Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- IV. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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- Cicero 5× ep/1024888
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— 97 — Cicero. (Wie er einem Abiturienten erscheint.) [Schluss.] Nach seinem glorreichen Prozesse bekleidet nun Cicero als Liebling des Volks die gesetzmässigen Aemter, wobei ihm oft genug Gelegenheit geboten wird, seine Eitelkeit zu befriedigen. Aber gerade im Augenblicke des höchsten Ruhmes und Glückes legte Cicero den Grund für sein späteres Unglück. Denn er Hess 4 Catilinarier, auf deren Schliche er mit Hilfe von Denunziationen einer Dirne und durch Betrug gekommen war, mit Genehmigung des Senats (5. XII. 63.) im Tullianum erdrosseln. Im folgenden Jahre verfolgt Cicero mit seinem Hass den sittenlosen, verkommenen Appius Claudius Pulcher, der sich zu einem Fest der Bona Dea eingeschlichen hatte, der Religionsverletzung angeklagt, aber von den gleichfalls verkommenen, bestechlichen Richtern freigesprochen worden war. Claudius, der keine ruhige Stunde mehr hat, dürstet nach Rache und findet plötzlich einen Lebenszweck: er will Cicero vernichten. Hätte er es gekonnt, so würden ihm noch heute tausende von Schülerherzen dankbar entgegenschlagen und man würde ihn als den Harmodius oder Aristogeiton der höheren Schuljugend preisen, aber gerade der Umstand, dass Claudius, der zur plebs übergetreten war, damit er als Volkstribun besser gegen Cicero vorgehn könne, den Redner und ehemaligen Consul nur halb vernichtete, ihn tiefunglücklich machte, aber unbeschädigt an Leib und Leben liess, gerade der Umstand hat den Namen des Clodius, wie er sich jetzt nannte, für alle Zeiten gebrandmarkt. Denn wenn Cicero damals aus der Geschichte ausgeschieden wäre, so hätten wir nur seine grossen Reden, nicht aber seine Jammerbriefe und seine Philosophie, und damit wäre uns schon viel geholfen. Aber es kam anders. Cicero wurde auf einen Antrag des Clodius hin Hunderte von Meilen weit von Rom verbannt und geächtet. Aus der Verbannung, in die er völlig fassungslos flüchtet, schleudert er wutenbrannte Briefe nach Rom, an seine guten Bekannten und Verwandten und wirft ihnen in geradezu rücksichtsloser Weise vor, sie hätten ihn nicht genügend unterstützt, auch Atticus bekommt Manches zu hören. Aber mitten aus diesen Briefen schielt seine Eitelkeit hervor. In einem Briefe erzählt er, dass bei seiner Verbannung 20000 Senatoren und Ritter mit ihm Trauerkleider angelegt hätten. — Unterdes sind aber Ciceros Freunde in Rom geschäftig und Pompeius bemüht sich um seine Rückberufung, weil er ihn jetzt braucht. Im Triumphzuge betritt Cicero wieder Italiens Boden, und Brundisium, das an seinem Landungstage (5. Aug. 57) gerade den Gründungstag feiert, begeht, wie er in einem Briefe schreibt, seinetwegen, und weil seine Tochter Tullia gerade auch Geburtstag hat, natürlich das Fest mit doppeltem Gepränge. Wenige Jahre gehen ins Land, für die Welt von höchster, für Cicero von geringerer Bedeutung, da plötzlich „braucht" der Staat wieder den alten Senatsvorkämpfer. Als Prokonsul soll er nach Cilicien verschickt werden; aber nur mit grösstem Widerwillen nimmt er den Auftrag auf sich. Doch da er sieht, dass man ohne ihn eben nicht auskommen kann, so fährt er denn hin und erwirbt sich „immensen Kriegsruhm" in den Kämpfen mit den aufständischen Bergvölkern und durch Massnahmen gegen die dräuenden Parther. Als er nach einem Jahre auf sein flehentliches Bitten hin (er kann ohne Grossstadtluft nicht leben!) von seinem exponierten Posten befreit wird, ist er fest davon überzeugt, dass es ohne Ti iumphzug in Rom nicht abgehn könne. Aber in Italien hat man jetzt Arideres zu tun, als die Eitelkeit eines homo novus zu befriedigen. Der „heraufgekommene" Caesar