sechs Jüdinnen erwählen, hingegen von 1000 christlichen Bräuten dreizehn Juden! > Dr. Czellitzer gab auch die statistischen Zahlen der Scheidungen bekannt, indem er das Verhältnis zwischen Scheidungen und im selben Jahre geschlossenen Ehen derselben Kategorie berechnete. Tendenz der Scheidung in Berlin. Auf 1000 Trauungen kamen Scheidungen b.: Rein evangel. Ehen Rein kathol. Ehen . Rein jüdischen Ehen Mann jüd., Frau chrlstl. Mann chiistl., Frau jüd. Im Jahre 11,88 6,5 1915 8,94 6.7 16 8 4,1 5,4 1916H1921 11922 I 19Z3 11924 16.3 18.8 11,18 13,4 21,3 17,0 20,0 10,3 10,97 23,2 252 24,9 15,6 13.0 26,0 Klein-Berlin Groß-ßerlin Nicht die Juden zeigen hier die höchste Scheidungsziffer. Die allerhöchsten Scheidungsziffern trifft man bei den konkordanten Ehen der K o n f e s s i o n s 1 o s e n. Im Jahre 1924 z. B. wurden 664 solcher Ehen geschlossen und 554 geschieden, also die unglaubliche Zahl von 83,4 Prozent! Großes Judenver brennen im Jahre 1680. Geschildert von einer Augenzeugin. Die französische Gräfin d'Aunoy, welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als Palastdame der spanischen Königin am Hofe in Madrid lebte, schildert in ihren Memoiren (deutsch bei Thomas Fritschen in Leipzig, 1703, unter dem Titel: „Spanische Staatsgeschichte benebst einem anhang die uach absterben Königs Carlu des H. erfolgte große Revolution in Spanien betreffend") eine große Judenverbrennung am 30. Juni 1680, welcher sie als Palastdame beiwohnen mußte. Sie schildert mitleidlos, ganz im Geiste der Zeit, hebt aber die Niedertracht der Inquisition und des Hofes, die für Geld auch zu verzeihen wissen., plastisch hervor. „Die bedienten von der Inquisition, von denen nach gewonheit die trompeter und paucker benebenst den fabnen vorher gierigen, ritten in ihrer Ordnung den 30. May vom Königlichen palast auff den großen marcktplatz, allwo sie öffentlich ausruffen ließen, daß den 30. Junii alle diejenige, welche die Inquisition zum teuer und andern todesstraffen verurteilet, angethan werden sollten, Man wartete auff dieses erbärmliche Schauspiel mit eben so großen verlangen als wenn das allergrößte freudenfest solte begangen werden... Jedermann wohnete dem Auto de fe mit solcher Vergnügung bey, als ob das lustigste Schauspiel aufigeführet würde und hatte sich das