Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- II. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 49 — Klaatsch hat unserer Ueberzeugung nach vollständig Recht, wenn er (in einem Vortrage) betont, daß Darwin selbst sich gegen die heutige Anwendung seiner Lehren, wenn er noch lebte, sehr energisch verwahren, insbesondere nicht mit der Verquickung seiner wissenschaftlichen Arbeiten mit philosophischen Systemen (Monismus u. s. w.) einverstanden sein würde. Worin bestehen aber eigentlich die wissenschaftlichen Lehren Darwins, wie weit geht ihre Anwendung? Seine Hauptwerke sind ja die schon mehrfach erwähnte „Entstehung der Arten" und die „Abstammung des Menschen*. Es kann nicht geleugnet werden, daß auch Darwin wie jeder große Geist zum Teil auf seinen Vorgängern, in diesem Falle Goethe, Erasmus Darwin, Buffon, Lamarck, Geoffroy, Saint-Hilaire u. a. fußt; sein großes Verdienst ist es jedoch, die schon hier und da aufgetauchte Behauptung über die Veränderlichkeit der Arten bewiesen und klipp und klar ausgesprochen zu haben. Damit war die größte Fessel der Naturwissenschaften abgestreift. Mit der Anerkennung dieses Satzes, der ja auch von den Gegnern der Abstammungslehre nicht mehr bezweifelt wird, steht und fällt auch die ganze Lehre. Ohne eine Veränderlichkeit der Arten wären ja alle züchterischen Erfolge des Menschen (verschiedene Hundeformen, Obst u. s. w.) undenkbar. Bekannt ist ja, daß Darwin in einigen Jahren allein eine ganze Zahl Taubenarten zum Beweise für seine Behauptungen züchtete, neben vielen anderen Beweisen. Richtig ist zwar, daß er den Lamarckismus sehr hintangesetzt hat, aber das lag an dem damaligen Stande der Wissenschaften. Jedenfalls war Darwin keinesfalls Dogmatiker, er ließ sehr gern eine bessere fremde Meinung gelten, wo er eine fand. Selten ermißt aber der Laie den großen Einfluß Darwins auf alle Wissenschaften, weil seine kleineren Schriften, deren es eine sehr große Zahl gibt, nur dem Fachmanne bekannt sind. Sein größtes Werk „Die Abstammung des Menschen" (erschienen 1871) hat wohl dort, wo es nicht genau bekannt war, das größte Unheil gestiftet. Es gab neue Nahrung für die Phrase über die Abstammung vom Affen, was den darwin-