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Der Anfang · 1911-01-01 · III. Heft (1911) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
III. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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— 60 — der Hölle. Und mitten hinein frohe, klare, leidenschaftslose» menschliche Tanzweisen. Da muß der Kranke erkennen, daß Geisterspuk nicht geduldet wird in jener Welt der Menschen, die nur dem Menschen ihre Arme öffnen. Im Adagio vollzieht sich die Läuterung; da gelangt der Held dieses Dramas erst ganz zu der Einsicht, daß er — so bittere Qualen er auch in seiner Einsamkeit leidet — selbst in der schmerzlichsten Freudlosigkeit sich nicht die Freude aus der „Hexenküche" erbetteln darf. Und er findet den ersten wahren Trost in sich selber, das „nosce te ipsum!M wird ihm der Quell einer ruhigen Heiterkeit, einer reinen Freudigkeit. Den Läuterungsprozeß seines Dranges nach Freude hat das Wesen durchgemacht, das jetzt erst Mensch geworden ist!! Nun hebt den Riegel, ihr Anbeter der Freude, laßt mich ein in Elysium, laßt mich ein, der ich mich selbst gefunden habe, der ich mich aus der tiefsten Erniedrigung durchgerungen habe zu eurem hohen Freudengefühl. Die Erinnerung an seinen Kampf überkommt ihn, noch einmal ficht er ihn in Gedankeu durch; er sucht nach dem Zauberwort, das ihm die Herrlichkeit des Freudentempels erschließen soll. Und da eilen die Menschen dem Menschen, die Freunde dem Freunde, die Brüder dem Bruder zu Hülfe; sie rufen ihm das erlösende Wort zu, und er ergreift es, die ganze Menschheit vereinigt mit ihm ihre Stimmen: macht auf! macht auf! Nicht länger laßt mich harren „Freudig, wie ein Held zum Siegen, laufet, Brüder, eure Bahnt" Wieder und wieder, hundertstimmig, dröhnt das Kampflied . .: dieser Heldengröße öffnen sich die Gefilde der Seligen — anbetend sinkt die Kreatur in den Staub vor der erhabenen Erscheinung der „Freude". Erst, als die Göttin den Menschen liebreich zu sich emporhebt, da findet er Worte, findet er Töne zum Preise ihrer Herrlichkeit, in bacchantischer Raserei stammelt er, jubelt er: „Freude, schöner Götterfunken!" . . . Dies ist das gewaltigste Schauspiel, das sich je in Tönen abgespielt hat. „Das Auge sieht den Himmel offen!" Durch dieses erschütternde sinfonische Drama fühlt sich der Hörer emporgerissen von dieser Erde, fühlt sich hinaufgehoben in das Gottesreich der Musik eines Ludwig van Beethoven, des Olympiers der Tonkunst!

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