Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- IV. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 85 - Frage zu beantworten: wie denken sie über Schülerselbstmorde? Die nächsten Hefte des Anfang werden die eingesammelten Antworten bringen. In Nr. 4 des hektographierten Anfang (August 1908) ist bereits ein Artikel von mir über dieses Thema erschienen: „Der Geist der Schwere." Wir geben ihn hier teilweise wieder, weil er sich, so unbeholfen auch die Ausführung ist, doch in den Hauptzügen mit dem deckt, was Herr Professor Gurlitt von den drei im letzten Schuljahr im Königin Carola- Gymnasium zu Leipzig Verstorbenen mitteilt. (Berl. Tagebl. 12. April.) Herr Prof. Gurlitt zitiert aus den Briefen von Freunden des ersten Schülers folgendes: „Jeder weiß ja, was für ein Aufwand von Energie dazu nötig ist, den Ekel zu überwinden, um diese erzwungene Arbeit wieder aufzunehmen. Und erzwungen war sie auch ihm, denn seine Lektüre trieb ihn, nach anderen Werten zu greifen." (Des zweiten Schülers.) „Um seine Stellung zur Schule in der letzten Zeit zu charakterisieren, brauche ich nur zu sagen, daß seine einzige Erholung aus seiner tagtäglichen Depression das Schmähen auf die Schule war. In starken, gesunden Stunden faßte er sie als Zielscheibe seines Witzes auf. Er verstand es meisterhaft, aus dem chaotischen philologischen Wüste den unerträglichen, reaktionären, entwicklungsfeindlichen Geist herauszuschälen. Er sehnte sich nach praktischer Betätigung und stand diesen Schulstoffen absolut fremd gegenüber. — Sein Selbstmord mußte sich ergeben aus seinem reifen Wesen und dem Milieu, in das er gezwungen wurde." (Des dritten Schülers.) „Das Elternhaus konservativ, die Schule reaktionär und er ein überzeugter Moderner." „Die Schule gab ihnen Lehrer, nicht einen Erzieher. Was blieb ihnen übrig, als alle seelischen Konflikte in sich auszutragen." „Um so mehr hat auf beide das niederdrückende, geistlose Milieu gewirkt das täglich stundenlang — viele lange Stunden lang schon durch den Energieaufwand zur Depression gezwungen hat."