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Der Anfang · 1911-01-01 · I. Heft (1911) · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
I. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 15 (sequence 12)
Language
German
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15 - Sind nicht auch Wagners Frauengestalten vom Leid gezeichnet, vom Engel des Todes geküsst? Senta, die Schwärmerin, die mit einer übernatürlichen Freudigkeit dem Ende entgegenschreitet, mit einer Freudigkeit, die uns schaudern macht? Elisabeth, die bereits auf Erden zur Heiligen erklärte? Elsa, die reine, die der Qual des Zweifels verfällt? Isolde, die dem wilden Leide des „neidigen Tags" entflieht? Sieglinde, die zarte, die der Fall des geliebten Mannes mit zu Boden reisst? Brünnhilde, die herrliche Walküre, die sich mit dem Helden, den das Leben ihr raubte, im Jenseits wieder eint? Kundry, die der Erde entsagt, um sich die göttliche Gnade zu erwirken? Sie alle, Götter und Menschen, Helden und Heldinnen, sie haben das bittere Unglück erfahren, sie alle sehuen sich nach Befreiung, nach Erlösung. Nicht mehr das Leben ist es, wonach sie bangen, nichts kann den im Innersten getroffenen Menschen diese. Erde mehr bieten. Was sie erhoffen, ist die Flucht aus dem grellen, neidischen Tageslicht in jenes „dunkelnächtige Land", die Urheimat der Menschheit, das Nirwana. „O sink hernieder, Nacht der Liebe" . . . . Du, hohe Göttin, „volle, wallende Herzensliebe", erschliesse den Harrenden die Stätte des Friedens! Nur Du reine, keusche Schicksalsmacht kannst unser Sehnen stillen, kannst uns zur Ruhe geleiten, zum Tode, zum Nirwana, — zum Glück..... Das ist die Allmacht der Liebe in Richard Wagners Tondramen. Wo Mutter Erde ihre Kraft erschöpft hat, wo niemand und nichts mehr etwas vermag, da erscheint sie, die unendliche, unfassbare, unermessliche Urempfindung, Dienerin und Herrin des Weltenschicksals zugleich. An zwei Menschen tritt sie heran, von der Parze gesandt, von der Parze ihnen bestimmt. Unwiderstehlich, unbesieglich ergreift sie die beiden; denn als Schicksalsgewalt naht sie. Durch tausend Gefahren hindurch führt sie die für einander Bestimmten zusammen. Ein Höherer hat Senta für den Holländer erwählt, darum sieht sie nur sein Bild, hat keine Augen, keine Liebe für Erik. Und als der Ersehnte erscheint, da sinkt sie ihm widerstandslos in die Arme, ihr Grauen kämpft sie nieder; denn sie muss ihn lieben, es ist ihr Schicksal. Nicht anders Elisabeth; wenn Tannhäuser auch von aller Welt verflucht, verfemt ist, sie muss ihn lieben; denn es ist ihre Bestimmung,

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