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Die neue Welt · 1927-09-23 · Heft 1 (23.9.1927) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 1 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 1 7 ' Belgiens, Luxemburgs, Oesterreichs, der Tschechoslowakei und Ungarns umfaßt, hat ein hervorragender Führer der französisohen Handelspolitik sich über das Eisenkartell, wie folgt, geäußert: „Wir haben die Beteiligung anderer Länder am Eisenpakt lebhaft be-; günstigt und unser innerer Gedanke war dabei auch; dort etwa, wo, wie vor dem Kriege, die Rüstungsi Industrie einen solchen veranlassen könnte, durch die Intimität der gegenseitigen Verbindungen wenigstens das eine herbeizuführen, daß kein industrieller Zwiespalt den Weg zum Frieden verhindere. Ich hoffe, daß in bezug auf die chemische Industrie wir ebenfalls bald zu einer Verständigung gelangen werden." Unbelehrbare Pazifisten haben ja schon oft die Ansicht vertreten, daß die Rüstungsindustrie in allen Ländern immer zum Kriege getrieben habe, aber es I dürfte wohl zum ersten Male vorgekommen sein, daß ein aktiver Handelspolitiker, der, wie seine warmen / Worte über den Eisenpakt schließen lassen, zweifellos selbst Eisenindustrieller ist, zugibt, es sei gewissermaßen der Rüstungsindustrie wesentlich, Kriege zu veranlassen. Ist der Krieg ausgebrochen, oder schon früher, wenn nur Kriegsgefahr droht, pflegen die Rüstungsindustriellen und in ihrem Auftrage nicht bloß die hiefür direkt bezahlten Skribenten, sondern auch die Regierungen, Parlamentarier, Berufs- und Dilettantenpolitiker, dem Volke zu erzählen, daß es die Abwehr eines ungerechten Angriffes auf den Staat gelte, und Priester, Dichter, Gelehrte und Ethiker rtrfen alle Mächte des Himmels an, um zu beschwören, daß es ein gerechter Krieg sei. Daß er „veranlaßt" worden sei, wird wohlweislich verschwiegen, denn wie sollte sonst der fromme Bürger dazu bewogen werden, seine Haut um der staatlichen Aufträge an die Kriegsindustrie, um der Steigerung der Gewinne des Rüstungskapitals willen zu Markte zu tragen? Die Aeußerungen des führenden Handelspolitikers schaffen die erwünschte Klarheit und sie verdienten es, den Völkern mit der größtmöglichen Eindringlichkeit eingeprägt zu werden, damit diese wissen, woran sie sind. Jetzt versteht man es, warum alle Abrüstungskonferenzen bisher immer zum Mißerfolg verurteilt waren. Eine Regierung, die den Abrüstungspakt unterschrieben hätte und die auch gewillt wäre, ihn zu halten, würde die Rüstungsindustrie des eigenen Landes zum langsamen Absterben verurteilen. Keine Rüstungsindustrie, und zwar nicht nur das Rüstungskapital, sondern auch die von ihm beschäftigten Arbeiter, würde auch nur einen Tag eine Regierung am Ruder dulden, die es mit der Abrüstung ernst nehmen wollte. Es gehört zu den Eigenarten der modernen Produktion, daß die einzelnen Industrien allein schon vermöge ihres Bestandes gewisse unvermeidliche Wirkungen hervorrufen. So wie nicht so sehr das Bedürfnis gewisse Luxusindustrien ins Leben gerufen, sondern umgekehrt die Schaffung einer neuen Industrie meist erst das Bedürfnis nach den von ihr erzeugten Artikeln weckt und ständig wach hält — durch Reklame, Beschickung der Märkte, durch Anbieten und Anpreisen der „unentbehrlichen" Erfindung —, so bemüht sich auch die Rüstungsindustrie, da man nicht gut jemandem Kriegsbedürfnis aufschwatzen kann, direkt die Wirkung herbeizuführen, das, was der hellblickehde französische Handelspolitiker einen Krieg veranlassen heißt. Der Eisenpakt der internationalen Rohstahlgemeinschaft mit seinen den Kartellmitgliedern auferlegten Bindungen scheint nun die Reibungspunkte der einzelnen nationalen Eisenindustrien vermindert zu haben, weshalb das Kartell so gern als Instrument des Friedens gepriesen wird. Dem Eisenkartell werden noch andere sehr erfreuliche Nebenwirkungen zugeschrieben, in Oesterreich zum Beispiel wird mit dem Inkrafttreten des Eisenpaktes die langsame Besserung der Konjunktur datiert, da es die Konkurrenzbedingungen festgelegt und die gegenseitige Unterbietung der Preise durch die Eisenproduzenten verhindert haben soll. Das ist allerdings nur die Außenfassade des Kartells, das jedoch im Innern nicht alles hält, was jene versprochen hat. Vor allem waren die Eisenproduzenten vorsichtig genug, die Dauer des Kartells vorläufig bis spätestens 1. Oktober 1928 zu befristen. Dann haben sie nur die Produktionsquoten der einzelnen Länder geregelt, aber weder die Absatzplätze aufgeteilt, noch es zu einem gemeinsamen Verkaufssyndikat gebracht. Die Festsetzung der Produktionsquoten hat freilich der Betätigung der Konkurrenz gewisse Grenzen gezogen, diese sind durch die Quoten gegeben, aber das hinderte die Kartellmitglieder nicht, so weit sie für ihre Produktion keine genügende Verwendung im Inlande haben, den Markt des Kartellgenossen aufzusuchen, um ihm dort den Absatz streitig zu machen. Allerlei Beschwerden sollen auf der bevorstehenden Tagung zur Sprache gebracht werden, und es wird schon im Interesse des zwischenstaatlichen Wirtschaftskampfes als Gewinn zu buchen sein, wenn die von fast ledern Mitglied während der einjährigen Dauer des Kartells erlittenen Enttäuschungen nicht Verband der jüdischen Kaufleuie und Gewerbetreibenden. Angebote und Nachfragen. Liste IX« Nachfragen: 922. Firma in Schweden sucht Vertretung in Rohstoffen und Halbfabrikaten für elektrotechnische Betriebe. 923. Firma in Wien sucht Wagen, Pflüge und Schaufeln. 924. Firma in Wien sucht Vertretung in Krawattenstoffen. 925. Firma in Tel-Awiw sucht Vertretung in Wäsche, Krawatten und Kragen. 927. Firma in Trautenau such Krawattenstoffe mit modernen Dessins. 928. Firma in Tstrien sucht Kreppapier und Guinmiartikcln. 930. Firma in Wien sucht für Deutschland Verbindung mit Obstexporteuren. 931. Firma in Remscheid sucht Holzschrauben und Hufnägel. 932. Firma in Neapel sucht Wäsche und Damen- Filzhüte. 933. Firma in Przemysl benötigt Medizinal-Vaselin (größeres Quantum). 935. Firma in Brünn sucht Verbindung mit Produzenten von Rohasbest. 936. Firma in Basel benötigt Parfümerien, Farben und Tinten. 937. Firma in Troppau sucht Damenwäsche. 938. Firma in Dohna sucht Maschinen für Holznägel. 939. Firma in Braila interessiert sich für Fahrräder und Sprechmaschinen. * 940. Firma in Wien sucht Verbindung mit Galanteriewaren-Grossisten. 941. Firma in Bukarest sucht Vertretung in Motoren, Lastautos usw. 942. Firma in S. H. S. benötigt Geschenkartikel (Juwelier). 943. 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Firma in Wien sticht Vertretung in Konserven aller Art. 978. Firma in Wien Generalvertreter ausländischer Fabriken, sucht einen Gesellschafter als Mitarbeiter, mäßiges Kapital erwünscht. Angebote: 944. Firma in Prag offeriert Hopfen. 945. Firma in Oberösterreich offeriert gebrauchte Maschinen. 949. Firma in Bulgarien offeriert Walnüsse und Bienenhonig. 952. Firma in Bosnien offeriert gedörrte Pflaumen. 955. Firma in Sofia offeriert bulgarische Weine, 959. Firma in Polen offeriert Holzwaren, 926. Firma in S. H. S. offeriert Obst und Hopfen. 929. Firma in Sarajevo offeriert Nüsse. 945. Firma in Tuzla offeriert Apfelmus und Apfel-. syrup. 963. Firma in Wien offeriert Holz und Kohle. 964. Firma in Wien offeriert sich als Einkäufer für Wiener Spezialartikeil. 979. Firma in Wien offeriert elektrotechnische und radiotechnische Neuheiten, Spielwaren usw. Die Adressen sind täglich mit Ausnahme von Samstag und Sonntag von 9 bis 11 Uhr vormittags im Sekretariat des Verbandes der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, I., Blisabethstr. 9, Stiege rechts, I. St. (Kredit- und Handelskassa „Metropole") (Tel. 69-0-18, zu erfragen. Chiffreangabc erforderlich. Schriftlichen Anfragen seitens der Verbandsmit-. glieder ist ein frankierter Umschlag beizulegen. Handelsvertreterstelle: Gewerbeberechtigte, sprachen- und branchenkundige, einwandfreie Handelsvertreter, Kommissionäre und reisende Kaufleute werden kostenlos zugewiesen. Rechts- und S t e u e r b e r a t u n g s s t e 11 e: Sprechstunden des Verbandsanwaltes, für Mitglieder unentgeltlich, Montag von halb 11 bis 12 Uhr und Freitag von 11 bis 12 Uhr im Lokal des Sekretariats,.!., Elisabethstraße 9. Rabattsektion: Durch Inanspruchnahme der Rabattsoktion sichern sich die Mitglieder große Begünstigungen. Legitimationen und Lieferantenverzeichnisse auf Wunsch kostenlos. Allwöchentlicher Sprechabend: Donnerstag, 8 Uhr im Wietier-Bürger-Cafe, IL, Praterstr. 11. Mitg'liederaufnahme und Auskünfte im Sekretariat des Verbandes während der erwähnten Kanzleistunden. Mitgliedsbeitrag S 3 vierteljährlich. schon jetzt zu einer Sprengung des Kartells führen, das in seiner wenn auch zurzeit noch sehr dürftigen Form immerhin bis zu einem gewissen Grade die Rüstungsindustrie abhält, sich nach Veranlassungen zum Kriege umzusehen. Und so wagt die friedehslüsterne Phantasie sich nicht einmal so weit zu versteigen, um von einer Erweiterung des Kartells durch den Beitritt Polens, geschweige denn Englands zu träumen, das mit seinem soeben eingeführten Rabattsystem sich anschickt, dem kontinentalen Eisenkartell die erste wirtschaftliche Schlacht zu liefern. Noch mißlicher ist es um das internationale Zusammenwirken der Chemietruste. Die J. G. Farbenindustrie hat zwar mit Rockefeiler Beziehungen angeknüpft, dagegen stehen der englische und der deutsche Trust zurzeit in schroffstem Wettbewerbe miteinander und arbeiten fieberhaft an Erfindungen zum jedem die Ueberlegenheit über den anderen verschaffen sollen. Hier ist der Keim von Veranlassungen zum Kriege und man hat bereits aus dem letzten Kriege eine Vorstellung davon,* wie der kommende Chemiekrieg beschaffen sein mag. Es klafft ein tiefer Zwiespalt zwischen der Idee des nationalen Trust und der des österreichischen' Industriekartells. Man schätzt das Kapital der Vereinigten Stahlwerke und der I. G. Farbenindustrie auf 4 bis 5 Milliarden Mark. Diese Trusts mit ihren unerhörten internationalen Verflechtungen will man als Basis eines paneuropäischen Denkens und Wirkens ansehen. Diese Industrien sind aber andererseits, und dies wohl noch mehr als jenes, Stützpunkte eines auf den Staat beschränkten Imperialismus. Sollen sie das erste sein, dann müssen sie auf die Expansion, d. h. letzten Endes auf den Krieg, eines ihres stärksten Expansions., und Produktionselements, verzichten. Daher die schwankende Haltung der Trusts, deren Leiter sind unsicher, die einen nationalistisch, die anderen international orientiert. Und die Völker ahnen und fürchten es, daß am Endpunkte der Trustentwicklung drohend die Gasbombe des Krieges steht. Sport „Ich habe gefehlt!" Dr. Körner verwirft den Professionalismus bei der Hakoah. Chotossi! Ich habe gesündigt. Das war das sensationelle Geständnis Dr. Körners in der jüngst abgehaltenen Generalversammlung der Hakoah. Der. Mann, der seit sechzehn Jahren die Geschicke des großen jüdischen Sportvereines lenkte, der den kleinen unbeachteten Wiesenklub vom wilden FiuTballplatz weg über ganz Europa nach Erez Israel bis zu den Pologrounds von New-York geführt hat, stand zum ersten Male als einfaches Mitglied in der Versammlung auf und verwarf das, wozu ihn der, allgemeine Kurs der Fußballsache getrieben hatte, die aus Sport ein Geschäft gemacht hat. „Ich habe aufgehört für das wahre Judentum zu arbeiten", sagte Dr. Körner, „als ich die Präsidentenstelle bei der Hakoah übernommen habe." „Um den Herren Israeliten den Nervenkitzel von 2 mal 45 Minuten zu bieten", bekannte Dr. Körner weiter, „haben wir etwas getan, was der Hakoah fremd bleiben mußte, weil der Professionalismus sie*' ihren Zielen entfremdet hat, jenen der körperlichen Erziehung der jüdischen Jugend und der Hebung ihres nationalen Bewußtseins. Diese Israeliten haben zu Spitzenleistungen der Fußballmannschaft gedrängt.

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