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Der Anfang · 1911-01-01 · I. Heft (1911) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
Jahrgang 1911
Issue
I. Heft (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 11 (sequence 8)
Language
German
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-lies, alle irdische Farbentiefe und Farbenkraft in vollständiger Reinheit der Töne zu vereinigen. (Die beiden . gelben Balleteusen von DegasJ. Dieser Saal erscheint mir an geistiger Pracht und Inhalt wie ein Märchen aus Tausend und einer Nacht. Ich verlasse die Secession, um den geschilderten Eindruck festzuhalten.;;: * Am nächsten Tag besuche ich zum zweiten Mal die Schwarz-Weiss-Ausstellung und wende mich secessionsordnungsgemäss nach der linken Seite. Ich entschliesse mich schwer zu diesem Besuch. Wir jungen Leute interessieren uns für das: „es war einmal" und das: „es werde" mehr als für das: „es ist". Aber der Weg in die Zukunft, in unsere Zukunft führt durch die stets nüchtern erscheinende Gegenwart und um uns die Frage zu beantworten: was werden wir in 10—20 Jahren leisten, wie werden wir arbeiten, welche Ziele sollen wir wählen? — um uns diese Fragen beantworten zu können, müssen wir uns mit der Gegenwart beschäftigen, und denjenigen, welche uns vorarbeiten. Und deswegen müssen wir unsere Augen mit Gewalt vor den germanischen Urstärken schliessen, um uns besser bewusst zu werden, welche Lücken auszufüllen uns noch bleiben. Bei einer kritischen Betrachtung dürfen wir uns also nicht mit unserem deutsch-nationalen Erbe befassen und uns an dem berauschen, was uns sicher ist, sondern wir müssen zu erkennen versuchen, was uns noch fehlt. Nur auf diese Weise werden wir die Arbeit unserer Vorgänger weiterführen, nur auf diese Weise werden wir sie ergänzen können. — Es fällt mir bei flüchtigem Durchstreifen aller dieser Säle eine ausserordentlich grosse Menge von mächtigem Können und Talent auf. Ich möchte fast sagen zu viel überschäumendes Talent — manchmal auf Kosten andrer wertvoller Eigenschaften. Noch lässt uns die Fülle des Talentes zu verschwenderisch damit umgehen. Ich empfinde einen Mangel an Einfachheit, an Grazie. Zu viel Ästhetik, zu wenig Selbstverständlichkeit, auf Innerlichkeit beruhender Stil — zu viel Manier, Mode, Buntheit, Tendenz und Übertreibung. Dieser erste Eindruck schwindet jedoch, sobald ich mich der Be-

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