Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- IV. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 80 - den eigentlich tierischen Teil ihres Bestandes, ihre sich beständig erneuernde Vergangenheit. Keine wichtigere Aufgabe also für die Menschheit, als sich dieses Bestandes ihrer selbst zu bemächtigen, ihn einzuführen in den Prozeß der Menschwerdung. Das ist Erziehung."" Die Schule ist der Ort, wo es dem kindlichen Geiste aufgehen soll, „„daß er nicht ein isoliertes Bewußtsein ist, sondern daß er von früh auf gesehen und erkannt hat, vermittelst eines über ihm waltenden, ihn beherrschenden objektiven Geistes, dessen Träger die Menschheit ist, und durch den sie Menschheit ist."" Alle idealen Güter, Sprache und Wissenschaft, Recht und Moral, Kunst und Religion, sind Aeußerungen dieses objektiven Geistes. Eine langsame, mühevolle Wanderung hat die Menschheit, den Träger des objektiven Geistes, bis zu der heute erreichten Höhe geführt. Und die Epoche, in der wir jetzt stehen, ist die bisher wichtigste in der Entwicklung des menschlichen Geistes. „„Die Signatur dieser Epoche ist die beginnende Emanzipation des Geistes."" Im Sozialismus tritt der Geist den Ausartungen des Kampfes ums Dasein entgegen, im Evolutionismus erkennt er die logische Weltentwicklung, in der Technik nimmt der Geist den Kampf mit den Naturmächten auf. Die Welt ist Objekt des menschlichen Geistes geworden, der früher erdrückt wurde „„von der Uebermacht der Materie."" Der philosophische Vertreter dieser Anschauung ist bekanntlich vor allem Hegel. Damit ist die Aufgabe des Individuums bestimmt. Es hat sich in den Dienst dieses objektiven Geistes zu stellen und in der Arbeit an den höchsten Gütern seine Pflicht zu erfüllen. In der bewußten Ableitung dieses Gedankens aus dem Metaphysischen liegt ein religiöses Moment. Und auch nur dieses religiöse Bewußtsein kann schließlich als letzte Antwort dienen auf die Frage nach dem Zweck, der Notwendigkeit eines Unterrichts, dessen absolutes, oberstes Ziel es nicht ist, die jungen Menschen für den Kampf ums Dasein zu wappnen. Aber noch zwei wichtige Fragen erheben sich. Zunächst: „Ist die Jugend überhaupt einer so ernsten Ueberzeugung, eines so heiligen Willens fähig?" Eine unbedingt beweisende