Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- Jahrgang 1911
- Issue
- I. Heft (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 9 — Ob nicht wieder der Ruf Durch die schweigenden Weiten hallt: Es hat Einer die Sturmglocke gerührt! Und hat über Sonne Und Welten geschrieen: Ich komme —-- hne die Namen der Künstler zu kennen, deren Werke v-/ diesmal ausgestellt sind, besuchte ich die Secession, Winter 1910—11. Zuerst begab ich mich in den Saal VIII, da er rechts vom Eingang liegt. Mein erster Blick fällt auf Zeichnungen von Goya und ich bin gefesselt. Goya, von dem ich schon einmal Zeichnung an Zeichnung in einer Ausstellung gesehen habe und dessen Werke vor meinen Augen in unvergesslicher Klarheit stehen. Es ist nicht nur sein technisches Können, das geistvolle Beherrschen der Form, seine Fantasie, welche Goya zu einem Künstler von so ergreifender Grösse stempeln. Es ist mehr: eine gewaltige Persönlichkeit, welche sich auf geeignetem Boden zu ihrer vollen Grösse hat entwickeln können, weil ihre Kraft nicht von einer kunstkonträren Umgebung eingedämmt worden ist. Aus einem Talent, das von einem solchen Fleiss gepeitscht wird, entsteht dann unter günstigen Umständen das Genie, welches uns von jedem dieser Papiere, die Goyas Feder berührt hat, entgegenstrahlt. Man hat das Gefühl, dass bei diesem Künstler ein jeder Widerstand der Materie verschwindet. Die Übertragung einer jeden Bewegung scheint ausgeschaltet: Blick, Auffassung, Strich sind eins, dasselbe. Da, wo sich südlich-schwungvolle Fantasie mit nüchtern-objektiver Anschauung deckt, wo die äusserst realistische Auffassung die Reinheit des Stiles noch hebt, anstatt ihn durch ihre Subjektivität zu erdrücken — da entsteht das Meisterwerk, und wenn es nur aus zehn Strichen besteht. G-r. (Breslau). Secession. Betrachtungen eines Achtzehnjährigen.