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Der Anfang · 1911-01-01 · II. Heft (1911) · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
II. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 46 (sequence 22)
Language
German
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— 46 — Sie schreiben weiter: „es bleibt Ihnen nichts als treulich zu lesen, verstehen zu suchen, vor allem aber sich draußen selber umzuschauen, selber zu versuchen."------- Ist der Anfang etwas andres als solch ein Versuchen, ist es nicht gerade sein Zweck zu Selbständigkeit zu fahren? — Und ist die Tatsache, dass ich anlässüch des Anfang diesen Brief von Ihnen erhalten habe, nicht etwa eine nützliche Lehre, welche mir das Leben selbst gibt? Streift die Frage: Soll ich den Kampf aufnehmen, soll ich den Brief beantworten, oder soll ich ihn ad acta legen, zu den übrigen Erfahrungen, welche mich der Anfang gelehrt hat - streift diese Frage nicht auch schon ein Problem des Lebens? Wird ein achtzehnjähriges Gehirn nicht selbständiger, wenn es sich mit der Lösung solcher Fragen beschäftigen muss? Und hat eine möglichst unpersönliche und objektive Beantwortung des Briefes gar nichts mit dem Problem der Kunst zu tun? „Beschmutze" ich denn die Probleme der Kunst und des Lebens indem ich antworte? „Treibe ich Raubbau an der eigenen Seele" wenn ich meinen Empfindungen.Ausdruck gebe?'4 „Bin ich ohne Ehrfurcht und Gewissen vor Ding und Gedanken," weil ich meine Ideen äussere? Die Probleme der Kunst und des Lebens treten den Menschen sehr früh in den verschiedensten Formen entgegen, früher noch als sie m Stande sind, den Sinn dieser Worte zu erfassen. Ist es da nicht jbesser, ihnen selbst entgegenzugehen? Ich kann Sie versichern, mein Herr, der Anfang hat mir in den drei Jahren seines Bestehens reichlich Gelegenheit gegeben, mich „draussen umzuschaun". Und so viel habe ich sicher* schon gelernt, um mit Bestimmtheit sagen zu können: dass ich, dass meine Arbeiten Ihnen am unsympatischsten sind, ist mir eine Genugtuung, denn das ist mir ein Beweis, dass ich Recht habe in dem, was ich mir als Ziel gesetzt habe. Ich teUe nämlich nicht Ihre pessimistische und blutleere Auffassung: „keiner hat Recht, kaum einer Unrecht0 Nein, es heisst vielmehr so: jeder hat Recht, aber einer bat mehr Recht als der andere. Und diesmal habe ich mehr Recht, weil ich der Versuchende bin und Sie der Zweifelnde, der Lähmende, weil ich der Jüngere bin, in jeder Hinsicht der Jüngere! — Und „wenn die Schularbeit den Teufel wert ist und es Jahre über Jähre braucht um sich innerlich von ihr zu befreien/' wie Sie meinen, was kann es besseres geben als möglichst früh mit der Befreiung anzufangen? — Wenn wir Talente haben, so ist das nicht unser Verdienst, aber unsre Fehler sind auch noch nicht unsre Schuld. Noch nichtu Sie aber, mein Herr, sind unduldsam! Sie sind es, trotzdem Sie von Duldung sprechen und mir die Versicherung geben, dass Ihre Stellungnahme gegen den Anfang nichts mit Antisemitismus zu tun habe; Sie sind, ohne es selber zu ahnen, in Ihrem innersten Herzen unduldsam; gegen den Anfang, gegen die Jugend, gegen „Berlin W.", gegen die „Juden" und wahrscheinlich auch gegen sich selber. Ihr heftiges Schelten, ihr Poltern, der ganze Ton Ihres Briefes beweisen

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