Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 1 (1927)
- Issue
- Heft 2 (30.9.1927)
- Date
- 1927-09-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. 2 Palästina malt und das alte Palästina mit den Augen des neuen Jischuw sieht. Blockhäuser, schale Bretterbuden und Zelte — nicht die märchendunklen arabischen, sondern die nüchternen der unseligen Kriegslager — sind an sich bestimmt kein dankbares Objekt bildhafter Darstellung. Keine Palmen, Zypressen, Kamele, keine orientalischen Aspekte mit Kuppeln und Meeresbläue, auch keine weißschimmernden Neubauten. Da mußte schon die Seele die Farben mischen, damit, wie es in diesen Bildern aus den jungen Kolonien tatsächlich gelang, das Heldenepos jüdischen Pioniertums aufklingt. Nichts schmückt diese Baracken und winzigen Dorfzeilen von Beth Alfa und Nahalal, von Migdal und Kumie, als die wundervoll klare Luft und das Licht des Himmels von Palästina. Aber die Armut ist adelig, die Scholle, welche sie mit unsäglicher Hingabe erneut haben, diese wiederum ganz junge, noch ganz dürftige Erde atmet selbstherrliche Freiheit. Das Gemeinschaftshaus von Beth Alfa, am Fuße des nackten Berges, vom stahlblauen Himmel eingedeckt — hier saß ich als Gast der Siedler von der Kwuzah Chefzibah, und eine Gazelle, die sich ihnen angefreundet hatte/ lugte durchs Fenster zu uns — wie dankenswert hat das beteiligte Herz der Künstlerin just d i e s e n Flecken aus der Siedlung herausgeholt und dem nachschaffenden Auge überantwortet! Das kleine Segment von Nahalal, schon reicher an blühender, fruchttragender Natur, an freundlichen Kleinbauernwohnuflgen mit Gartenzaun, Buntheit der Beete und Geräte — wie freudig ist hier ein Glück im Winkel gezeigt, aber kein „Stilleben", kein Idyll gemächlicher Zufriedenheit, sondern neue Zelle des tätigen Lebens. Und das Interieur aus dem Kinderhaus von Nahalal, der runde Tisch mit dem Kranz von Kinderköpfen, übertrifft an wesenhafter Erfassung des teuer? sten Kleinods, über das der Jischub wacht, selbst die lebendigsten Filmaufnahmen, bringt uns in seiner Unmittelbarkeit und Frische die Kinder der Pioniere ganz nahe. Es sind rund 80 Blätter, gesiebte Ernte zweier Jahre. Wir haben die Bilder aus dem Emek bevorzugt, weil sie die uns wichtigsten, bedeutendsfen, markantesten, mutigsten Schöpfungen der Künstlerin sind, mit einigen Porträts und Tierstücken tatsächlich das Neuland zeigen. Aber die Bilder von Jerusalem, Nazareth und Jaffa werden die Besucher der Ausstellung nicht minder erfreuen, wenn sie auch, wie ich selbst mit Vergnügen bemerkte, die herben Emek- Blätter immer wieder anlocken, obwohl doch Nazareth im Mondschein, Davidsturm! und die Altstadt Jerusalem gewiß „malerischer" sind. Es muß an der Kraft der Darstellung liegen und Grete Wolf-Krakauer mag über solche Wirkung Genugtuung empfinden, denn sie zeugt für ihre Künstlerschaft. _____ Otto Abel es. Sport Makkabi-Bewegung und zionistische Exekutive. Eine Resolution der Makkabikreise in Basel. Anläßlich des XV. Zionistienkongresses fand in Basel eine Sitzung von Vertretern der M a k k a b ikr,eise Erez Israel, Schweiz, Deutschland, Tschechoslowakei und Rumäniens statt. Nach eingehender Debatte, die sich zum großen Teile mit der «Stellungnahme gegen den Professional!-smus 5befaßte, beantragte ' Ing. G o Id s chmied (Tschechoslowakei) iolgende Resolution: 1. Mit großem Bedauern wirc| festgestellt, daß das Makkab i we 11 ve r ba, ndspr äsid i.u m es unterlassen hat, den XV. Zionistenkongreß durch eines seiner Mitglieder zu begrüßen. Die anwesenden Mitglieder einigen sich im Namen des MWV., eine Begrüßungsadresse an das Kongreßpräsidium zu richten, und in dieser Adresse neuerlich auf die Forderung nach Unterstützung der Makkabibewegung durch die zionistischen Instanzen hinzuweisen. . 2. Nach der übereinstimmenden Ansicht aller Vertreter ist die eheste Einberufung der MWV.-Tagung unerläßlich. Das Präsidium wird ersucht, die Tagung womöglich Ende Oktober—Anfang November nach Brünn in der Tschechoslowakei einzuberufen und den tschechoslowakischen Makkabikreis mit den Vorbereitungsarbeiten zu betrauen. Das Präsidium des MWV. möge den Rechenschaftsbericht zur Tagung mindestens vier Wochen vor der Tagung in der Makkabl- und jüdischen Presse veröffentlichen, um den einzelnen Kreisen Gelegenheit zu bieten, zu dem Berichte Stellung zu nehmen. Ebenso ist ein Voran- , schlag für das künftige Jahr zu veröffentlichen. Tagesordnung und Referate müssen mindestens 14 Tage vor der Tagung festgelegt und veröffentlicht werden. SIE GM. KORNMEHL <3ROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX-, Berggaage 19, Telephon .7-3.99 u. 16-9 3' Lieferant für Heilanstalten Abteilung für -i^-FleUch unter Aulöicht des Ehrwürdigen Rabbmats der Isr Kultusgemeinde Wien IX. «•vw« 19 / XVIH., «I8hrlng«r»tr, *I iiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiii' Jumper-Kleider S 35.— Kinder- Rerrefl-Pmiover S 19.50 Kinder-Pullover . S 8.50 Prüfen Sie überall — Sie kaufen doch im Spezialhau« für Slrfckmoden M. HOLZER VI., Marfahilferttr. 89 (neben FlcMer.k no) II.. Taborifr. IS (Hotel National) KARLSBAD. *lie WW. ällllllilll lllliü 3. (Ziisatzantrag des rumänischen Vertreters): Zur MWV.-Tagung mögen auch Vertreter von Kreisen oder Vereinen eingeladen werden, welche bisher nicht dem MWV. angeschlossen sind. Die Forderung an die Exekutive, die Initiative zum1 Ausbau der Makkabibewegung zu ergreifen, wird seit Jahren immer wieder gestellt. Im Vorjahre endlich wurde; die Schaffung eines entsprechenden Referates seitens der Exekutive zugesagt, doch hat sich in der Praxis der Vernachlässigung der nationalen Turn- und Sportbewegung durch die zionistischen Behörden bisher nichts geändert. Das Präsidium des Makkabi-Weltverbandes selbst ist mangels an Mitteln und infolge Ausbleibens der regelmäßigen Zahlungen der Kreisbeiträge zu völliger Hilfslosigkeit, verurteilt. Es steht sehr traurig um die jüdischnationale Körpersportbewegung. Abner Chelouche, der Präsident des Makkabikreises Erez Israel weilte dieser Tage auf der Durchreise von Basel nach Palästina in Wien. * Ein Schwimmiest veranstaltet die Hakoah am 1. und 2. Oktober im Dianabad, das durch die Mitwirkung des bekannten Weltrekordschwimmers gekennzeichnet sein wird. Arne Borg wird über 800, Meter gegen eine Staffel starten und auch über 400 Meter eine Staffel zum Gegner haben. Ueber 100. Meter soll ihn ein Vorgabeschwimmen gegen die besten österreichischen und Preßburger Schwimmer zwingen, eine Minute zu erreichen. Schließlich wird er wahrscheinlich als Ehrengast in der, Wasserballmannschaft der Hakoa'h mitwirken, um auch' seine Schnelligkeit als Wasserballer im Spiel gegen den P. T. E. zu zeigen. Auch der Prager Hagibor wird an dem Feste teilnehmen. Hakoah spielt an» Sonntag, den 2. Oktober im Rahmen der Fußballmeister s c h a f t gegen* den F. A. C. auf dem Pratersportplatz. Aus den bisher ausgetragenen drei Meisterschaftskämpfen der Herbstsaison haben die Hakoahner drei Punkte erzielt. Netifeld hat im letzten Freundschaftsspiel der Hakoah (Wien) gegen Sportklub,. das die Blau-Weißen 2 :4 verloren, nach einjährigem Aufenthalte in Amerika mit gutem Erfolg mitgewirkt. Gegen Makkabäa (Bratislava) siegte die Wiener Hakoah am letzten Sonntag 4:1 (1 :1). In der gemischten Meisterschaff unterlag Hakoa'h komb. in Hainburg 1:3 (0:2). Die Entscheidung um den Hockeycup zwischen Hakoah und O. H. C. endete nach dreimaliger Austrägung des Spieles knapp 2 :1 (2 :1) zugunsten des Hockeyklubs. Hagibor (Wien) siegte .in ■ der Amatenrmeisterschaft gegen Südstern 21 4: 2 (2 :1). Die Grazer Hakoah erhielt kürzlich vom Oesterreichischen Fußballbund ein langfristiges unverzinsliches Darlehen in der Höhe von 1500 Schilling. Dr. Silberberg wurde in der Vollversammlung der Hakoahfeühter wieder zum Leiter der Sektion gewählt. Bar Kochba, Breslau. Die beiden zionistisch orientierten Jugendvereine in Breslau, die sich mit der Ausübung aller Arten der Leibesübungen befassen, würden unter dem Namen „Jüdischer Turn- und Sportverein Bar Kochba, Breslau, e. V." zusammengeschlossen. Der Verein besitzt insbesondere auf dem Gebiete der Leichtathletik einen geachteten Namen. Auch die Fußballabteilung ist'zurr zeit in der Spitzengruppe der Breslauer A-Klasse zu. finden. Der im Bau befindliche Sportplatz geht der Vollendung entgegen und wird im Frühjahr mit einem großen jüdischen Sportfest eingeweiht werden. Makkabi (Czernowitz) entsendet zum Makkabi- Sportfest in Bukarest, das am 2. Oktober stattfindet, 40 Athleten, Turner und Hazenaspielerinne'n. Austritte aus dem Judentum. Felix Zeilinger, 31. Dezember 1905 Wien, led., X., Gudrunstraße 122. — Charlotte Rabathy, geb. Galombus, 29. IV. 1898 Tuke, verh., X., Quellenstraße 169. — Lola Ehrlich, 13. IX. 1907 Temesvar, led., X., Quellenstraße 90. — Margarete Schwarzmann, geb. Mehrer, ger. getrennte Busch, 1. VI. 1887 St. Georgen, ger. gesch., VIII., Wickenburggasse 3. — Ernst Wiesner, 6. XII. 1892 Wien, ger. gesch., VL, Köstlergasse 14. — Olga Pollak, 30. XII. 1912 Wien, led., VI., Gumpendorferstraße 20. — Klara Gerstmann, geb. Teich, 2. VI. 1896 Wien, verh., VI., Mittelgasse 37. — Henriette Hansi König, 8. V. 1887 Wien, led., I., Eßlinggasse 18. — Hans Gerstmann, 5. IX. 1888 Wien, verh., VI., Mittelgasse 37. — Kind Maria Lotte, 29. I. 1922 Wien, led., VI., Mittelgasse 37. — Rudolf Clement, 14. V. 1895 Wien, verh., XVI., Schellhammergasse 14. — Gattin Johanna Katharina HermTne, geb. Guntner, 29. XI. 1890 Wien, XVI., Schellhammergasse 14. — Felix Hojtasch, 4. VIII. 1896 Wien, led., II., Lassallestraße 28. — Nadya Tschernikoff, 8. V. 1902 Rostow,.lecL, VIII., Laudongasse 44. — Siegmund Rathbauer, 1. VIII. 1921 Podhorodyszcze, led., XX., Leystraße, Winarskyhof. Humoristische Ecke Copyright by Präger-Pressedienst (Dr. Max Präger) Wien- Die Kuh. In einem kleinen Ort lebte ein Melamed und seine Frau, und es ging ihnen recht gut. Eines Tages sagte die Frau: „Heute ist Jahrmarkt. Geh' und kaufe eine Kuh; dann haben wir täglich frische Milch und können leben wie der König von Frankreich." Da die Frau aber wußte, daß ihr Mann ungeschickt und weltfremd war, und nicht wissen würde, ob die Kuh gut sei, , nannte sie ihm Kennzeichen für die Güte einer Kuh: sie soll so und so groß, so und so fett sein, ein Euter haben und dergleichen. „Aber es tut nichts," — fügte sie hinzu — „wenn eines der Kennzeichen nicht ganz genau stimmt." Der Melamed steckt das Geld ein, das ihm seine Frau gegeben hat, und geht auf den Markt. Dort sieht er einen Bauern mit einigen Stück Vieh stehen; er geht zu, sucht ein Stück aus, auf das die Angaben seiner Frau ungefähr stimmen, und kauft es. Wie er heimkommt und die Frau den Kauf ansieht, schlägt sie erschrocken. die Hände überm Kopf zusammen: „Um Gottes willen, du Unmensch, du hast doch einen Ochsen gekauft!" Der Melamed entgegnet: „Nach den Kennzeichen, die du mir genannt hast, habe ich gekauft." — „Trottel," — schreit die Frau „du hast doch gesehen, daß das Vieh kein Euter hat!" — „Du hast mir gesagt: es tut nichts, wenn ein Kennzeichen nicht ganz genau stimmt; alle Kennzeichen stimmen doch bis auf das blöde Euter; was willst du also von mir?" Insterburger Neueste Nachrichten. Zwei Juden treffen einander: „Woher kommst du?" „Aus Insterburg." , . Aus Insterburg? Was gibt es Neues in Insterburg?" „Was soll es Neues geben in Insterburg? .Gar nichts." ' „Was heißt — gar nichts Neues in . Insterburg? In einer so großen Stadt gar nichts Neues?" „Weiß ich? — Ein Hund hat gebellt." „Ein Hund hat gebellt? Was heißt ein Hund hat gebellt in Insterburg?" „Weiß ich? Menschen sind zusammengelaufen, hat ein Hund gebellt." „Was? Wie? Menschen sind zusammengelaufen? Ein Hund hat gebellt in.Insterburg,? Hm... hm... was?" ,-,Weiß ich was? Deinen Bruder haben, sie eingesperrt! Da sind Menschen zusammengelaufen, da hat ein Hund gebellt." . „Mein Bruder eingesperrt?: Menschen sind ., zusammengelaufen? Ein Hund hat gebellt in Insterburg? Was heißt das? Warum hat man meinen Bruder eingesperrt?" * „Warum man ihn eingesperrt hat?. Er hat Wechsel gefälscht, hat man ihn eingespert." „Mein Bruder hat Wechsel gefälscht.?! Das ist doch nichts Neues!" „Nun ja, ich hab' dir doch gleich, gesagt es gibt nichts Neues in Insterburg." BÜCHERSTUBE M. R AT H Wien, II. Taborstraße20a Reichhaltiges Lager an belletristischer ü. wissenschaftlicher Literatur Judaica / Hebraica / Jugendbücher - Neuerscheinungen Grösste Auswahl billigster Bücher in der neu eingerichteten BÜCHER SCHWEMME Bftcfier gu i, 2 n»3 ^chilHwg Bei grösseren Bestellungen werden auch Teilzahlungen gewährt #. Ueberzeugen Sie sich selbst in der BÜCHERSTUBE M.RATH Wien, II. Taborstrasse 2 oa