Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- I. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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16 - ihn durch die Reinheit ihrer Liebe zu erlösen. Wolfram muss sich in das Unabänderliche fügen, muss sie ziehen lassen, dem Tode entgegen« Als Isolde den „treusten Mann" erblickt, als Tristan der „herrlichen Frau" ins Auge schaut, da ist sein Leid, aber auch seine Treue dahin, da sind Morold und Marke vergessen. In stummer Resignation beugen sich Erik und Wolfram, Marke und Gunther vor der Allgewalt der Liebe, vor dem Willen des Schicksals. Nicht weniger als die Helden des Spiels selbst stehen auch sie im Bannkreis der Schicksalstragödie ♦ . . . Der Schicksalstragödie! Eine Schicksalstragödie ist Wagners ungeheures Werk, eine Schicksalstragödie jede seiner Schöpfungen, der „Tristan" wie der „Siegfried", das ,,Siegmund"- wie das „Wotan"-Drama, der „Tannhäuser'* wie der „Lohengrin", das Meisterwerk seiner Jugend wie der Schwanengesang des Greises. Und immer wieder erleben wir in diesen Schicksalsdramen jene nervenpeitschenden Qualen, jenen beklemmenden Druck, den die Liebesgöttin dann langsam löst, um den duldenden Helden unmerklich aus dem Elend des gleissenden Tages zu erheben und ihn hinüberzutragen in das besänftigende Halbdunkel des Jenseits,' der Sphären Nirwanas. So steht der Meister mit seiner pessimistischen Weltanschauung, seiner Philosophie des Todes in schroffem Gegensatz zu Beethoven, dem grossen Olympier, der seine Geschöpfe sich zu den Freuden des Lebens durchringen, der im Leben seine Helden glücklich werden Hess. So steht er auch im Gegensatz zu dem „Philosophen des Lebens", zu Friedrich Nietzsche, der aus diesem Zwiespalt der Anschauungen die Konsequenzen zog, Richard Wagner konnte sie nicht begreifen, die Anhänger, die Kämpfer des Lebens; ihn zog es zu jenem Manne hin, der das menschliche Dasein, das Leben mit all seinem Inhalt verneinte, zu dem Geiste, dessen Ideal das Nirwana hiess: er wusste sich eins in seiner Weltanschauung mit Arthur Schopenhauer . . . Und dieser Mann, der grosse Tragiker, sollte eine „komische Oper" schreiben?! Er, der Pessimist kat* exoehen,