Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- III. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 58 — Beethovens Mollsinfonien. Skizze von Arthur Wolfgang. In meinem Beitrag zu der Januarnummer des „Anfang" wies ich bereits auf den scharfen Gegensatz hin, der sich zwischen der Weltanschauung Ludwig van Beethovens und der Richard Wagners ausprägt. Nachdem ich dort Ober den düsteren Todesglauben des Bayreuther Meisters ausführlich gesprochen habe, möchte ich in der nachstehenden Skizze ein Beispiel geben, wie sich dagegen Beethoven aus der tiefsten Seelennot zum Licht, zum Leben, zur Lebensfreude durchkämpft, und wie sich diese siegreichen Kämpfe in seinen gewaltigsten Sinfonien, der Fünften (C-moll, Op. 67) und der Neunten (D-moll, Op. 125) wiederspiegeln. Beethoven war einsam. Einsam in der Jugend, einsam im Mannesalter, einsam bis zu seinem Ende. Einsam in der Jugend ein Beethoven! Etwas Tragisches liegt in dem bloßen Gedanken, und er war bitterste Wirklichkeit. Keinen Menschen hatte der junge Beethoven, dem er seine Seele hätte aufschließen können, und so verlor er sein Herz an die innerlichste, die erhabenste der Künste. In einem Kloster am Rheine unweit seiner Vaterstadt, kam es über ihn, als er vor der Orgel saß, da drückte ihm sein Genius die Finger auf die Tasten, und seine überquellende Empfindung machte sich Luft, seine Seele zerbrach ihre Fesseln, das Individuum verlangte die Freiheit, es kündigte dem äußeren Drucke, dar es einengte, den Kampf an, und es siegte durch „des Tones Macht". Was der Jüngling Beethoven damals schuf, das war seine erste sinfonische Fantasie. Die Mönche aber in der Kirche fühlteji sich gebannt durch die Offenbarung; da oben spielie ein Drama, eine Persönlichkeit erkämpfte sich ihre Freiheit. Den jungen Beethoven vor der Orgel des Rheinklosters glaube ich immer zu schauen, wenn ich seine C-moll-Sinfonie höre. „So klopft das Schicksal an die Pforte", äußerte der Meister über den Anfang der Sinfonie. Ich glaube, man kann auch sagen: so klopft der menschliche Geist an die Pforte seines Gefängnisses. Und nochmals und wieder, schon