Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (15.2.1919)
- Date
- 1919-02-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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der von seinen Mitgliedern nichts anderes verlangt als Friede und Arbeit. Ja, die Arbeit, in diesem Punkte trennt sich die bürgerliche Jugend weltenweit von der proletarischen. Während diese von der ungeheuren Last der körperlichen Anstrengungen, die von ihr schon in früher Jugendzeit gefordert werden, fast erdrückt wird, führen die bürgerliche Jugendlichen ein recht lustiges und für die Allgemeinheit fruchtloses Leben im Gymnasium, der Realschule oder einem sonstigen bürgerlichen Institut und wieviel Ekliges, Uninteressantes, Philisterhaftes dort den Qeist beschweren mag, es wird verschmerzt von diesen Geistesknechten bei der Aussicht auf eine zukünftige gesicherte Stellung, deren Existenz nicht anders möglich ist als durch die Not ihrer Brüder. Jetz* winkt Befreiung aus materieller Not dem Proletarier, und auch in ihm wird die Erkenntnis aufkeimen, daß allein in der Teilhaftigkeit an menschlichem Geistes- und Gemütsleben ein Glück zu finden sei. Aber kann es möglich sein, daß er bei den erdrückenden Arbeitsleistungen, die von ihm gefordert werden, Anschluß an das Geistesleben findet, wenn nicht seine Arbeitszeit gekürzt wird. Um durch diese Kürzung der Arbeitszeit einer Gefährdung der Produktion vorzubeugen, werden die bürgerlichen Kreise wohl oder übel auch in die Reihen der körperlich Arbeitenden eintreten müssen. Ich meine damit nicht, daß die Bürgerlichen aus Rache für ihr vergangenes, meist recht fruchtloses Leben und Schaffen zu Arbeitssklaven gemacht werden, sondern sie müssen gleich und gleich werden mit dem übrigen Volke. Das aber bedeutet Verzicht auf behagliches müssiges Bürgerleben und stellt die Opposition der Bürgerlichen zum sozialistischen Staate -m klares Licht. Diejenigen, welche aus der Bürgerpartei in die sozialistische übergetreten sind, müssen sich vollständig klar sein über die Bedingungen, die ihnen hier gestellt werden. Denn hier gibt es keine Freiheit zu handeln und zu arbeiten wie man will, es wird verlangt das Pflichtbewußtsein, und wer weiß, ob es nicht einem Menschen schwerer ankommt auch nur wenige Stunden im Tage freiwillig zu arbeiten oder den ganzen Tag zu schuften in Angst vor der kapitalistischen Peitsche. 57