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Der Anfang · 1911-01-01 · IV. Heft (1911) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
IV. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 99 (sequence 23)
Language
German
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- 99 - Briefe. Breslau, 9. 3. 11. Sehr geehrter Herr ßarbizon! ..... Ich stimme Ihnen völlig bei, daß wir zunächst den inneren Philister niederkämpfen müssen, daß darin die Kraft und Fähigkeit der Jugend, die Jugend selbst bestehe. Doch dürfen wir meiner Meinung nach über dem innern Kampf den äußeren nicht vernachlässigen. Sonst können wir mit unsern neuen Ideen nichts erreichen. Sie fragen, Herr Barbizon, wo das Alte und Morsche eigentlich keime, das doch immer wieder neu sprieße. Ich meine, im Stillstand. Im Stillstand der Kultur. Und zwar nicht nur der Kultur eines ganzen Volkes und der gesamten Menschheit, sondern besonders der Kultur, der geistigen Kultur des einzelnen. Gewiß hat auch die vorige und die vorvorige Generation das Alte über den Haufen gerannt, hat neue Werte geschaffen, aber bleibt nun bei diesen Werten, bei diesen Ansichten stehen, verknöchert in ihnen; und so werden sie zum Zerrbild der Kultur. Unsere Aufgabe ist es, wieder lebensfähige, neue Werte zu schaffen. Um diese, die in der Idee schon vorhanden sind, ins Leben umzusetzen, sie andern zu vermitteln ihnen den Boden zu bereiten, müssen wir erst das Alte aus dem Wege räumen. Nicht alles Alte! Aber das Morsche, Lebensunfähige, Unbrauchbare; das Philisterhafte, Verknöcherte! In der Jugend ruht die Kultur. Kultur heißt Fortschritt. Leben! Gewiß, vor allem den innern Philister beseitigen, aber gleichzeitig auch den äußern bekämpfen! Ich glaube sogar, daß über dem Kampf mit dem äußern auch der innere immer mehr schwinden wird. Dieser Kampf der Jugend wird von Aelteren oft als Pietätlosigkeit bezeichnet. Das ist er aber durchaus nicht. Im Gegenteil: das Grosse, das vorige Generationen geschaffen haben, werden wir stets bestrebt sein, anzuerkennen und beizubehalten. Aber wir wollen nicht dabei stehen bleiben, wir wollen nicht nur schon Vorhandenes übernehmen, sondern wir wollen selbst schaffen; und zwar auf der Grundlage des Vorhandenen noch Grösseres, Höheres. Dieser Schaffenstrieb wird währen, solange es eine Jugend gibt! Unsre erste Aufgabe ist es nun darauf zu sehen, was von dem schon Vorhandenen wahre Kultur, was nur konventionelle Form ist. Selbstverständlich werden wir uns in unserm Urteil hierüber oft täuschen. Aber wenn der gute Wille und ein von Pedantenstaub noch nicht getrübtes Auge da sind, dann wird es uns gelingen, manche Schäden der Kultur aufzudecken und neue, grosse, dauernde Werte an ihre Stelle zu setzen. Mit Freundesgruss Ihr ergebener Hans Bernhard von Schweinitz. Hirschberg i. Schi., 13. 4. 11. Geehrter Herr Barbizon! IVAeine Gedanken weilen beim kommenden Sonnabend« Mir tut es sehr leid, nicht zugegen sein zu können. Auch fürchte ich, Sie könnten meinen, ich hätte das Interesse an der Sache verloren, da ich

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