Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (15.2.1919)
- Date
- 1919-02-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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jnungen die Prüfung noch nicht ablegen durfte. Der junge Mensch muß infolgedessen nach Ableistung seiner Hilfsdienstpflicht erstens zurück in die Schule, und zweitens das Examen noch einmal machen, und das, während seine Klassengenossen, nur weil sie älter sind, inzwischen auf freiem Fuß leben und studieren können! Und nun das Tollste. Da alle Oberprimaner ihr Examen gemacht haben, besteht an der Schule gar keine Oberprima mehr. Also — muß er seine fehlenden Monate in der Unterprima absitzen und sich dort auf die zum zweiten Mal abzulegende Prüfung vorbereiten. Der Direktor, dessen Irrtum diese Lage verschuldet hat, rührt keinen Finger, um ihn wieder gut zu machen. Das Provinzialschulkollegium lehnt mit Hinweis auf die geltenden Bestimmungen Remedur ab. Es bleibt als einzige Hoffnung, daß der Minister noch schnell persönlich eingre ft. Wird doch auch dem Verbrecher die zweite Hinrichtung erlassen, wenn bei der ersten der Strick riß. Welche Selbstbewertung der Schu!e kommt aber in dieser Geschichte zum Ausdruck! Sie nimmt sich bekanntlich heraus, nicht nur über den Stand der Kenntnisse, sondern auch über „Reife" ein Urteil abzugeben. Sie erklärt einen Schüler für reif — und nimmt ihr Urteil zurück, als sie erfährt, daß er noch nicht ganz 17 Jahre alt ist. Und setzt ihn dann zur Nachreifung in irgendeine Klasse hinein, einerlei, ob er diese längst mit Erfolg absolviert hat. Dieses tote und gegen alles Lebendige gefühllose und gleichgültige System, das ist der Feind, den wir hassen und bekämpfen, der grausame Automat (mit einem Bild Carl Spittelers zu reden), dem unsre Empörung gilt. Und wenn auch die Revolution ihn noch nicht gebändigt und zertrümmert hat — dann war noch nicht Revolution. Gustav Wyneken Chronik Berlin. Hier hat sich eine „Freie Schülerschaft" gebildet. Ihr Pro» gramm ist auch das des Neuen Anfangs, namentlich weisen wir nachdrücklichst auf die unter III aufgestellten sechs Forderungen hin. Programm der Freien Schülerschaft Berlin. I. Die Freie Schülerschaft ist ein Bund höherer Schüler und Schülerinnen. Ihr Ziel ist, die Schule mit dem Geist der Jugend zu durchdringen. Die heutige Schule ist Lern- und Standesschule und hat kein anderes Ziel, als dem Staate gute Bürger heranzubilden. Sie vermittelt nur* Wissen, das zum1 großen Teil unnütz ist und das der Schüler kampflos und ohne Kritik hinnehmen muß. Die Schule soll aber der Jugend dienen und ihr gehören. Sie soll der Jugend den Glauben an ihren Sinn, ihre Aufgabe und ihre Kraft 63