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Der neue Anfang · 1919-02-15 · Heft 4 (15.2.1919) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 4 (15.2.1919)
Date
1919-02-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dem Feldsoldaten steigt das heiße Blut zum Hals. Das hat ihm noch niemand angetan! Aber der Nervenleidende hat mehr Selbstbeherrschung, also mehr Bildung, als der geistliche Gewaltmann, er zittert, aber er bleibt starr und stumm. Er fühlt sich hilflos. Und es ist ja im Gotteshaus. Und die Mitschüler? Ein Entsetzen fliegt ihnen auf. Sie erwarten* daß der Kriegsmann auffährt und dem Gegner an die Kehle springt „Frechheit!"... „Gemeinheit!" fährt es halblaut über die Lippen. Der Geschlagene sitzt aber wie betäubt. Und denkt an vieles. Ans Trommelfeuer der Champagneschlacht. An die Hölle von Verdun. Und schämt sich tief... Dann gibt der Seminarpräfekt Anweisung, damit der Schüler sich am nächsten Tage beim Musiklehrer über die Einstimmung belehren lasse. Das beweist, wie sehr der Gewaltige sich bewußt, daß nur mangelnd)© Vorbildung das Ungeschick verschuldete. Und Doktor Romanus T h i e m in Bamberg steigt dann von der Orgel herab und verrichtet vor dem Muttergottesbild sein Gebet. (Aus der von Lehrer B e y h 1 geleiteten Zeitschrift Die Freie deutsche Schule.) Klassenspiegel Bei der konstituierenden Versammlung einer Schulgemeinde in W. ergreift ein Professor das Wort: „.'......... und deshalb heißt es vor allem, jede politische, jede konfessioneile Tendenz ausschalten, die den schönen Gedanken unserer Schulgemeinde zu einem Absurdum führen würde." (Lebhafte Zustimmung unter den Zuhörern.) Derselbe Professor einige Tage danach in der Religionsstunde: „.!......... und wir wollen doch als Christen unsere Sache nicht in die Hände von Ungläubigen legen und deshalb sehet zu, daß insbesondere das jüdische Element aus euren gewählten Klassenausschüssen verbannt werde!" Tiefe Stille unter den Schülern,.... Gar mancher denkt, wie anders klang es vor drei Tagen, und manchen dämmert es auf, daß nicht Christen und Juden hier sitzen, sondern Mittelschüler, Jugend, Menschen .....doch keiner wagt es zu sagen..... Jugendmißhandlung Mir wird folgender Fall berichtet: Am Lessing-Gymnasium in Frankfurt a. M. machen die Oberprimaner ihr Notabitur, um zum Heeres- oder Hilfsdienst eingezogen zu werden. Später entdeckt der Direktor, daß einer dieser Abiturienten noch nicht ganz 17 Jahre alt ist, weshalb er nach den bestehenden Bestim- 62

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