Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- IV. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 100 — keinen Beitrag lieferte. Es ist aber nicht so, ich habe mich seitdem noch ernster in das Erziehungsproblem vertieft. •Dies ist mit ein Grund, dass meine Feder ins Stocken geraten ist. Ich bin jetzt augenblicklich der Meinung, dass es ja ganz gut und schön ist, dass wir die heutige Erziehungsweise angreifen, aber ich denke auch daran, dass die Jüngsten von uns nur mit subjektiver Erfahrung dienen können und im Falle einer Diskussion mit den Gegnern auf dem Felde objektiver Betrachtungsweise der so herrlichen Erziehungsart unserer Zeit zurücktreten müssten. Sie werden mir vielleicht erwidern, dass das Handeln aus subjektivem Erleben heraus spontaner ist, das bestreite ich auch nicht und lasse ich auch nicht ausser acht, aber zu unserer Aufgabe, der es sehr not tut durch mehrere vertreten zu sein, gehört Diskussionsbeschlagenheit. Um es kurz auszudrücken: Wir sollten uns in unseren Zusammenkünften diskussionsrednerisch bilden, es erscheint mir dies gerade für uns sehr wichtig. Es gehört allerdings Arbeit dazu. Sie werden mir aber selber zugeben, dass klar zurechtgelegte Gedanken gut ausgedrückt schneller zum Verständnis beitragen, also den Zusammenkünften mehr abgewinnen, als wenn jeder von uns unvorbereitet redet, was der Augenblick bietet. Sie werden vielleicht über meinen Vortragsdusel lachen, aber diesen gewann ich mir aus dem Treiben der Aelteren. Wohin ich kam, fiel mir immer dieser Mangel an Zielbewusstsein und Redegewandtheit auf. Jeder Abend brachte Redegewäsch, aber nichts Positives, insofern, als jeder, der aus einer Versammlung kommt, doch für's erste wissen sollte, warum er dort war und warum er das nächste Mal wieder hingehn wird. Vielleicht gestalten Sie meine Idee rentabler, doch wollte ich es nicht versäumen, Sie Ihnen zu unterbreiten, um der Wichtigkeit willen. Mir will es wertvoller erscheinen, dass wir uns fundamental erst einigen, als dass wir so drauflosschreien. Spontanität um der Ganzheit einer Sache willen verleugnen, ist doch sicher etwas anderes, als Mangel an Spontanität und wird meiner Meinung nach zu erkennen sein. Nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich mich hier so ergiesse, es erscheint mir aber wichtig, wichtig für die Haltbarkeit unseres Auftretens. — Als ich zum erstenmal an Sie schrieb, glaubte ich, dass Erwachsene, sogenannte „reife Männer", die Sache des Anfang leiten, als ich dann durch persönlichen Umgang Jüngere als ich erkennen musste, war ich mir wieder einmal klar, dass die Kommenden doch verheissungsvoller sind als meine Altersgenossen. Ich bereue es nun nicht, dass ich doch nicht zurücktrat. H. E. Eine juryfreie Ausstellung. Die Nachricht, daß sich in Berlin ein Ausschuß zur Organi^ sicrung einer juryfreien Ausstellung für den Herbst gebildet hat, wird in den Kreisen der Jugend, die sich für Kunst interessieren, lebhaften Beifall gefunden haben. Die Anstrengungen, welche gemacht werden müssen, um diese für Berlin neuartige Idee durchzusetzen, haben aber noch ein allgemeineres Interesse für uns. Auch hier stehen Vorurteile, steht das Alte einem praktischen, gefunden Venuch gegenüber. Auch hier ein passiver, wenn nicht offener Widerstand gegenüber dem ernsten Willen, Conventionen zu brechen, um unhaltbare Zustände zu verbessern. Die Schwierigkeiten liegen äiso auch hier nicht nur auf materiellem, sondern vor allem auf ideellem Gebiet. Ein nächster Bericht wird von diesem Unternehmen ausführlicher handeln. Die Redaktion. Druck von Jon. Mewes, Niederschönhausen.