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Die neue Welt · 1927-09-30 · Heft 2 (30.9.1927) · page 9

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 2 (30.9.1927)
Date
1927-09-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 2 DIE NEUE WELT Seite 9 Verband der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden. Angebote und Nachfragen. Liste IX. Nachfragen: 981. Firma in Wien übernimmt Vertretungen in patentierten Neuheiten. 983. Firma in Belgrad sucht Fußbadenglanzapparate. 984. Firma in Mexiko übernimmt Vertretungen aller Art. 986. Firma in Beyrouth übernimmt Vertretungen in Papier, Leder etc. 987. Firma in Zelina sucht Intarsien für Holzwaren. 988. Firma in Bratislava sucht Zerstäuberapparate.! 990. Firma in Amsterdam sucht Vertretung in Papier, Pappe und Kartons. 991. Firma in Den Haag sucht Vertretung in Herren- und Damenmode. 992. Firma in Lisboa sucht billige Bijouteriewaren. 994. Firma in Belgrad sucht Verbindung mit österr. Kaffeeimporteuren. 995. Firma in Bukarest sucht Elektromaterial. 996. Firma in Chypre sucht Vertretung in Geweben aller Art. 997. Firma in Rotterdam sucht Verbindung mit Lederfabriken. 998. Firma in Danzig benötigt laufend Handtaschen. 999. Firma in Berlin sucht Strickwaren. 1000. Firma In Budapest sucht Vertretung in Hanf¬ und Leinenwaren. 1002. Firma in Rio de Janeiro sucht Vertretung in Lebensmitteln. 1003. Firma in Konstantinopel sucht Vertretung in Modewaren.,, 1004. Firma in Prag sucht Vertretung in Nähmaschinen und Motorfahrzeugen. 1005. Firma in Hamburg sucht Vertretung in Bleistiften. 1006. Firma in Brüssel sucht Vertretung in Wolle und Baumwollstoffen. 1009. Firma in Mailand sucht Verbindung mit Erzeugern von Damentaschenbügeln, 1Q10. Firma in Lissabon . benötigt Taschenlampenbatterien. 1011. Firma in Gablonz sucht Vertretung in Galanteriewaren. 1012. Firma in Budapest sucht Vertretung in Textilwaren. '" 1013. Firma in Polen sucht Verbindung mit Händlern von Uhrgehäusen aus Blech. 1014. Firma in Holland sucht Ledergalanteriewaren. 1015. Firma in Krakau sucht Verbindung mit Erzeugern von Buchbinderbedarfsartikeln. 10.16. Firma in Antwerpen benötigt Metallsägeblätter, Bohrer etc. 1017. Firma in Rumänien sucht Verbindung mit Erzeugern von Belclddühgi&leder. .1019. Firma . in Wien . benötigt Ochsenschalen aus Kunstharz. .' 1024. Firma in Wien sucht Gesellschafter für ein gutgehendes Konfektionsgeschäft. Angebote: 980. Firma in Sizilien offeriert Südfrüchte. 982. Finna in Deutschland sucht Abnehmer ffir Stempelfarben. 985. Firma in Bombay offeriert Mango-Pulp (Marmelade). 989. Firma in Kreta offeriert Kretawein. 1008. Firma in Deva offeriert Nüsse, Getreide und Gemüse. 1020. Firma in Wien offeriert Glühbirnen. 1021. Firma in Wien offeriert Lizenzen für Bierregistrier- und Meßapparate. 1022. Firma in Wien offeriert Gold- und Silberwaren. 1023. Firma in Wien offeriert Zclluloidbügel für Damentaschen. Die Adressen sind täglich mit Ausnahme von Samstag und Sonntag von 9 bis 11 Uhr vormittags im Sekretariat des Verbandes der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden. I., Elisabethstr. 9, Stiege rechts, I. St. (Kredit- und Handelskassa „Metropole") (Tel. 69-0-18) zu zu erfragen. Chiffreangabe erforderlich. Schriftlichen Anfragen seitens der Verbandsmitglieder ist ein frankierter Umschlag beizulegen. Verband der jüdischen Kaufleute. Rumälscher Kommissionär, der seit Jahren im Nuß-, Nußmandel- und Obstexport tätig ist, sucht Verbindung mit ausländ. Exporteuren. Adresse durch die „Neue Welt" zu erfragen._ Der Kreditschwindel in den Nachfolgestaaten. Unter Mitwirkung und tatkräftiger Förderungzahlreicher Gläubigerschutz-Institutionen, wirtschaftlicher Korporationen, Kreditauskunfteien usw. wurde auf Drängen der Großindustrie, des Engros- und Exporthandels eine 25.000 Orte der Nachfolgestaaten umfassende, großzügige Kreditschutz-Organisation ins Leben gerufen, deren einzige Aufgabe es ist, die tausenden Arten des Kreditschwindels und des Kreditmißbrauches, unter welchen die heutige Wirtschaft unendlich leidet, erfolgreich zu bekämpfen. Die Vertrauensleute rekrutieren sich aus dem Kreise der Bankwelt, der Großindustrie, des Großhandels, außerdem haben die Vertrauensmärinerfunktio.n viele Bürgermeister, Auskunftsinhaber, bekannte Spediteure, Bankdirektoren, Gemeindenotäre, Postmeister, Grundbuchführer usw. übernommen. Üeber die Riesenschar von Vertrauensleuten der 25.000 Orte der Nachfolgestaaten wird ein sechsbändiges Adreßwerk angelegt, welches unter dem Titel „Auskunftskompaß" der Kreditorenwelt zugänglich gemacht" wird. Die ersten zwei Bände, der für die Gesamtwirtschaft unentbehrlichen Informationsbehelfe, der „Auskunftskompaß für Oesterreich" und der „Auskunftskompaß für die Tschechoslowakei" gelangen unter der Aegide des Zentralverband der Auskunfteien durch die „Confidentia", Verein zum Schutze kaufmännischer Interessen, zur Ausgabe. sehen Anlage der östlichen Juden ist zweifellos .auf den streng orthodoxen Kultus und Ritus zurückzuführen, der Geist und Gemüt so ungebührlich in Anspruch nimmt, daß, wer Gott und sich seKbst gerecht werden will, alle seine Kräfte aufs äußerste anspannen, nervös und schließlich hysterisch werden muß (Hepner). Schwere organische Gehirn- und Rückenmarksleiden treffen wir bei den Juden viel seltener an, wohl deshalb, weil sie weniger dem Alkoholgenuß ergeben sind und infolge des soliden Lebenswandels auoh seltener Syphilis erwerben. Die große Armee der Neuro- .und Psychopathen unter den Juden ist nicht die Folge einer anatomischen oder physiologischen Besonderheit, sondern ihre Ursache liegt in der Geschichte der unsäglichen Leiden und des ununterbrochenen Martyriums des jüdischen Volkes seit zwei Jahrtausenden. Kein Volk hat gegen ungünstigere Verhältnisse und das Nervensystem aufreibendere Widerstände zu kämpfen gehabt. Die pathologischen Unterschiede, die zwischen den Juden und den nichtjüdischen Bewohnern bestehen, lassen sich sowohl durch die Unsumme der ausgestandenen Leiden als auch durch die verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen erklären. Das ungeheure Anwachsen der jüdischen Nervosität In den Jahren des Krieges und der Progrome beweist deren Zusammenhang. mit den seelischen Verwundungen, die Todesangst, Mord, Verfolgung und Beraubung' in den Gemütern hinterlassen haben. Dazu kommt der Um-- stand, daß Städtebewohner, welche die Juden vorzüglich sind, an und für sich ein hohes Kontingent pn Neufasthenikern stellen. Das aufreibende Berufsleben, die unsichere Existenz, die rastlose Geschäftstätigkeit, die Spe- - Relationen verursachen nicht wenig Kummer und Sorge; so gerät das ruhelos ermüdete Gehirn des Juden bei minder entwickeltem Körper unter geringfügiger Ursache in Unordnung. Von einigen Nervenärzten werden auch die v i e 1 en VeT wandten eh en für die Nervosität der Juden verantwortlich gemacht. ' Aber gerade die ungeheure Steigerung der Nervösen " und Zitterer bei allen am Weltkrieg beteiligten Völkern erklärt mit erschreckender Deutlichkeit, daß die Nervosität der Juden nicht eine Eigentümlichkeit des Volkes, sondern ein trauriges Erbteil ihrer mißhandelten Ahnen, eine traurige Folge ihrer psy- chischen Insulte und ihrer sozialen Not ist. So hat leider die Rassenpathologie recht, was die Häufigkeit der Nervenkrankheiten dim jüdischen Volk betrifft, für eine Zunahme anderer Leiden fehlt der Beweis.; Wenn man so die Ursache der neurotischen Disposition der. Juden nicht in einer Eigentümlichkeit der Rasse erkennt, dann bleibt auch die Ho#n«ng, dalß neben eugenetischen Bestrebungen eine Besserung der sozialen Verhältnisse des jüdischen Volkes und ein Aufhören der physischen und psychischen Bedrückungen eine Genesung herbeiführen ward. Theater und Kunst Wiener Theaterbrief. „X Y Z" nennt der Dichter Kl ab und eine Farce, die im . Akademietheater dem Publikum durchaus, dem Referenten bloß bis in die Mitte des Abends Spaß machte. Zwei Amüsement-Akten ä la Molnars „Spiel im Schloß" (aber nicht so locker und brillant, sondern arg mit „Geist" beschwert, ja mit Buddha), ist ein gar umständlicher, nach unserem Empfinden' verhauter, dritter Akt angefügt (angeklebt), der mühselig von Simplizissimusspäßen lebt und sich nicht und nicht dazu entschließen kann, bis er es ja tun muß: Nämlich dem Kulissenspaß mit einer nachdenklichen Ansprache an das Publikum ein gewaltsames Ende zu bereiten. Das ganze ist eine Angelegenheit I la „Caroussel". Die Herren X und Z drehen sich um Madame Y. Heute ist X ihr Gatte und Y ihr Diener, morgen umgekehrt und dann gleicht man sich auf 50 Prozent aus. Eine kräftige Messerspitze „Judenfrage" gibt dem literarischen Ulk erwünschten satirischen Beigeschmack. Herr X ist Jude. Abenteurer und Hochstapler zwar, aber ein ganzer Kerl, rassiger Liebhaber und romantischer Hingabe fähig. Neben dem kastenbewußten, blaublütigen, degenerierten, ausgerauchten Herrn Z schneidet er glänzend, ab. Ganz besonders in den Augen der Baronin Y, die von Carola Neher eine höchstpersönliche Note bezieht. Entzückend die Frische, das eigenherrliche Wesen der Künstlerin. Jede Szene bringt neue Ueberraschungen, weil es bei dieser Vollnatur keine Wiederholungen gibt. Herr Aslan, der den Juden spielt, weiß mangelndes Temperament durch Nonchalance und Humor zu ersetzen, Herr Treßler karikiert lustig, und Herr Moser ist der ergebenste, verläßlichste aller Herschaftsdiener. — Ein Bombenerfolg. * Georg fCaiser sagte vor drei Jahren einem Pariser Publizisten, die Stücke^ die er schreibe, um Geld für seine Passionen zu verdienen, seien für ihn ein geometrisches Problem, Er lese nichts, die Bühnenwerke der anderen sehe er sich nicht an, auch die eigenen nicht, die Schauspieler kenne er nicht. Und die Kritiken über seine Werke lese er schon gar nicht. Da man keine Ursache hat, ihm nicht zu glauben, entstand also sein neues Lustspiel „P apier m ü h 1 e", das im Deutschen, Volkstheater in Szene ging, nur als geometrisches Problem: Autor kontra Kritiker; und nicht — wie vielfach kommentiert wurde —■ als Abrechnung mit Alfred Kerr. Es ist ein recht konventionelles Lustspiel, modern bloß das kurz angebundene, streckenweise prachtvoll sachliche, dann aber wieder seelenlose, maschinenhaft prompte Kaiser-Deutsch. Neben seinen, dramatischen Dichtungen wie: „Die Bürger von Calais",;,Flucht nach Venedig" und „Nebeneinander",, neben seinen kräftig satirischen Amüsierstücken, wie. „Kolportage"— eine Belanglosigkeit. Aber unter Leitung Schweikarts eine sehr bemerkenswerte Ensemble-Leistung des Deutschen Volkstheaters, der bloß die gewaltsamen Anstrengungen des sonst so treffsicheren Herrn H o m m a, den Schmarotzer am fremden Schaffen, den hochmögenden, dummen, feigen Kritiker, ja recht deutlich zu machen, Abbruch tat. * Das Grosavescu-Stück Felix Fischers (Renaissance-Bühne : „Darf man töten..."), ein Zeitstück, wie es diese Zeit verdient, hat den Reklame- Flieger Levine mächtig angezogen. Er kam auf dem Luftweg nach Indien zur Wiener Premiere (das Flugzeug streikte zur guten Stunde) und verlangte, daß man im Zwischenakt von der Bühne dem Publikum seine Anwesenheit mitteile. Wir Juden sind mit allerlei Prominenten gesegnet. Auch dieser hervorragende Luftfahrer kann uns gestohlen werden. Bitte, keine weiteren Notlungen in Wien, Herr Levine! Gehört diese ppisode in den Theaterbrief? Leider Gottes. Theater und Reklame sind Zwillingsbrüder, gleichberechtigte, innig verbundene, einander bedingende Gewächse am Fruchtboden der Kunst... O. A. - *v. Simon Seligmann gestorben. Im Alter von 73 Jahren .starb in Paris Herr Simon Sei ig mann, der Begründer der in der ganzen Welt bekannten Pariser Kunstfirma Gebrüder Seligmann. Er war eine der anerkanntesten - Autoritäten aajf künstlerischem Gebiet. Baruch Agadati. Der Schöpfer der hebräischen Tanzkunst. Es spricht für die jüdische Renaissancebewegung und ihre neuhebräische, in Palästina verwurzelte. Kultur, daß die hebräischen Künstler überall, in Europa den tiefsten, unauslöschlichen Eindruck auch bei kunstverständigen Niohtjuden himtenlassen. Das Ekstatische dieser neuen Kunst erscheint geradezu inkarniert in dem jungen palästinensischen Tänzer Baruch Agadati. — Er wird hier im neuen Saal der Burg Samstag, den 1. Oktober d. J. chassidische, jemenitische und arabische Tänze tanzen. — Agadati, der, sich, nachdem er das russische Ballett verließ, zehn volle Jahre der Erforschung des jüdischen Lebens und Volkstanzes widmete, schuf aus den Wesenszügen des Volkes, die er fand, den neuen Tanzstil. Er ist nicht nur der Schöpfer des jüdischen Tanzes, sondern auch der Begründer einer Schule, die besonderes Interesse bei den maßgebenden Kunstkreisen Europas erweckt. Daß auch Wien darin nicht zurückgeblieben ist, beweist, wie viel sich die Wiener Presse noch vor seinem Auftreten mit ihm und seiner Kunst beschäftigt hat. — Nach, seinen großen Erfolgen in Paris, Berlin und Basel ist er für Polen, Schweiz und Budapest fix engagiert. Man darf auf sein Auftreten gespannt sein. Es ist zu erwarten, daß er seiner Berufung, der hebräischen Kultur in Europa auch weiterhin Achtung zu erringen, genügen wird. Wie eine jüdische Malerin Palästina sieht Kollektiv-Ausstellung Grete Wolf-Krakauer. — Kunstsalon Würthle. Beim ersten Blick auf die Wände dieser Ausstellungsräume wurde mir warm ums Herz. Ich bin kein zünftiger Genießer und Beurteiler bemalter Flächen. Aber hier sah ich im Bilde Land und Leben, das neue Land und das neue Leben Palästinas so, wie es mich vor zwei Jahren durch seine strenge Größe bezwungen hat. Oft, allzu oft präsentieren und empfehlen sich Bilder und Zeichnungen aus dem neuen Erez Israel. Grete 'Wolf-Krakauer scheint mir doch die erste zu sein, die das werdende

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