Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- I. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— u - Richard Wagners Weltanschauung. Musikalisch-ästhetische Studie von Arthur Wolfgang. "Ve moderne Ästhetik betrachtet ein Kunstwerk in drei- *—^ iacher Hinsicht. Zuerst sucht sie seine technischen Vorzüge zu erkennen, darauf forscht sie nach der Idee, die der Arbeit zu Grunde liegt; schliesslich prüft sie die Gestalten auf ihre Ähnlichkeit mit dem Erzeuger und das Leben, das in dem Werke pulsiert, in Beziehung zu dem Denken und Fühlen des Schöpfers. Diese letzte Aufgabe hat noch weitgehende Folgen; wenn man die Ergebnisse der an allen bedeutenden Werken eines Meisters zuletzt vorgenommenen Untersuchungen zusammenstellt, so erhält man ein wunderbar scharfes Bild von der Lebens- und Weltanschauung des Meisters. Dieses Bild ist nirgends schwer zu erkennen; dennoch bemerkt man selten eine solche Klarheit wie in dem Bekenntnis, das Richard Wagner in seinen Tondramen abgelegt hat. Vom „Holländer" bis zum „Parsifal" bleiben die Ideen sich stets gleich, jedes neue Werk ist eine Bestätigung des vorhergehenden. Wenn wir daher, von Wagners erster bedeutender Schöpfung, dem „fliegenden Holländer", beginnend, uns seine Dramen der Reihe nach vergegenwärtigen, wird sich alles, was wir suchen, auf die einfachste Weise ergeben .... Im „fliegenden Holländer44 steht im Mittelpunkt der Handlung ein Leidender, ein Duldender; ein Mensch, der verdammt ist, Meergeist zu sein, dem die Rückkehr ins Leben versagt ist, der nur den Tod sucht — und nicht findet. Diese Tragik ist das Urmotiv aller Wagnersehen Schöpfungen. Ist der Holländer in seiner Qual nicht jenem Helden nahe verwandt, der wie er den Ausbruch seiner Leidenschaft schwer büsseri muss, den die Menschheit verflucht, und der erst im Tode entführt wird? Erblicken wir nicht neben dem finsteren Dämon das glänzende Bild des Sängers der Liebe, das Bild Tannhäusers? Und schreiten wir weiter, so treffen wir den hehren Ritter, der nicht fern vom Grab, nicht mit den Menschen leben darf; so treffen wir diese Riesen, in ungebändigter Kraft nach aussen, — mit der Todeswunde, der zehrenden Sehnsucht im Herzen: Tristan und Siegmund, Wotan und Amfortas.