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Die neue Welt · 1927-09-30 · Heft 2 (30.9.1927) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 2 (30.9.1927)
Date
1927-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr. 2 DIE NEUE WELT Seite 5 Aus Palästina. Die Regierung rechtfertigt sich ~ und spart weiter. Am 5. September erschien der Gouverneur Lord Plumer in Begleitung seines Adjutanten Brighton, des Regierungsschatzmeisters Davis, des zweiten Bezirksgouverneurs Crusby und der Sekretäre Cust und Samuel in Tel-Awiw. Sie wurden von Vertretern der Stadtverwaltung und der Zionistischen Exekutive empfangen. Lord Plumer teile mit, daß die Regierung der Stadtverwaltung einen Kredit von 10.000 Pfund gewähren wird, damit Notstandsarbeiten durchgeführt werden können, um die Not der Arbeitslosen zu lindern. Der Schatzmeister Davis ergriff sodann das Wort'zu längerer Ausführung, um die Finanzlage der Palästinaregierung zu schildern. Er suchte vor allem nachzuweisen, daß die Regierung die bei der Verwaltung des Landes erzielten Ueberschüsse angesichts der Not im Lande nicht tot in den Kassen liegen läßt. Allen Anwesenden war es klar, daß es sich hier um eine Antwort auf die vom Z i o n i s t e n k o n g r e ß her erhobenen Anklagen handle, insbesondere um eine Antwort auf die Rede des amerikanischen Zionistenführers Dr. Stephen W i s e, welcher der Regierung zum Vorwurf machte, daß sie aus dem armen, aufstrebenden Lande über eine Million Pfund herausgewirtschaftet hat. Die von der Regierung geplanten Notstandsarbeiten umfassen mehrere Straßen in Tel-Awiw, Im Anschluß an diesen Vorfall in Tel-Awiw stellte der Regierungsvertrefer von Tiberias die Vergebung von Drainagearbeiten an die dortigen Arbeitslosen in Aussicht. * Der ausgeworfene Betrag von 10.000 Pfund ist angesichts einer Zahl von einigen tausend Arbeitslosen in Tel-Awiw absolut unzureichend und kann höchstens als Willensäußerung, als Andeutung von Hilfsbereitschaft, nicht aber als Tat gewertet werden. Erfreulich ist der Umstand, daß die auf dem Kongreß geübte Kritik die Palästinaregierung scheinbar aus ihrer Gleichgültigkeit gebracht hat. Der Kongreß hat bei verschiedenen Gelegenheiten die von der Zionistischen Exekutive so hartnäckig, beobachtete und verteidigte Politik des Nachgebens gegenüber der Palästinaregierung getadelt. Es erweist sich, daß er richtig.gehandelt hat. Weniger erfreulich klingt die Meldung, daß das Londoner Kolonialministerium inzwischen die Palästinaregierung angewiesen hat, im Hinblick auf die verminderten Staatseinnahmen die Ausgaben um mindestens 10 0.00 0 Pfund zu kürzen. Die Palästinaregierung' hat daraufhin die Durchführung geplanter Arbeiten eingestellt und die Beamtengehälter um 10 Prozent gekürzt. Vom rein fiskalischen Standpunkt erscheint dieses Verfahren gerechtfertigt. Wenn man aber bedenkt, daß heute aus der Palästinakassa bereits Kriegs- und Nachkrie gsschulden an England und andere bezahlt werden, daß diesem armen Lande nicht "das jEntgegenkommen bewiesen wird, das man zum Beispiel dem ehemaligen Feindstaat Oesterreich bewiesen hat, dann kann man die Einstellung von Regierungsarbeiten in einer Zeit ungeheurer Arbeits- losigkeit nur t a d e 1 n. Die JEinnahinen der Palästina-Verwaltung. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Indem Vierteljahr April-Mai-Juni 1927 beliefen sich die Einnahmen der Palästinaregierurig auf 471.746 Pfund, die Ausgaben auf 457.804 Pfund. Ina Finanzjahr 1926-27 beliefen sich. . die E j u n a h m e n der Palästinaregierung auf 2.390.081 Pfund, die Ausgabe n auf 2,103.275 Pfund. Die Einnahmen blieben hinter der mit 2,535.034 Pfund im Budget veranschlagten Summe zurück. Oie Arbeitslosigkeit in Palästina. Unruhe in Tel-Awiw. London, 27. September. Wie aus Tel-Awiw in Palästina gemeldet wird, sind zwischen Arbeitslosen und den offiziellen Stellen Differenzen ausgebrochen. Die Arbeiter forderten nämlich, die Auszahlung einer Zulage, was aber angesichts des Mangels an nötigem Kapital verweigert werden mußte. Radikale Elemente versuchten, diese Differenzen auszunützen und forderten die unzufriedenen Arbeiter auf, d i e P r ä f e ktur (?) anzugreifen. Der Intervention von besonnenen Elementen gelang es aber, Ausschreitungen zu verhüten.; Die^e amtliche Meldung ist siemiieh lückenhaft, Es ist wahrscheinlich, daß ein Hetzversuch kommunistischer demente unternommen wurde, aber mißlungen jst, Die Arbeitslosigkeit in Tel-Awiw ist so arg daß *r wie wir oben mitteilen — die Regierung der Stadtverwaltung einen Kredit von 10.000 Pfund für Notstandsarbeiten zugesagt hat. Mehr als zwei Millionen Pfand Einnahmen des Jüdischen Nationalfonds,» Jerusalem. Zusammen mit den Pfund 29.063, die der Keren Kajemeth l'Israel im Monat August erhalten hat, sind die Einnahmen seit seiner Begründung jetzt auf Pfund 2,008.700 gestiegen. Wenn man in Betracht zieht, daß diese Summe größtenteils aus ganz kleinen Beträgen gesammelt worden ist. kann man sich eine Vorstellung davon machen, welche Mühe und Energie die Zehntausenden von Mitarbeitern des.K. K. in der ganzen Welt aufgewandt haben, bis es ihnen gelungen ist, diese Summe während 25 Jahren aufzubringen. Die Einnahmen im Monat August 1927 in der Höhe von Pfund 29.063 bedeuten einen Fortschritt gegenüber den Einnahmen im August 1926, die nur •Pfund 25.135 betrugen. Zu der Einnahme des August 1927 haben Beträge von mehr als Pfund 500 geleistet: Amerika mit Pfund 19.017, Südafrika mit Pfund 1101, Warschau mit Pfund 780, England mit Pfund 761, Italien mit Pfund 702, Deutschland mit Pfund 679, Transsylvanien mit Pfund 624, Erez Israel mit Pfund 545, Jugoslawien mit Pfund 550. Vom 1. Oktober 1926 bis zum 31. August 1927 betrugen die Einnahmen Pfund 249.796 gegenüber Pfund 251.674 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Einnahmen des Keren Hajessod (Palästina-Aufbaufond) im August 1927. Jerusalem. Die Einnahmen dse Hauptbureaus des K. H. in Jerusalem betrugen im Monate August 19 2 7 Pfund 3 6,8 5 9. 0. 2. Die Gesamteingänge des Hauptbureaus des K. H. bis zum 31. August 1927 betragen damit Pfund 3,1 2 4.5 8 8.17. 7. An . den Eingängen im August sind folgende Länder hauptsächlich beteiligt: Vereinigte Staaten Pfund 20.978, Südafrika Pfund 4000, Argentinien Pfund 2289, Neuseeland Pfund 1730, Polen Pfund 1268, Bulgarien. Pfund 1250, Deutschland Pfund 1206, Rumänien ^fund 1137, Algier Pfund 655, Holland Pfund 624. Eine aufsehenerregende Meldung. Tel Josef übersiedelt nach Rußland? Das Lemberger zionistische Tagblatt „Chwila" schreibt: Aus Moskau wird berichtet, daß ein Palästinenser namens E1 k i n dort eingetroffen ist, um wichtige Verhandlungen mit der Sowjetregierung zu führen. Er hat sich als Delegierter einer lOOköpfigen Arbeitergruppe aus der jüdischen Kolonie Tel Josef legitimiert. Die Kolonie ist nach dein kommunistischen System eingerichtet. Die hundert C h a 1 u z i m wollen Palästina verlassen und als Kolonisten nach Sowjetruß 1 and gehen. Die Verhandlungen Elkins mit der Sowjetregierung haben ein positives Ergebnis erbracht. Die Sowjetbehörden sollen bereits den palästinensischen Arbeitern die Einreisebewilligung erteilt und sich bereit erklärt haben, den jüdischen Einwanderern freies Land in der Krim anzuweisen und die notwendigen Kredite zu gewähren. Die „Chwila" fügt hinzu, daß eine offizielle Beglaubigung des Berichtes bis nun nicht vorliegt. —' Zur Meldung des Lemberger Blattes wäre zu bemerken, daß bereits auf dem Baseler Kongreß Gerüchte ähnlichen Inhaltes kursierten, ohne jedoch eine einwandfreie Beglaubigung zu erfahren. Jedenfalls ist Besorgnis geschaffen und Aufklärung seitens der autorisierten zionistischen Stellen tut not. Pie Jewish-Agency-Experten kehren nach Amerika zurück. Jerusalem. (J. T. A.) Prof. Elwood Mead und Prof. Jakob Lippmann, die landwirtschaftlichen Sachverständigen der Jewish Agcncy-Koinmission, haben am 12. September Palästina verlassen, um nach den Vereinigt enStaaten zurückzukehren. Vorher empfingen sie Vertreter des Landwirtschaftszentrums der Arbeiterorganisationen und berieten mit ihnen über die Methoden der Siedlung im Hinblick auf die für Ansiedler in. Palästina noch bestehenden Schwierigkeiten, die besonders in dem Mangel an Anlagekapital bestehen. Prof. Mead legte den Arbeitervertretern eine Anzahl Fragen bezüglich der Konstitution der Kwuzoth vor. Dr. Wollman, der Wirtschaftsbeirat der Sachverständigenkommission, besuchte mehrere Arkedterinstitutionen und erörterte mit deren Leitern Fragen der Finanzen und Organisation. Ferner konferierte er mit Pinohas Ruthenberg über den Plan der Elektrifizierung Palästinas. Er kam auch mit Vertretern der Handwerkerorganisationen und der Kreditgesellschaften zusammen. Auch besuchte er mehrere Fabriken in Tel-Aviv. Von 4ört begab er sich nach dem Norden zum Besuche von Sämarja und Haifa. Er hat auch seinen Besuch in den jüdischen Kolonien von Judäa angekündigt. Dr. Woliman bleibt bis Ende September in Palästina. Lord Plumer eröffnet die Landwirtschaf ts« Ausstellung in Haifa. 1927 ein Jahr des Unglücks, aber auch gemeinsanier Arbeit. Ani 20. September wurde die landwirtschaftliche Ausstellung Palästinas in H a i f a eröffnet, Oberkommissär Lord Plumer hielt eine Ansprache, in der er ausführte, das Jahr 1927 werde in dem Gedächtnis der Menschheit als ein Jahr des Unglücks für Palästina gelten, zugleich aber auch als ein Jahr gemeinsamer Opfer der gesamten Bevölkerung. Lord Plumer wies auf die Wichtigkeit dieser Ausstellung hin, die eine Illustration dafür ist, daß die Landwirte aller Glaubensbekenntnisse Palästinas Hand in Hand <an der Entwicklung der Landwirtschaft arbeiten, die der palästinensischen Industrie einen Rückhalt gibt. Die Hälfte der Einnahmen der Ausstellung wird zugunsten der Erdbebenopfer verwendet. Die Zionistische Exekutive und die großen jüdischen Kolonien sind an der Ausstellung nicht direkt beteiligt. Die jüdischen Aussteller aus N a h a 1 a! wurden mit Preisen für die Eierproduktion, die jüdischen Siedler von AjnCharod mit Preisen für Gemüsezucht, die jüdischen Pflanzer vom Karmel mit Preisen für die Mandelbaumzucht bedacht. Bis jetzt wurden die palästinensischen landwirtschaftlichen Ausstellungen abwechselnd in Jaffa und Nablus abgehalten. Von jetzt ab werden die Ausstellungen abwechselnd in einem Orte des nördlichen und einem des südlichen Distrikts abgehalten werden. Die jüdische Palästinawanderung. Aus Jerusalem wird gemeldet: Im Monat Juli 1927 kamen nach Palästina 273 Eimvaudtrer, unter ihnen 223 Juden: in dem gleichen Monat wanderten 618 Personen, unter ihnen 3S3 Juden, aus. Die entsprechenden Zahlen für Juni sind fügende* Ks wanderten 376 Personen (311 Juden) ein und 749 Personen (565 Juden) aus. Beginn der Hafenarbeiten in Jaffa. Jaffa. Die Palästina-Regierung hat mit dem Ingenieur Out einen Vertrag über die Geländeplanierung am Jaffaer Hafen abgeschlossen. Sobald die Pianierung fertig ist, wird mit der Errichtung von Lagerhäusern und anderen Hafengebäuden begonnen werden. Die Arbeiten für die Erweiterung beim Ausbau des Hafens selbst werden in diesen Tagen beginnen. Die Rutenberg-Arbeiten im Jordantal. Jerusalem. Die Vorbereitungsarbeiten zur Durchführung des Rutenbergschen Wasserwerkes im J o r d a ntal haben bereits begonnen. Auf dem fast wüsten Platz, 20 Minuten von der Kwuzea Gesener neben der Zollgrenze von Transjordanien, wurde ein Arbeiterlager errichtet, wo in einer Reihe von Zelten und hölzernen Barackein über hundert Arbeiter und eine Reihe von Beamten untergebracht sind. Es werden jetzt die Arbeiten für die Abzweigung der Eisenbahn durchgeführt und das Fundament für die Dieselmotoren gelegt, die cito erste Kraft für die kommenden Arbeiten liefern sollen. Man hat auch mit dem Bau der ersten Häuser begonnen, von denen 30 aus Beton' errichtet werden sollen. Außer den Arbeitern, die aus den Städten hiehergebracht werden,, finden dort auch Arbeiter aus den landwirtschaftlichen Siedlungen der Umgebung, wie Gescher, Dagania A und Dagania B, Beschäftigung, und zwar mit ihren Zugtieren und Wagen, so daß hie* insgesamt Zbereits gegen 200 Arbeiter versammelt sind. Die Verwaltung beschäftigt auch eine beträchtliche Zahl arabischer Arbeiter. Für die sanitäre Lage wurde sehr gut vorgesörgt, so daß der Gesundheitszustand der Arbeiter trotz der großen Hitze der letzten Tage ein recht guter ist. Alle Arbeiten werden durch lokale Arbeitskomitees verteilt. Die Beziehungen zu der Verwaltung und den Leitern der Arbeit sind gute. Der M i n i m a 11 o h n beträgt 30 Piaster pro Tag, während das Essen und die Wäsche 14 Piaster kosten. Man glaubt, daß bei Beginn des Winters, in ungefähr zwei Monaten, die englischen Arbeiten bei den Bohrungen des Kanals, der als neues Bett für den Jlordan, dienen, soll, beginnen werden. Der Wiederaufbau der Jerusaleraer Universität. Jerusalem. Die Wiederauf bauarbeiten. an den durch das Erdbeben zerstörten Gebäuden der" hebräischen Universität Jerusalem schreiten gut vorwärts. Die von dem Erdbeben am schwersten betroffenen Werkstätten mußten vollständig abgetragen und an ihrer Stelle ganz neue Bau- 1 i c h k e i t e n errichtet worden. . An dem Institut für Mathematik und Physik, wie auch an dem Gebäude der M a t i o n a 1 b i b I i o t h e k würden' keine Fundamente zerstört. Man hofft, daß sämtliche Wiederherstellungsarbeiten sowie die Installierung der Apparate bis zur Wiederaufnahmt der Vorlesungen im Herbst durchgeführt sein werden. Neue Bahnstation im Emek. Au! der Linie Haifa-Zeinach wurde eine heue Eisenbahnstation bei der sephardischen Siedlung Kfer Barach eröffnet, und eine zweite bei Kilometer 79, zwischen Gescher und Zemach beim Lager für dl« Ruthenberg- Arbeiten. Zunehmende arabische Auswanderung aus Palästina. Wie verschiedene Zeitungen berichten, nimmt in letzter Zeit In Palästina die Auswanderungsbewegung unter den mohammedanischen Arabern sehr zu, und zwar Infoige des guten Fortkommens der bisherigen Auswnderer im Auslande, besouders in S ii damerika, wo es große Kolonien syrischer und palästinensischer Araber gibt. Touristenverkehr in Palästina. Wie das „Commercial Bulletin" vom 1. September berichtet, kamen während des Monates Juni 1927 2822 Reisende und 2700 zurückkehrende Bewohner, Immigranten nicht einbegriffen, nach Palästina, Polen baut Handelsschule für den Verkehr mit Palästina. Warschau. (J. T. A.) Hier verlautet, daß die polnische Regierung den Bau zweier neuer Handelsschiffe zum ausschließlichen Handelsdienst für den Orient und besonders Palästina in Auftrag gegeben hat.

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