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Der neue Anfang · 1919-02-15 · Heft 4 (15.2.1919) · page 15

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Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 4 (15.2.1919)
Date
1919-02-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Jetzt, da Euch die Tore zur Freiheit offen stehen, jetzt, da man erwarten sollte, daß in Euch die jahrenlang zurückgehaltene Wut, das unterdrückte Selbst, die geknechtete Jugend losbrechen würde zu revolutionärer, schöpferischer Tat, jetzt seid Ihr ruhig, so schmählich ruhig. Habt Ihr Euch schon so an Eure Fesseln gewöhnt,?eid Ihr schon solche Sklavenseelen, seid Ihr schon so alt und kampfmüde geworden, daß Ihr zu träge seid Euer Joch abzuschütteln? Nach dem, was die „Schulrevolution" in Pasing bis jetzt gezeitigt hat, möchte man es fast annehmen. Die Lehrerbildungsanstalt Pasing ist rückständig, wie vielleicht keine andere Anstalt, eine Schule, an der es möglich ist, daß ein Schüler von 18 Jahren (ein Jahr später wird er auf Kinder losgelassen), der sich weigert, den Wortlaut einer Turnübung, die er falsch gemacht hatte, hundertmal abzuschreiben, wegen Gehorsamsverweigerung vor den Lehrerrat gestellt und verurteilt wird; eine Schule, an der man verlangt, daß Schüler von 13—-18 Jahren nach 7 Uhr abends das elterliche Haus nicht mehr verlassen und den Pedell in die Wohnungen schickt; eine Schule, in der der Direktor es nicht unter seiner Würde hält einen Pädagogiklehrer, der es gewagt hatte im Unterricht zu sagen, der Lehrer stünde über den Paragraphen, auf dem Gang vor allen Schülern herunterzukanzeln. Und da wissen die Seminaristen, die Herrn Kriegsteilnehmer, nichts besseres als zu erklären: eine Teilnahme am Schülerrat lehnen wir ab, in ein paar Monaten sind wir ohnedies fertig, unsere Interessen können wir allein vertreten und die der andern gehen uns nichts an. Einer geht sogar soweit und sagt: „Wer garantiert mir, daß ich nicht vielleicht mal Seminarlehrer werde? Was hafe ich dann davon, wenn ich den Gymnasiasten zu allen möglichen Rechten verhelfe? Daß ich dann der Lackierte bin, sonst nichts." Ja, der Direktor weiß seine Leute (ich meine natürlich die Kriegsteilnehmer) durch Sonderrechte, namentlich, daß man sie mit Herr anredet, als zukünftige Kollegen und Mitarbeiter an der Erziehung der jüngeren Kameraden betrachtet, ferner durch Befreiung vom Kirchenbesuch und außerhalb der Schule von den Disziplinarsatzungen, zu ködern, daß er es sich ruhig erlauben kann, die Kriegsteilnehmer aufzufordern, sich doch am Schülerrat zu beteiligen, um in seinem Sinn einen Druck auf die jüngeren Schüler auszuüben, damit sie nicht zuviel von ihm verlangten. Und die Herrn Kriegsteilnehmer, statt ihn hinauszuschmeißen, geben zur Antwort: da der Direktor uns in jeder Weise entgegenkommt, müssen wir ihm entgegenkommen. Erst, wie sie durch Umwege, aber von verbürgten Quellen erfahren, daß in einer Lehrerratssitzung davon gesprochen wurde, man solle den Kriegsteilnehmern anfänglich entgegenkommen, sie allmählich aber, ohne daß sie es merken, wieder auf das alte Niveau zurückführen, da werden sie etwas stutzig und dank den Bemühungen einiger etwas weiter sehender Elemente bitten sie den Direktor, er möchte die Zustimmung zu ihren Forderungen durch seine Unterschrift bekräftigen. Der Direktor lehnt es ab. Ja er ist sogar so 65

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