Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- I. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 17 - sollte sich plötzlich in den sorglosen Causeur verwandeln?! Das konnte er nicht, das war ihm seiner Natur nach unmöglich! So zeigt er uns auch in seiner „heiteren" Schöpfung keine lebensvollen, lebensfrohen Menschen. Auch Stolzing ist nicht frei von der Melancholie Siegmunds, Eva ist, wie Max Graf so fein bemerkt (in seinem ausgezeichneten Buch „Wagnerprobleme")» ,>nur ein gesünderer Cousin Sentas und Elsas," und Sachs — setzt sich mit einem resignierten Lächeln über den Verlust Evas hinweg. „Von Tristan und Isolde kannt5 er ein traurig Stück; Hans Sachs war klug und wollte nichts von König Markes Glück.4C Dieses resignierte Lächeln aber, das Sinnbild des schwer erkauften Friedens, ist das Charakteristikum dieses ganzen Werkes, und der grenzenlose Jubel am Schlüsse --, er ist der Jubel des Schöpfers darüber, dass es ihm einmal gelungen war, den trüben Ernst zu mildern, dass er sich einmal vom düsteren Pessimismus zum gelassenen Stoizismus hatte aufschwingen dürfen. Eine Verklärung seines Pessimismus, — das ist Richard Wagners „komische Oper." Und gerade dadurch, dass er keine wirkliche komische Oper schreiben konnte, — grade durch dieses Nein! gab er die kräftigste Bejahung seiner Weltanschauung, seines ernsten, trüben Glaubens an den Tod. Sturm und Eiche. Im Sturm erstarkt die Eiche, Wankt nicht im Sturme dann: Nur Stürme können zeugen, Was Stürmen trotzen kann. Otto Gierlich (Breslau).