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Der Anfang · 1911-01-01 · III. Heft (1911) · p. Seite 59

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Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
III. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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— 59 — macht er sich Luft Doch mir auf Augenblicke; noch ist die Zeit nicht gekommen. Erst muß der Mensch Einkehr halten, muß sich seiner selbst bewußt werden, den Umfang seiner Kraft erkennen. Gefestigt steht die Persönlichkeit nach dem ff-AbschluB des Adagios vor uns, mit sich im Reinen, bereit zum Kampfe. Und nun ist's der rechte Augenblick: in wildem Streite rennt der Mensch gegen die Wände seines Gefängnisses; ein Scherzo ist der Kampf, aber was für ein Scherz? Ein Grauen überkommt den Hörer. Man wagt nicht zu atmen, wenn das Orchester starr auf der Terz as-c festliegt und nur die Pauke ihr gleichmäßiges c hämmeit. „Tut auf das Tor. . .!" Ein letzter Antauf, — und in strahlendem C-dur intoniert das ganze Orchester das Sie^sthcma: Erlösung. Ein ohnmächtiger Versuch einer nocl^me^gen Knechtung wird mühelos zurückgeschlagen; die rreihett ist ei ämpft; in dithyrambischem Schwünge, in unaufhaltsamem Jubel wird das Finale, die Siegesfeier, zu Ende geführt. Mit der „Eroica" (III. Sinfonie, Op. 55, Es-dur) hatte bei Beethoven die Periode der völligen Ausreifung begonnen, in der „Fünften" steht er bereits ab der Olympier der Tonkunst vor uns; ahjr erst anderthalb Jahrzehnte apäter schrieb er sein bedeutendstes Werk, die Krone aller Sinfonien, ja, vielleicht die herrlichste Schöpfung der ganzen Musikliteratur, „die Neunte*. Ihren „Inhalt" möchte ich hier noch andeuten. Die Sinfonie stellt, wenn man so sagen darf, den „Läuterungsproreß der Freude* dar. Mit zwingender Logik folgen die Bilder einander. Der erste Satz — die Exposition des Dramas. — In dumpfen, leeren Quinten setzen die Instrumente ein: Beethoven, der Einsame. Doch genug der Einsamkeit! Warum soll ich ausgeschlossen sein aus dem Kreise der Frohen? Ich werde mir die Freude zu erzwingen wissen. „Auf zum Kampfe!" Verstummt, ihr Stimmen, die ihr mich trösten, mich einlullen wollt in den grauenhaften Schlaf der Einsamkeit; lange genug habe ich mein Los getragen, lange genug die Freude entbehrt . . . Und der Mensch ertrotzt sich die Freude, in diesem Scherzo knirscht seine Lustigkeit. Eine Lustigkeit entrollt sich da, krankhaft verzerrt, eine Ausgeburt des Fiebers, ein Tanz von Gespenstern: der Humor

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