Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (15.2.1919)
- Date
- 1919-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2710055-2710056-2710060--076-2710152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den. Mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, müssen wir daran arbeiten, eine Jugend zu schaffen, die denselben Abscheu empfindet vor Knechtung und Ausbeutung vieler zugunsten der geistigen und materiellen Bereicherung weniger Menschen, wie vor Mord und Laster. Betrachten wir aber die Jugend von heute, sc erfüllt es uns mit Betrübnis, daß sie von der sozialistischen Idee noch himmelweit entfernt ist, und keinem unter den Fortschrittlichen wird sich die Einsicht verschließen, wie schwer gekämpft werden müsse, um diese verdorbene Jugend herauszureißen aus ihrer Selbstherrlichkeit, ihrem Dünkel, ihrer zersetzenden, lächerlichen Kritiksucht und sie zu erfüllen mit dem Geiste der Verantwortlichkeit des einen für den andern, mit dem Geiste der Demut und Achtung vor allen Mitgeschöp-, fen. Diese Worte sind Anklage gegen die Jugend der Bürger, die bekanntlich in den Revolutionstagen, ein so mißtrauisches und oppositionelles Wesen an den Tag legte, daß man in ihr ein Haupthindernis am Gelingen des sozialistischen Staates sehen muß. Warum denn fühlte sich diese bürgerliche Jugend nicht erhoben und glücklich, als die Revolution ihr Haupt erhoben hatte und endlich nach jahrtausendelanger Knechtschaft die Hoffnung sich zu erfüllen begann, daß nunmehr freies Recht an Körper und Geist jedem teilhaftig werde? Vielleicht weil die sozialistischen Reformen im Staatswesen zu langsam vor sich gingen? O nein, die bürgerliche Jugend hatte klug erkannt oder wurde darüber im Elternhause oder sonstwie belehrt, daß bei all den Rechten, die ihr in einem sozialistischen Staate gewährt würden, sie doch einen großen Teil des Wertes, den sie bisher innegehabt, verlieren müßte. Sie wußte, daß ihre Achtung vor dem arbeitenden Volke, welche innerlich gar nie existierte, sondern sich nur äußerlich zeigte, sinken würde und sollte sie selbst als Mitglied eines freiheitlichen Staates die Freiheit besitzen, Schülerräte zu gründen, um dadurch ihre Wünsche in die Tat umzusetzen. Wäre es sonst möglich gewesen, daß die Mittelschüler und, wie ich hörte, nicht weniger auch die Hochschüler, die Urheber dieser Rechte verleumdeten und mit Schmutz bewarfen. Es ist klar, daß Gymnasiasten und Realschüler, deren Streben leider zu oft auf eine spätere Offiziersstellung hinzielt, sich nicht wohl fühlen in einem Staate, 56