Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (15.2.1919)
- Date
- 1919-02-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der bürgerlichen Jugend im besonderen gelten die folgenden Worte: Ich will da in kurzen Strichen den Weg andeuten, der eine Einigung von proletarischer und bürgerlicher Jugend herbeiführen könnte. Die Brücke, die als einzige Bürgertum' und Proletariertum, bürgerliche Jugend und proletarische verbindet, ist die Arbeit und zwar die körperliche. Es wird da nicht anders kommen, als daß alle Menschen gleichmäßig an der Produktion der körperlichen, notwendigen Güter beteiligt sein werden, wie sie auch gleichmäßig die körperlichen und geistigen Schöpfungen genießen sollen. Da aber eine Betätigung im Gewerbe wegen der dazu nötigen Vorbildung von der Jugend noch nicfrt verlängt werden kann, und außerdem viele gesundheitsschädigende und Luxusgewerbe in der Erkenntnis ihrer Wertlosigkeit aufgegeben werden, so wird der bürgerlichen Jugend nichts übrig bleiben (ich wünsche dies auch der proletarischen), als sich der gesünderen landwirtschaftlichen Tätigkeit zu widmen. Das sind keine Phantasien. Rußland, vormals als das rückständigste unter den europäischen Ländern bezeichnet, hat in dem erwähnten Sinne in beispielloser Weise die Sozialisierung seines Landes vorgenommen. Selbst der Krieg hat ähnliche Zustände auch in Deutschland geschaffen. Ich erinnere nur an den freiwilligen Hilfsdienst von Mittelschülern in der Landwirtschaft. Nicht allein soll dadurch bewirkt werden, daß die Bürgerjugend sich körperlich an der Gütererzeugung beteilige, sondern sie soll auch ihr Wissen, soweit es der Erhaltung in der Zukunft wert ist, unter die geistig versumpfte Landbevölkerung hineintragen, sodaß auch in diesen armen Menschen das Bewußtsein des wahrhaft Erstrebenswerten auf dieser Erde erweckt werde. Denn, wenn alle Sorge um materielle Existenz schwindet, auf der anderen Seite alle Sucht sich zu bereichern, keinen Nährboden findet, wonach kann der Mensch da noch Verlangen tragen, als allein nach dem Geiste. Und dieser ist: Freies Denken und Schaffen, wie es der Eigenart jedes Menschen entspricht, wie es den Menschen weit hinaushebt aus seinen Leidenschaften und Trieben, ihm eine Weltanschauung und Weltstellung gibt, die ihn mitheiligerFreude erfüllt, und vorder er sichbei seinen Mitmenschen in Ehrfurcht beugt. Dahin soll der Sozialismus der Jugend führen. Von einem jugendlichen Arbeiter 58