Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 3 (7.10.1927)
- Date
- 1927-10-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE NEUE WELT Sctte $ Irnnpei-Hlelder Henen-Pallofer S 35.— S 19.50 HinMIlonr S 6.50 Oberau — Sie kaufen doch im Spezfalham für Shickmoden M. HOLZER VL, Mariahüfcrih-. 89 (neben Flottenkno). II.. Tabontr. IS (Hotel National) KARLSBAD, Alte Wiese. jeden kennt, leiten dl« wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung." Der Dichter Frank Wedekind, der mit Rathenau befreundet war, machte ihm den Vorschlag, mit ihm gemeinsam einen „Almanach der Dreihundert", eine neue Art „Gotha der Wirtschaft" herauszugeben, für den er den Verlag Georg Müller in München in Aussicht nahm. Rathenau lehnte dieses Ansinnen ab mit der Erklärung» d*8 diese erwähnten Dreihundert nicht zu fassen seien. Damit war damals die Frage der „Dreihundert" für Rathenau erledigt. Aber später tauchte sie wieder auf. Es wurde behauptet, daß Rathenau von „dreihundert Juden" gesprochen habe, die die geheim« Herrschaft über Europa in Binden hielten, daß er selbst sich zu diesen „Dreihundert" gezählt habe. Gagen diesen Satz führte man von antisemitischer Seite die heftigsten Angriffe — natürlich erst, nachdem er in dieser Weise völlig mißdeutet und entstellt war — und es nützte, wie immer bei Verleumdungen und Entstellungen, nicht das geringste, daß Rathenau viele Menschen über den wahren Sinn seiner Worte aufklärte. Im österreichischen Nationalrat hatte der großdeutsche Abgeordnete Zeidler im Jahre 1923 die Erzählung von den 300 Juden vorgetragen und behauptet, daß Rathenau dies in der »Neuen Freien Presse" geschrieben habe. Das Blatt erklärte dies sofort als eine Lüge. Der Herr Zeidler hat aber davon keine Kenntnis genommen und Henry Ford hat den dreihundert Juden sogar ein ganzes Kapitel seines Schmähbuches gewidmet. Der Konstantinopler Judenprozess. Alle einschränkenden Maßnahmen zurückgezogen. Wir haben bereits berichtet, daß der von den türkischen Chauvinisten so breit augelegte Prozeß gegen acht jüdische Bürger, die wegen angeblichen antikürkischen Verhaltens angeklagt waren, mit der Freisprechung geendet hat. Die Regierung hat nun, wie uns gemeldet wird, alle Maßnahmen, die die Freizügigkeit der Juden einschränkten, zurückgezogen. ' Den unmittelbaren Anla'ß zu dem Prozeß hatten die Vorgänge bei dem Leichenbegängnis der am 17. August von dem Generalstabsoffizier Osman Bey erschossenen Elsa Niego gebildet. Der Mörder war von seiner emflußreichen Familie nach der Tat in ein Sanatorium gebracht worden, wo er sich noch jetzt befindet. Der Mord an dem armen Mädchen, ist demnach ungesühnt geblieben und der von den Nationalisten diktierte Prozeß, der acht Tage lang dauerte, sollte zunächst von der Tat selbst ablenken. Der Staatsanwalt, der das Verfahren auf Beschluß der Kammer von Angora eingeleitet hatte, hat gegen den Freispruch Berufung eingelegt Artur Trebitsch gestorben. In einem steirischen Villenorte ist dieser Tage, wie man aus Graz berichtet, Artur Trebitsch gestorben« Er hatte schon seit langer Zeit nichts mehr von sich hören lassen. Ehedem war er ein in allen antisemitischen Lagern sehr beliebter Mitarbeiter am Pogrom, um so geschätzter, als er doch einer jüdischen Familie entstammte und daher im Kreis der Ignoranten als ein Kenner jüdischen Wesens gelten durfte. Das Material,, das er lieferte, wurde von Fritsch, Dinter, Ludendorff, Streicher und so weiter eifrig benützt. Es war allerdings darnach. Trebitsch bemühte sich — ob Phantasie oder Reklame, bleibe unerörtert — den Nachweis für den Bestand einer jüdischen Geheimorganisation zu führen, die ihre Beauftragten in alle für Wirtschaft, Kunst, Politik maßgebenden Stellen entsende. Die Forschung nach Jüdischen Versippungen innerhalb des deutschen Sprachberelchea gewann in Trebitsch einen fleißigen Vorarbeiter. Seine Tätigkeit wurde aber mit der Zeit so umfangreich, daß sie den führenden deutschen Hakenkreuzlew unheimlich wurde. Als er auch sie mit seiner Nachsuchung nach Spuren jüdischen Blutes beehrte, rückte zunächst Graf Reventlow von Ihm ab und seither war Trebitsch nur mehr mit Musiktheorie befaßt. Er ist in den Jahren 1919 bis 1923 in Wien durch Vorträge über die Judenge&br, die «r iu der Universität hielt, aufgefallen- Die „Wiener Morgen« rejtung" machte seiner Lehrtätigkeit ein rasches und ruhmloses Ende. Trebitsch ist 47 Jfabr* *tt «ewordwfe , AUS PALÄSTINA. Der britische Steuerzahler ist entlastet. Die antizionistische Presse Englands hat Jahre hindurch Zeter und Mordio geschrien, weil das jüdische Palästina angeblich den englischen Steuerzahler schwer belastet. Diese Agitation Im Namen des bedrückten Londoner Steuerzahlers hat den Zionistenführern oft schwere Stunden bereitet und sie mutlos gemacht. Wie diese Belastung in Wirklichkeit aussieht, zeigt nachstehende Tabelle. Die britische Regierung trägt nur die Kosten der militärischen Besatzung. Die Ausgaben für das nlchtjiküsche Trans- Jordanien sind inbegriffen. Totale Kosten der Garnison; 1922/23......Pfund 1,724.000 1923/24 ...... „ 1,150.000 1924/25 ........ 734.500 1925126........ 428.600 1926/27 ...... * 342.000 1927/28 ....., „ 300.000 Von der Summe des Jahres 1927/28 sind noch 3L000 Pfund in Abzug zu bringen, welche von der Palästina- Regierung, d. h. zu 90 Prozent aus jüdischem Steuersrelde als Kostenbeitrag an die englische Regierag abgeliefert werden. Aus der Tabelle ist zu ersehen, wie rasch Palästina zum Frieden gekommen ist. Die englische Verwaltung hat gewiß viel dafür getan, aber das Hauptverdienst gebührt den Juden. Sie haben das Land in schwerer Arbeit pazi- Üziert. Wenn man der Opfer an Menschenleben und Geld» mittete gedenkt, die beispielsweise Frankreich bringen mußte, um in seinem Mandatsland Syrien nicht etwa endgültigen Frieden, sondern nur augenblickliche Beruhigung zu schaffen, dann kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, daß der britische Steuerzahler keinen Grund zur Klage über das jüdische Palästina hat Der Frieden in Palästina trägt ungeheuer viel zur Sicherung der Stellung Englands m Aegypten und Indien bei. Die Tränen der Leute, die den armen, von den Juden „ausgebeuteten" englischen Steuerzahler beweinen, sind Krokodilstränen, Die Arbeitslosigkeit Die Unruhen in Tel-Awiw. — Boykott der jüdischen Arbeiter durch die Jerusalemer Stadtverwaltung. Wir haben bereits über die in Tel-Awiw vorgefallenen Arbeitslosenunruhen berichtet. Nach Meldungen Londoner Blätter haben sich diese Unruhen am 26. September, dem Vortag des Neujahrsfestes ereignet Jüdische Arbeitslose verlangten die Auszahlung einer Aushilfe; die städtischen Behörden waren aber nicht in der Lage, dem Verlangen zu entsprechen. Radikale Elemente stürmten hierauf das Rathaus und richteten in den Innenräumen Verwüstungen an. Der Polizei gelang es erst nach längerem Kampfe, die Arbeitslosen zurückzudrängen, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Ueber die traurige Lage der Arbeitslosen unterrichtet ein vom Jerusalemer Arbeiterrat an die Regierung gerichtetes Memorandum. Es wird ausgeführt, daß die Zahl der Arbeitslosen jn Jerusalem bis vor kurzem gegen 1500 betrug. Die Baubewegung war dieses Jahr sehr schwach, so daß die jüdischen Arbeiter nur wenig Beschäftigung hatten. Dank den von der Zionistischen Exekutive übernommenen Arbeiten trat im August eine Besserung der Lage ein. Fast alle Arbeitslosen fanden für zwei bis fünf Monate Beschäftigung für drei bis vier Tage in der Woche. Der größte Teil dieser Arbeiten gibt jedoch nur Facharbeitern Beschäftigung für längere Zeit, während die Straßenarbeiten, bei denen der größte Teil der ungelernten Arbeiter Beschäftigung findet, im Laufe des Oktober zu 'Ende gehen. Bis jetzt habe die Regierung und die Jerusalemer Stadtverwaltung nichts für die Arbeitslosen getan. In der Stadtverwaltung werden die jüdischen Arbeiter seit Jahren boykottiert. Eine objektive Untersuchung werde feststellen, daß keineswegs die Stadtverwaltung daraus Nutzen zieht, daß der arabische Arbeiter angeblich billiger ist, sondern eventuell nur die verschiedent.en Unternehmer, Der Arbeiterrat fordert daher die Regierung auf, für die Winterszeit wenigstens einen Teil der 1000 Arbeiter, die jetzt die Zionistische Exekutive beschäftigt, mit Arbeit zu versehen.__ Die Ein- und Auswanderung Im ersten Halbjahr 1927, wHaoiam", das Organ der zionistischen Exekutive, veröffentlicht folgende Tabelle der palästinensischen Ein- und Auswanderung tai ersten Halbjahr 1927: Einwanderer Aaswanderer Jänner......... 134 467 Februar ..,,<*.. 1*1 283 März . ... i .... 338 649 Atwfl .»...*« * . *S5 153 Mai 378 485 Juni 3U 568 Insgesamt 1362 3600 Die Auswanderung übersteigt somit die Einwanderung otn das Poppelte. Während aber in den Auswanderungszahlea Iwtoe Pe*cMäßigkeit festzustellen ist. bat die Ein wandt run* yoa Monat m Monat ein wenig zugenommen. 46 Prozent der Einwanderer kamen als Arbeitssuchende und 34 Prozent auf Anforderungen palästinensischer Einwohner. Nur 10 Prozent hatten eigene Mittel aufzuweisen. 90 Prozent der Auswanderer sind Neueingewanderte; davon gingen 50 Prozent nach Polen, 10 Prozent nach den Vereinigten Staaten und 8 Prozent nach Rußland, die übrigen nach verschiedenen anderen Ländern Europas. Die Exploitierung der Mineraischätze des Toten Meeres. Laut einer Meldung der „ITA" hat die amerikanische Regierung mitgeteilt, daß allen amerikanischen wie auch den anderen nichtenglischen Gesellschaften dasselbe Recht der Exploitierung der Mineralschätze des Toten Meeres zustehe wie den englischen Gesellschaften. Dieses Recht sei den amerikanischen Gesellschaften gewahrt worden in Art. 18 der Vereinbarung, die vor der Uebertragungdes P a I S s t i n a-M a ndates an England getroffen worden ist. Der „Vossischen Zeltung" wird am 27. September aus Jerusalem telegraphiert, daß die Tote-Meer-Konzession nicht an die Imperial Chemical Industry erteilt wird,-sondern an eine Gesellschaft, bestehend ans Sir Alfred Mond, Lord Reading, Bernard Baron, Ing.-Nowomeiski und eventuell Baron Rothschild. Das Grundkapital der Gesellschaft soll 25 Millionen Dollar betragen. (Eine Bestätigung dieser Nachricht beibt abzuwarten.) Die Handelsia«,.. Wde das Jerusaleaner „Commercial Bulletin" vom 1. September berichtet, sind die allgemeinen finanziellen, kommerziellen und Arbeitsbedingungen in Palästina nach wie vor schwierig. Der Getreidemarkt ist ruhig, da die Ernten erschöpft sind. Dagegen bessert sich der Exportmarkt allmählich, indem im Lande erzeugte und fabrizierte Waren jetzt in größeren Mengen exportiert werden. Die Ausfuhr von Wassermelonen z. B., die im Juni begann, betrug 4491 Tonnen im Werte von ägypt. Pfd. 15.765. Alte Vorräte von hiesigem Blatt-Tabak verminderten sich während der zweiten Hälfte dieses Jahres. Es wurden 161.878 Kilo im Werte von ägypt. Pfd. 30.647 nach Syrien und Deutschland exportiert. Ferner wurden 3165 Tonnen palästinensischen Zements im Werte von ägypt. Pfd. 7667 nach Syrien, Aegypten und Cypern ausgeführt, und Strümpfe im Betrage von. ägypt. Pfd. 2443 nach Syrien. Ferner wurden 20 Tonnen Sohlenleder im Werte von ägypt. Pfd. 2435 gleichfalls im zweiten Quartal dieses Jahres exportiert. Eine Verschwörungsaffäre in Jerusalem. Jerusalem, 30. September.. (J; T. A.) Die Polizei kam einer gefährlichen Verschwörung nutTonalis tis.c-he'r Araber gegen gemäßigte arabische Politiker auf die Spur. Es bestand der Plan, den Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibl, und mehrere andere Politiker gemäßigter Richtung zu ermorden. Bisher wurden fünf Araber verhaftet, unter ihnen ein Beamter des von den Nationalisten beherrschten Obersten mohammedanischen Rates. * Die Partei Nashashibis hatte bei den im Vorjahr vollzogenen Stadtratswahlen mit Hilfe der jüdischen Stimmen über die extremen Nationalisten (41e;. Husseini- Partei) gesiegt. Die Stellung Nashashjbis zur Frage -der jüdischen Heimstätte ist aber trotzdem keine offen positive und auch diese Partei hat bisher noch nicht ihr volles Einverständnis mit der zionistischen Mandatspolitlk erklärt. Die Vertretung der Juden, die die Majorität in Jerusalem besitzen, bleibt hinter ihrer numerischen und wirtschaftlichen Bedeutung zurück. Immerhin ist Nashashibl um ein besseres Verhältnis zu den Juden bemüht Der Bürgermeister war schon vor einigen Jahren von einem Attentat eines arabischen Exaltadös' bedroht, entkam aber damals der Gefahr. Der Leiter der Pardeft-Geseflschaft gestorben. Der Leiter der palästinensischen Orangen-Export, gesellschaft „Pardeß", Dr. Israel Weinberg, ist im Alter von 42 Jahren in Tel-Awiw gestorben........ , jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH Klub radikaler Zionisten 1 Mittwoch, den 12. Oktober 1927 um halb 9 Uhr s abends findet im Klublokale Cafe Atlashof, Wien, I., || Aspernplatz eine =5 Ktabversammlung.« f IpStoiHiBÄi Referent: Dr. Leopold Plwchket Im österrciehiechen Landesverbände organi$Urte | Zionisten als Oäste willkommen, Zn dieser Ver. sammlung ergehen keine besonderen Einladungen i