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Der Anfang · 1911-01-01 · III. Heft (1911) · p. Seite 73

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Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
III. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 73 (sequence 25)
Language
German
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- 73 - rakteristischsten ihrer Charaktereigenschaften? Als Kinder: bei aller Leidenschaft — Bedächtigkeit wördevolle Besonnenheit Selbstüberwindung und Opferwilligkeit. Härte. Am stärksten ausgesprochen ist das Gefühl persönlicher Würde. Es zwingt sie in ihrer frühesten Jugend schon zu Selbstbeherrschung, zu Selbsterziehung. Dieses Gefühl entspringt der Idee von Selbstverständlichkeit mit der sie ihre Lebensaufgabe unbewusst erfasst haben. Als der fünfzehnjährige Goethe mit mehreren Freunden in eine unangenehme Geschichte verwickelt wird, droht er, dass: „wenn seinen Genossen nur im mindesten Unrecht geschähe, er sich ein Leids antun würde". (Bielschowsky.) Goethe hatte damals noch nicht Selbstbeherrschung gelernt dafür aber sehen wir, wie Bielschowsky sagt, „eine neue grosse Seite seines Charakters zum Vorschein kommen": — Opferwilligkeit. In seinem späteren Leben wird Goethes Haltung von Pedanten oft als Schwäche ausgelegt, ist jedoch gerade das Gegenteil, nämfich Selbstüberwindung nach den gewaltigsten, innerlichen Kämpfen einer leidenschaftlich empfindenden Natur. Goethe bleibt seiner „Inspiration", seiner Jugend treu. Andere Rücksichten darf er nicht kennen. Denn „es war ihm mit seiner Bildung ernst er hat unablässig an semer Veredlung gearbeitet". (Gespräche mit Eckermann.) (Goethe hat in Wilhelm Meister, Kapitel 9 Buch 7, für immer festgenagelt mit welcher Macht das innere Leben selbst die Erscheinung des äusseren Menschen zu verwandeln im Stande ist Er stellt nach einer längeren Trennung Wilhelm Meister seinem Jugendfreund Werner gegenüber; jener, der strebsame Künstler, ist grösser, stärker, gerader geworden; dieser ist jetzt nur mehr das Bild eines „arbeitsamen Hypochondristen" — eines Philisters.) Napoleon. Als sechsjähriges Kind kommt er in die Müitairschule von Brienne. Stendhal erzählt, dass ihm eine Strafe aulerlegt wird: er soll seine Mahlzeit an der Türe des Refectoriums knieend einnehmen. ,;Diese Behandlung wäre für ein gewöhnliches Kind eine vorübergehende Widerwärtigkeit gewesen...... Le moment de Fexecution Int celui d'un vomissement subit et d'une violente attaque de nerfs; le supereur qui passait par hasard, l'arracha ä un supplice trop fort pour son Organisation toute d'orgueil." Diese Scene beweist, welch ein furchtbarer Kampf sich in der Seele des ganz jungen Napoleon abspielte; und war auch ihm die Selbstüberwindung damals nicht gelungen, so zeigt ein anderes Kindererlebnis, wie weit er es später darin und in der Opferwüligkett gebracht hat. Er nimmt das Vergehen eines seiner Brüder auf sich and erträgt kaltblütig und standhaft die Strafe, eine schwere körperliche Züchtigung.

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