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Der neue Anfang · 1919-01-15 · Heft 2 (15.1.1919) · page 18

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Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 2 (15.1.1919)
Date
1919-01-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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der Erziehung, nur Gegenstand in Händen von Handwerkern waren. Das Volk hat sich seinen Staat erobert Wir Mittelschüler haben zugesehen, haben gelernt, vielleicht einmal wider Willen der „Gereiften" gelernt Wir wollen jetzt unsere Schule haben. Uns eint unsere Jugend und der lang genährte Haß gegen eine Schule, die uns zu/- Unaufrichtigkeit, zum täglichen Schwindel und Betrug zwang. Und eine Erbitterung gegen ein System, das uns Mittelschülern Rechte, die schon lange jeder junge Arbeiter genießen konnte, beständig vorenthielt. Mag es auch in der Jugend Parteien geben, in einem sind alle einig: Schul-« tyrannei darf nicht länger uns Mittelschüler an allen Äußerungen unseres Willens, zur jugendlichen Gemeinschaft hindern, Polizeigewalt darf nicht länger jedes Beisammensein junger Menschen aus Gründen der „Staatsraison" auflösen können. In den letzten Wochen hatten sich aus diesem Drange in mehreren Mittelschulen Wiens Schülerräte gebildet, die bei der kommenden Schulreform die Wünsche der Schüler vertreten sollten. Daneben bildeten sich entsprechend der besonderen Gesinnung Verbände, wie der „Deutsche Mittelschülerbund" und die „Freie Vereinigung sozialistischer Mittelschüler", die ebenfalls zur Wahl eigener Räte schreiten wollten. Um der so entstandenen Gefahr der Spaltung der Mittelschüler bei der Durchsetzung der ihnen allen gemeinsamen Interessen vorzubeugen, berief eine dritte Gruppe, bestehend aus Kameraden der Jugendkulturgruppe, nach vorherigen Verhandlungen mit den Vertretern der einzelnen Organisationen für den 14. Dezember alle Mittelschüler zu einer Versammlung. Es gelang uns auch, sie davon zu überzeugen, daß nur gemeinsames Vorgehen den gemeinsamen Willen durchsetzen könne. Die Vertreter des deutschen Mittelschülerbundes, der jüdischnationalen Jugendgruppen und der freien Vereinigung sozialistischer Mittelschüler erklärten, daß sie mit Hintansetzung ihrer Sonderinteressen einmütig für die Sache der gesamten Mittelschüler eintreten würden. Entgegen den Stimmen einiger Zeitungen, die in den Ereignissen der letzten Tage die Frucht politischer Verhetzungen erblicken wollen, erweist sich diese Bewegung durch unsre Einigkeit als aus der Not jugendlichen Geistes allein entstanden, stärker als alle Einzelbestrebungen. Schon in dieser Versammlung wurde eine neue Zusammenkunft für den 17. Dezember vereinbart, die von je drei gewählten Vertretern aus den in Betracht kommenden Schulen und Delegierten der Organisationen beschickt werden sollte. Sowohl technische Gründe, wie der Mangel an Versammlungsdisziplin (es herrschte in dem engen Raum ein Lärm, der bei den Unbeteiligten den Eindruck einer Parlamentsitzung der Erwachsenen hervorgerufen hätte) machte ein gedeihliches Zusammensein aller Anwesenden unmöglich. Da es von vornherein klar war, daß gewiße mehr formale Forderungen, wie Koalitionsfreiheit, prinzipielle Schulreform usw. von allen gebilligt wunden, traten die Vertreter der schon bestehenden Organisationen zu einem provisorischen Aktionskomitee zu- 32

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