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Die neue Welt · 1927-09-23 · Heft 1 (23.9.1927) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
1 (1927)
Issue
Heft 1 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 1 Das große Judenschlachten in der Ukraina* Ein Gespräch mit Dr. M. Gergel. Der Prozeß gegen Schalom Sc Ii warzbar t, der den gewesenen ukrainischen Oberbefehlshaber Petljura in Paris ermordet hat, wird am 18. Oktober beginnen, seine Dauer ist für 8 bis 10 Tage berechnet. Zu den Zeugen, die seitens der Verteidigung geführt werden, gehört auch Herr Dr. N. G e r g e 1 in Berlin, der als der frühere Direktor des Departements für jüdische Angelegenheiten der ukrainischen Volksrepublik, als Mitglied des Präsidiums des Hilfskomitees für die Kriegs- und Pogromopfer und als früherer Vorsitzender des Komitees für Hilfe an Pogromopfern beim russischen Roten Kreuz in Kiew Gelegenheit hatte, einen tieferen Blick in die Hintergründe der Ausrottungspolitik zu tun, die Petljura und seine Attamane fast drei Jahre lang gegen die friedliche jüdische Bevölkerung in der Ukraine betrieben haben. Herr Dr. Gergel hat sich auch an der Sammlung des Materials über Pogrome und an seiner Bearbeitung beteiligt und ist Mitbegründer des gegenwärtig in Berlin untergebrachten jüdischen historischen Archivs, das die größte Sammlung von Pogrommaterialien darstellt. Der Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur befragte Herrn Dr. Gergel über Zahl und Umfang der damaligen jüdischen Pogrome und die Rolle Petljuras in dieser'Bewegung. Herr Dr. Gergel gab die folgenden Aufschlüsse: In der Zeit von 1918 bis 1921 kamen in 700 Orten der Ukraine Pogrome gegen Juden vor. Das jüdische historische Archiv besitzt detailliertes Material über 1236 Pogrome, die in 530 Orten stattgefunden haben. Von diesen 1236 Pogromen fallen 493 zu Lasten der Armee Petljuras und der von seinen Attamanen geführten Unterarmeen. Die wirkliche Zahl der Petljura-Pogrome ist eine größere; über 164 Orte liegt genaues Material noch nicht vor. Die Zahl der in den Pogromen getöteten Juden übersteigt 31.000. In diese Zahl sind die an den erlittenen Verletzungen später zugrunde gegangenen nicht eingerechnet. Die Gesamtzahl der Todesopfer beträgt zirka 60.000. Von den namentlich festgestellten 31.000 in den erwähnten 530 Orten abgeschlachteten Juden sind mehr als 16.000 allein bei den Petljura- Pogromen umgekommen. , Auf die Frage, wie weit Petljura persönlich für die Pogrome die Verantwortung trägt, erwiderte Dr. Gergel: Unzweifelhaft trägt Petljura als der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee und der eigentliche Machthaber in der Ukraine die volle Verantwortung für die Pogrome. Ich habe das Ergebnis aller von jüdischen und nichtjüdischen Persönlichkeiten angestellten Untersuchungen genau studiert Mnd habe unzweifelhaft feststellen können, daß kein Fall zu verzeichnen ist, wo Petljura Schuldige bestraft hat Im Gegenteil, es ließen sich mehrere Fälle feststellen, wo Anstifter, Organisatoren und direkte Leiter der Pogrome später von Petljura befördert und auf höhere Posten berufen wurden. Der Attaman Samosenko, der die Abschlachtung der Juden in Proskurow am 15. Februar 1919 (in wenigen Stunden wurden 1500 Juden getötet und eine weit größere Zahl verstümmelt) anbefohlen und durchgeführt hat. blieb ' längere Zeit Kommandeur einer Armceabtellung Petljuras. Der Organisator des Pogroms in Zytomir, Petrow, wurde an eine höhere Stelle berufen und war später stellvertretender Kriegsminister Petljuras. Mir sind mehrere Fälle bekannt, wo Petljura sich geweigert hat, gegen die im Gange befindlichen Pogrome persönlich einzugreifen. Während des zweiten Pogroms von Zytomir, im Värjs 1919, weilte Petljura persönlich in der Bahnhofshalle der Stadt. Eine Abordnung jüdischer und nichtjudi- Persönlichkeiten erschien in der Halle, um ihm die Bitte zu unterbreiten, die Einstellung des Pogroms zu veranlassen. Petljura weigerte sich, die Abordnung zu empfangen. Der Pogrom dauerte fort und innerhalb dreier Tage wurden 317 Juden getötet und mehrere hundert verstümmelt. Später, als seine Macht zu sinken begann, erließ wofrl Petljura einen Aufruf an die Armee, Pogrome nicht mehr zu veranstalten. Es war zu spät. Die demoralisierte Armee und die wegen ihrer Pogromtätigkeit bisher begünstigten Attamane kehrten sich nicht daran. Bis 1921, als noch ein letzter Truppenteil Petljuras auf ukrainischem Boden stand, dauerten die Pogrome an, Dr. Gergel schloß: Es wäre aber ein Irrtum, die ukrainische Bewegung als solche mit der Pogromtätigkeit identifizieren zu wollen. Die Idee der ukrainischen nationalen Befreiung hat die volle Unterstützung der jüdischen Oeffentlichkeit und aller jüdischen Parteien gefunden. Auch die Pogrome vermochten nicht, die Sympathie der Juden für die ukrainische Freiheitsidee zu ertöten. Die jüdische Oeffentlichkeit hat niemals das ukrainische Volk mit den Pogrombanditen identifiziert. Petljura aber wird im Bewußtsein des jüdischen Volkes in der Ukraine als der Schuldtragende an den Pogromen fortleben. Betsitzkarten für den Leopoldstädter Tempel. Für den großen Leopotdstädter Tempel ist noch eine Anzahl von Betsitzkarten auch in den niedrigen Preislagen verfügbar. Die Abgabe derselben erfolgt von Montag, den 19. d. M. angefangen von 9 bis 1 Uhr vormittags, an der Hauptkasse der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse Nr- 4, I. Stock, und von 6 bis 8 Uhr nachmittags, Im Zeremoniensaale des Leopoldstädter Tempels. Temporäre Betveranstaltungoti an den diesjährigen hohen Feiertagen. Es hat sich In früheren Jahren ereignet, däß von Gemeindemitgliedern Betplätze für angekündigte temporäre Betveranstaltungen angekauft wurden, daß jedoch die bezügliche Veranstaltung mangels der. gesetzlich erforderlichen Zustimmung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien nicht abgehalten werden konnte. Um die Gemeindemitglieder vor derartigen Schädigungen zu bewahren, sieht sich der Kultusvorstand veranlaßt, im nachstehenden das Verzeichnis, jener temporären gottesdienstlichen Veranstaltungen, für welche die Zustimmung seitens des Kultusvorstandes erteilt wurde, zu verlaubbaren: Vom Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und von den Bethausvorständen werden an den diesjährigen hohen israelitischen Feiertagen folgende temporäre gottesdienstliche Veranstaltungen abgehalten werden, und zwar: Im I. Bezirk: Dumbagasse 3, Großer Musikvereinssaal. Im II. Bezirk: Taborstraße 4, Festsaal des Hotel Continental. Im III. Bezirk: Marxergasse 17, Großer Sofiensaal. Im XV. Bezirk: Herklotzgasse 21. Im XVI. Bezirk: Wurlitzergasse 11. Im XVII. Bezirk: Hernalser Hauptstraße 41. Im XX. Bezirk: Treustraße 74. Dresdnerstraße 51, Denisgasse 33. Sonstige vom Kultusvorstande genehmigte gottesdienstliche Veranstaltungen an den diesjährigen hohen israelitischen Feiertagen: Im I. Bezirk: Israelitischer Tempelverein „Mariahilf und Neubau", im Lokale: I., Eschenbaohgasse 9. (Ingenieur- und Architektenverein.) Im II. Bezirk: Israelitischer Bethausverein „Adass Jlsroel", im Lokale: II., Obere Donaustraße 69 und II., Nestroygasse 11. Krankenunterstützungsverein „Nächstenliebe", im Lokale: IL, Obere Augartenstraße 5 (Bayrischer Hof). Krankenunterstützungsverein „Der Brodyer", II., Taborstraße 12 (Hotel „Stephanie"). Verein „Seudath Sabbat", im Lokale: IL, Mälzgasse 3. Verein der Stanislauer Freunde, im Lokale IL, Obere Donaustraße 91 (Restauration „Wienea"). Verein „Or Thora", im Lokale: II,, Czerninplatz 4. Krankenunterstützungsverein „Brüderliche Hilfe", im Lokale: IL, Kleine Pfarrgasse 21. Verein „Nord-Ost", im Lokale: II,, Taborstraße 21a. Zionistische Bezirkssektion „Leopoldstadt", im Lokale: II., Taborstraße 8. -.Verein „Ohel Rachel", im Lokale: II., Kleine Pfarr- . gasse 8. Verein „Chesed schel Emes", im Lokale: Restauration Augarten. Prater Bethausverein „Tefilath Jeschurun", im Lokale: IL, Ausstellungsstraße 113, Saal „Zur weißen Rosec". Jüdischer Unterstützungsverein „Esra", im Lokale: Ii., Prater 98 (Saal „Zum eisernen Mann"). Verein „Beth Jitzcbock", im Lokale: IL, Prater 86 (Saal „Zum Radfahrer"). Vereinigte Hebräische Schulen Wien, Sektion „Prater", im Lokale: IL, 1. Maistraße (Saal „Zum Marokkaner"). Menasche Baron, im Lokale: IL, Große Schiffgasse 19. Rabbiner Uscher Horowitz, im Lokale: IL, Malzgasse 2-3. Rabbiner Isaak Hager, im Lokale: IL, Zirkusgasse 3. Rabbiner Jakob Twersky, im Lokale: IL, Franzensbrückenstraße 1. Rabbiner Benzion H o r o w i t z, im Lokale der Sozialen Hilfsgemeinschaft „Anitta Müller", IL, Untere Augartenstraße 35. Krankenverein „Montefiore", im Lokale: IL, Praterstraße 60 (Theatersaal). Rabbiner Hersch Aschkenazy, im Lokale: IL, Herminengasse 8. Rabbiner David Rabinowicz, im Lokale: IL, Große Sperlgasse 35. Rab'riner Israel Fried mann, im Lokale: IL, Heinestraße 35. Jüdische Volksbibliothek „Zion", im Lokale: IL, Glockengasse 30. Verein „Wohlfahrt", zur Erhaltung der im Jahre 1843 gegründeten Kinderbewahranstalt, im Lokale: IL, Schiliaintsstraße 15 (Kinderbewahranstalt). Verein „Hebräische Schule", im Scbullokale: IL, Zirkus- . gasse 33. Verein „Ojse Chesed we Emes", im Lokale: IL, Leopoklsgasse 31. Im III. Bezirk: III., Juchgasse 22. Im V. Bezirk: Israelitischer Bethausvereiu „Machasika Thora", im Lokale: V., Margaretenplatz 4. Im VI. Bezirk: Israelitischer Tempelverein „Mariahilf und Neubau" im Lokale: VI., Mariahilferstraße 81. Jüdischer Unterstützungsverein „Ahawath Achim", im Lokale: VL, Mariahilferstraße 99. Im IX. Bezirk: Israelitscher Tempelverein „Chewra Beth Hatfilah" und Verein „Bikur-Chaulim", im Lokale: IX., Nußdorferstraße 75. Im XIII. Bezirk: Israelitischer Tempelverein „Hietzing", im Lokale: XIII., Am Platz 5. Im XIV. Bezirk: Israelitischer Bethausverein „Emunas Awes", im Lokale: XIV., Reindorf gasse 3. Israelitischer Bethausverein „Auhawa Israel", im Lokale: XIV., Johnstraße 67. Im XVI. Bezirk: Wohltätigkeitsverein „Ahawath Scholaum", im Lokale: XVI., Neulerchenfelderstraße 14. Im XVIII. Bezirk: M. Trepper, im Lokale: XVI1L, Pötzleinsdorferstraße 19. Im XX. Bezirk: Bethausverein „Ansehe dath wu Zedekc', im Lokale: XX., Kluckygasse 7. Humanitärer Verein „Erste Hälfe", im Lokale: XX., Bäuerlegasse 36. Unterstützungsverein „Schnelle Hilfe", im Lokale: XX., Jägerstraße 2. Zionistische Sektion „Zwischenbrücken", im Lokale: XX., Dresdnerstraße 54. Jugendgruppe „Agudas Jisroel", im Lokale: XX., Bäuerlegasse 20. Rabbiner I. Rabin, im Lokale: XX., Karl Meißlstraße 2. Rabbiner C. Pinter, im Lokale: XX., Karl Meißlstraße 1. Leo Hochberg, im Lokale: XX., Wintergasse 27. Bibliothek der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Die Bibliothek wurde im Monate August, von 261 Lesern besucht, die 480 Werke, beziehungsweise 706 Bände benutzten. Entlehnt wurden an 37 Personen 68 Werke in 103 Bänden, zurückgestellt 72 Werke, beziehungsweise 121 Bände. Im Monate August hat die Bibliothek 47 Werke neu erworben. . Hockschulnachrichten. Die Inskriptionen an der Wiener Universität beginnen für Inländer und Ausländer am 1. Oktober und dauern bis 31. Oktober d. J. Nachträgliche Inskriptionsgesuohe sind vom 2. bis 14. Neovember. bei den Dekanaten einzureichen. Nach dem 14. November werden Gesuche um nachträgliche Inskription nicht mehr angenommen. An der Technischen Hochschule läuft die Inskriptionsfrist vom 23. September bis 8. Oktober. An der Hochschule für Welthandel beginnen die Inskriptionen am 26. September und dauern bis zum 6. Oktober. Auskünfte in allen Studienangelegenheiten erteilt der Jüdische Hochschulausschiiß, IX., Zirnrnermannplatz 8, Telephon 25-2-26. * Unentgeltliche Arbeitsvermittlungssteile des Jüdischen Hochschulausschusses. Hofmeister, Hauslehrer mit Kenntnissen fremder Sprachen, auch für Nachhilfeunterricht in allen Mittelschulfächern (Philosophen, Pädagogen), erstklassige Kräfte für kommerzielle Unternehmungen and Advokaturskanzleien (Handelshochschüler, Juristen), Privatsekretäre vermittelt prompt und unentgeltlich der' Jüdische Hoohschulaussehuß, IX., Zimmermamnplatz 8, Telephon 25-2-28. Telephonischer Aufruf oder Postkarte genügt. Vereine und Organisationen, welch© ihre Ankündigungen und Berichte In unserem Organe veröffentlichen wollen, werden ersucht, die Manuskripte bis spätestens Mittwoch um 11 Uhr vormittags zu übergeben. Annahme bei der Verwaltung, IX., Uni* versitätsstraße 6-8, (Druckerei Steinmann A.-G,).

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