Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- IV. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 95 — Wie die Menschen sich in unserem kühlen Schatten an heissert Tagen niederliessen, Um die ozonreiche Maienluft zu geniessen, Wie die Lämmer auf den Heiden, Munter springend, ihres Lebens sich erfreuten. Doch, was sehen wir jetzt!? Brücken, Viadukte, Eisenbahnen, Die des Menschen kühner Geist erbaut, Da hören wir der Lokomotiven und Fabrikspfeifen scharfen Laut. Menschen drängen und hasten nach Glück, Da heisst es, steig* vorwärts oder falle zurück. Da atmet der Mensch nicht klare Luft, Und auch keinen Blütenduft. Da senken Dunst und Rauchwolken sich hernieder, Die alten fallen und neue kommen wieder. Die Häuser ragen hoch in die Wolken hinein, Die letzten Fenster erscheinen von unten winzig klein. Telegraphendrähte ziehen kreuz und quer, Am Erdboden Schienenstränge hin und her. Elektrische Bogenlampen strahlen ihr grelles Licht nach allen Seiten aus» Plötzlich kommt die Hoch- und Untergrundbahn aus der Erde heraus. Ein Rummel folgt und sie ist vorbei, Da wird das Aug* nicht müde zu schauen, das ist ihm alles neu! Auf Gummirädern eilen die Fiaker leicht dahin, Kommt man in das Getümmel, so weiss man nicht wohin. Paläste, Kirchen, Dome ragen hoch empor, Parkanlagen mit Springbrunnen lagern sich davor! Auf und ab wandern Menschenmassen Durch die schönen breiten Strassen. Sind wir verbrannt, so zwängen unsere Geister sich durch den engen Schlund. Und sind wir in den Wolken oben, So sehen wir herab auf der Städte reges Toben! Das Wasser: Als klare Quelle rieseln wir ins Tal, Begleitet von der Vogellieder Schall. Dann schwellen wir an zu einem Bach, In dem die Kinder waten bei Geschwätze und Gelach. Bald werden wir zum Fluss, dann bilden wir einen Teich, Der ist besonders im Winter freudenreich. Dort tummelt Jung und Alt Sich in aller Frühe bald. Aus den Wolken fallen wir als Schnee, Begleitet von der Kinder freudigem Juchhe! Doch fallen wir als Wasser auch zur Erde nieder, Wo wir verdunsten, aufsteigen und zur selben fallen wieder. Wir bilden das Gewitter, Der Sturm und Blitz begleiten uns auf unseren Wegen, Und wenn wir vereint als schwere Wolken auf dem Himmel zieh'n, Dann können unter uns die Menschen Böses hegen. Und machen gut, wenn Sie uns bald entflieh'n. Denn lange währt es nicht, so tritt Gewitterschwüle ein, Und des Wetterleuchtens roter Schein. Da, der erste Blitz zuckt durch die Nacht, Begleitet von des Donners furchtbarem Krach. Der Sturm braust durch der Bäume dürre Aeste, Und jagt vor sich her des Herbstlaubes gelbe Reste.