Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- I. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 10 - Denn je grösser die Persönlichkeit des Künstlers, um so objektiver, um so unpersönlicher sind seine Schöpfungen. Sein persönliches Ich verschwindet, gerade weil er selber so vollständig in seinem Werk, in seinem „Kind", aufgeht. Dann überlässt er dieses seinem Schicksal, und wendet sich, dem Zwange seines Genies folgend, neuen Taten zu. Das „Kind" aber wird Gemeingut. Die Nachwelt bereichert sich nicht nur geistig — auch materiell daran. Dieser kunsthistorische Vorgang wird sich vollziehen, so lange es Künstler und Menschen gibt. Und hier, rechts und links von der Eingängstüre, ein Beispiel, der Radierer Meryon, von welchem im Katalog zu lesen ist: „Meryon, der in Armut starb und dessen Stiche jetzt gleich selteneren Rembrandts bewertet werden4'. Es sind kleine, feine Kunstwerke, die unendlich viel Stil enthalten, und welche die Idee von geschliffenen Edelsteinen in mir erwecken. Neben Meryon hängt eine sehr schöne Sammlung von Radierungen Corots, des berühmten Landschafters aus der Schule von Barbizon. Ich begeistere mich aber noch viel mehr für seine einzige hier ausgestellte Handzeichnung, die nur aus einigen genialen Strichen besteht. Auch die ebenso flüchtige Kreidezeichnung von Daumier (zwei Streitende werden vom Tod geholt) bewundere ich im höchsten Grade Über den Goyas ist eine ganze Reihe von Zeichnungen von Constantin Guys ausgestellt: aristokratische Gestalten aus dem zweiten Kaiserreich geben durch ihre überelegante Stilisierung einen fesselnden Einblick in diese Epoche. Auf der Wand gegenüber dem Eintritt hängen, in einer Gruppe vereinigt, zwei Aquarelle und zwei Pastelle. Manet, Daumier; Renoir, Degas. Sie entziehen sich jeder Beurteilung, denn sie stehen jenseits allen Lobes und Tadels. Wie die Dame auf dem Bilde von Manet den Fächer anfasst und wie der Sammler auf seinen neu erworbenen Kunstschatz herabblickt — das sind kaum angedeutete Bewegungen und doch eröffnen sie unseren Blicken eine ganze Welt. Und das Auge entzückt sich an den Farben dieser vier Bilder. Die Franzosen sind Meister in der Benutzung und Verwertung der grauen und schwarzen Töne; sie verstehen