Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 6 (15.3.1919)
- Date
- 1919-03-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Wissens, davon weiß er nichts. Und das ist doch gerade das Unvergängliche, das Wertvolle für eine Allgemeinbildung. Der Unterricht auf der Schule sollte so gestaltet sein, daß der Schuler am Schluß einen vollständigen Überblick über unsere Kultur hat, ein zusammenhängendes Weltbild muß er sich aufbauen können. Einzelheiten gehören in einen Fachunterricht, der freiwillig sein sollte! Und wer nun im Fachunterricht besonderes leistet, dem sollte die Möglichkeit gegeben werden, die Universität zu besuchen! Ich habe vielfach den Einwand zu hören bekommen, daß ein Schüler freiwillig nie etwas arbeiten würde! Das stimmt durchaus nicht. Denn auf dem Gebiete, für das man Interesse hat, wo man etwas kann, da arbeitet man gern jimd mit Feuereifer. Nur der leidige Zwang ist es, der die Schüler erfüllt mit Haß und Widerwillen gegen Arbeit und Schule! — Bei einer Umgestaltung des Unterrichts fiele von selbst die Überlastung der Schüler an Arbeiten fort! Die heutige Schule zwingt den Schüler, den größten Teil des Tages am Schreibtisch sitzend zuzubringen. In einer Prima wird verlangt, daß man sechs Stunden vormittags Schule hat, sechs Stunden Schularbeiten machen muß und noch irgendeinen Aufsatz oder Vortrag liefern soll. Wo bleibt aber die körperliche Ausbildung? Wie sieht es mit* der Gesundheit unter den Schülern aus? Wieviel Jugend ist in der Oberstufe schon verbraucht; ist es ein Idealzustand, daß die Gewissenhaften graue Haare und Weinkrämpfe kriegen? Die Schule, die aber derart einseitig ist, die nur auf Kosten der Gesundheit besteht, führt ganz sicher zur Entartung! Dem Schüler bleibt augenblicklich nichts weiter übrig, als zur Selbsthilfe zu greifen! Denn die Schularbeiten, die die Schule verlangt, sind unmöglich! Der Schüler drückt sich und versucht, sich mit Lügen in der Schule rauszuschwindeln! So erzieht die Schule den Schüler systematisch zum Lügner! Sein Geist beschäftigt sich, anstatt mit einer positiven Arbeit, damit, Mittel zu ersinnen, um sich vor feinem Übermaß an Schularbeiten zu schützen, deren Zwecklosigkeit er außerdem noch einsieht! Die Schulmoral ist darum die schlechteste, die es gibt. Lüge und Betrug ist dem Schüler etwas Natürliches. Der Lehrer versucht den Schüler nun durch Strafen zu kurieren! Natürlich wird dieser nur noch gerissener und durchtriebener! Un- 93