Mannheim
Compact Memory

Der neue Anfang · 1919-02-01 · Heft 3 (1.2.1919) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 3 (1.2.1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2710055-2710056-2710059--066-2710141
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ist — sie enthält das Wort „Forderung" — verhindert die Direktion, den darin ausgesprochenen Wünschen der Schülerschaft Rechnung! tragen. Die Direktion erkennt zwar an, daß die jugendlichen Pflichten, von denen das Schriftstück spricht, richtig gekennzeichnet werden, vermag jedoch nicht einzusehen, inwiefern ihnen irgendwelche Rechte der Jugend entsprechen sollen. Aber auch inhaltlich kann die Direktion den Foderungen nach Schulgemeinde und Schülerausschuß nicht Folge leisten, da sie einen Eingriff in die bestehende Schulordnung bedeuten, wie er höchstens durch eine ministerielle Verordnung veranlaßt werden könnte. Dagegen bleibt der Schülerschaft unbenommen ihr Ziel der freien Meinungsbildung und -äußerung auf dem Wege der durch die Schulordnung vorgesehenen Möglichkeit der Vereinsbildung anzustreben. Eine der Wirkungen dieses Vorganges war die, daß in "der Stadt sich die abenteuerlichsten Gerüchte über eine an djer OberrealschulQ ausgebrochene Schülerrevolution bildeten. Gleichzeitig muß wohl der Direktion der Oberrealschule zu Ohren gekommen sein, daß die Vorgänge an der Oberrealschule den braven Humanisten Veranlassung gegeben hatten, ihren Direktor ihrer unverbrüchlichen Loyalität zu versichern. Daraufhin sah sich der Direktor der Oberrealschule veranlaßt in einer Klasse zu erklären, es sei nicht ausgeschlossen, daß die Regierung einem weiteren Umsichgreifen der Bewegung gegebenenfalls mit den schärfsten Mitteln entgegentreten würde. Dabei ist allerdings festzustellen, daß sich auch bei den Unterzeichneten des „revolutionären" Schriftstücks das Bewußtsein von der Richtigkeit der berüchtigten Forderungen noch nicht durchweg so sehr zur Überzeugung verdichtet hatte, daß sie bereit gewesen wären, für diese Überzeugung unter allen Umständen einzutreten. In einer Pause erschien ein Häuflein von Canossagängjern vor dem Amtszimmer des Direktors und bat ihn, ihre Unterschrift wieder zu streichen, was dieser mit einem» für die Bittsteller nicht gerade schmeichelhaften Lächeln getan haben soll. Der weitaus größere Teil der Unterzeichner jedoch nahmt die von dem Direktor gegebene Anregung zur Förderung ihrer Sache im' Rahmen der legitimen Möglichkeiten auf und begründete einen Debattierklub. ^Doch auch hier waren noch Widerstände zu überwinden: 1. Sah der ursprüngliche Satzungsentwurf, der der Direktion zur Genehmigung vorzulegen war, vor, daß nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer Mitglieder des Vereins werden dürften. Diese Bestimmung mußte aus dem Entwurf| entfernt werden, da sie nach der Erklärung deis Direktors mit der Schulordnung nicht vereinbar sei. 2. machte ein Teil der Schüler ihre Mitarbeit an dem Debattierklub von der Bedingung abhängig, daß nicht auch bereits Untersekundaner und Obertertianer als als Gäste .an dem Klub teilnehmen dürfen, da nicht anzunehmen sei, daß bei ihnen auch nur ausnahmsweise gelegentliche Reife für Verständnisvolle Mitarbeit vorauszusetzen sei..... Hannover. (Aus einem Brief.) .....Vortrag Gustav Wynekens (auf Einladung des A.- und S.-Rates) über Jugend und Schule im 51

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.