Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- I. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 12 - trachtung der einzelnen Studien hingebe. Es ist hier so viel ernste Arbeit versammelt, dass ich ineine strengen kritischen Vorsätze ganz vergesse und mich ungehindert der Bewunderung einzelner Werke überlasse. Im Saale des Puritaners Hodler fallen mir neben den ernsten, respekteinflössenden Studien Rethels die lichtvollen Zeichnungen von Klimt, durch ihr so stark ausgesprochenes Empfinden und Streben nach Schönheit auf. Es wird mir schwer, mich von der anmutigen Portraitstudie eines jungen Mädchens mit entzückendem Ausdruck (No. 571) zu trennen. Die männliche Portraitstudie ist wundervoll geistreich behandelt; ebenso geistreich finde ich die beiden graziösen Statuetten von Paul Scheurich in demselben Saal. Saal III: Zwischen sehr feinen Aquarellen von Ulrich Hübner und von Walser hängen talentvolle Missetaten von Julius Pascin. Eine dieser Aktstudien (Nr. 745, liegender Akt) zeigt jedoch wie viel dieser Künstler kann und dass er nur mit Überlegung und Willen so geschmacklos ist. Seine Illustrationen im nächsten Saal finde ich teilweise amüsant; ich weiss aber nicht, ob dieser Eindruck bei einem zweiten Besuch vorhalten würde. Saal IV ist ausserordentlich reichhaltig. Da ist die Fülle, Frische und Kraft Corinthischer Studien; da ist die schöne Zeichnung, Mutter und Kind, von Kaethe Kollwitz, sowie ihre ergreifende Radierung — der Tod, welcher eine Mutter überwältigen und fortschleppen will, während ihr Kind sie zu halten versucht — da sind Liebermanns meisterhafte Pastelle. Seine Studie: Im Korbsessel (Nr. 647) zeigt, welche Wirkung mit ein paar Tönen und ein paar Strichen erreicht werden kann, wenn es die richtigen sind. Man ruht mit diesen beiden Damen in lässiger Haltung im Korbsessel und man atmet mit ihnen die feuchte Luft ein. Ausserdem finde ich in diesem Saal noch eine sehr anmutige und geschmackvolle Bildnisskizze von Julie Wolfthorn. Saal V zeichnet sich durch besonders viele und feine Radierungen aus. Am besten gefällt mir die mit so viel Liebe und echtem Kunstempfinden gearbeitete Radierung von Paul Bürck, Nr. 88, Heuernte in Holstein* Aber es gibt zu