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Der neue Anfang · 1919-03-15 · Heft 6 (15.3.1919) · page 8

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Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 6 (15.3.1919)
Date
1919-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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sere Schule hat ein ganz verkehrtes Erziehungsideal! Sie führt ein ganz absolutistisches Regime.. Hier der Lehrer mit dem Klassenbuch in der Hand —da der Schüler und wehe ihm/er muckst sich! Der Lehrer befiehlt, der Schüler muß gehorchen. Das ist aber keine Erziehung.! Der Lehrer soll nicht unser Befehlshaber sein, sondern unser Führer! Er soll den Willen der Schüler nicht brechen, sondern leiten! Was hat es für einen Wert, wenn der Schüler das Gute nur tut, weil es Gesetz ist und' weil es widrigenfalls bestraft wird? Der Schüler soll aber dazu gebracht werden, daß er das Gute um des Guten willen tut, — freiwillig! Aber nicht so, daß der Lehrer erst Gesetze gibt und dann den Schüler damit zu versöhnen oucht, sondern daß er den Schüler selbst Gesetze finden läßt! Nicht zu sklavenhaftem Gehorsam soll der Schüler erzogen werden, sondern zur eignen Verantwortung! Die Schule soll erziehen, aber nicht mit Gewalt regieren! Sie sieht heute einer Strafanstalt, einem Zuchthause verzweifelt ähnlich! Nichts als Zwangsarbeiten, als Lehrkräfte, die nicht viel mehr als Aufseher sind und! strafen, strafen, strafen! Was wird in der Schule nicht alles bestraft! Wenn man ein Heft vergißt, wenn man zu spät kommt, wenn man eine Lehrkraft versehentlich nicht grüßt, wenn man mal einen Tag nicht gearbeitet hat, — ach', es sind unsagbar viel Dinge, um' die man oft in Prima noch bestraft und angeschrieen wird! Natürlich wird absolut nichts dadurch geändert, der Schüler wird schließlich nur abgebrüht! Die Schule dürfte von oben her überhaupt nicht strafen! Von oben her. muß sie nur erziehen wollen! Die einzige Gerichtsbarkeit, die zweckmäßig ist, ist ein Jugendgericht, das aus Schülern besteht! \ In Amerika und auch bei Berthold Otto in Lichterfelde hat sich dies ganz einwandfrei bewährt! — Die Stellung des Lehrers ergibt sich für uns selbst! Es ist kein Schulautokrat mehr, der sich in gnädiger Weise mal zum Schüler herabläßt! Nein, er ist der Freund und Kamerad des Schülers. Der Schüler wird diesen nicht mehr fürchten und hassen, sondern lieben! Es soll keine äußere Schranke mehr zwischen Schüler und Lehrer bestehen. Der Verkehr von Lehrer und Schüler muß selbstverständlich aber nicht verboten sein, wie das an Mädchenschulen der Fall ist! Es geht sogar soweit, daß junge Lehrerinnen, dfe 94

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