Mannheim
Compact Memory

Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-12-01 · 6 (Dezember 1929) · page 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
6 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2709108-2709121-2709127--721-2709920
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gleiche gilt (für den Fall, daß etwa ein Betrieb einheimischen Arbeitern den Tariflohn versagt, ihn aber an ausländische Arbeitskräfte zahlen will. — Es bleibt abzuwarten, ob dieser Erlaß, der als Maßnahme gegen die Konkurrenz der billigen ausländischen Arbeiter und für den Schutz des deutschen Arbeitsmarktes zu werten ist, zu nennenswerten Veränderungen in den Besehäftigungsverhältnissen ausländischer Arbeiter führen wird. Die Arbeitsvermittlung der öffentlichen und nichtöffentlichen Arbeitsnachweise Die Arbeitsvermittlunigstätigkeit der Arbeitsnachweise, die heute in der dreifachen Form als öffentliche, als nichtgewerbsmäßige und als gewerbsmäßige Arbeitsnachweise erfolgt, hat sich in den letzten Jahren nicht unbeträchtlich vermehrt. Die absolute Vermehrung ist am stärksten bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen. Relativ haben die nichtgewerbsmäßigen Arbeitsnachweise (darunter auch die konfessionellen) ihre Tätigkeit jedoch in gleichem Maße steigern können. Auch die gewerbsmäßige Stellenvermittlung, die ab 1. Januar 1931 verboten sein wird, hat ihre Beteiligung an der Gesamtv ermittlung einstweilen nur geringfügig vermindert. Die Vermittlungsergebnisse sind folgende: Oef fentliche Arbeitsnachweise: Vermittlungen absolut % 1926 4.703.046 82,1 1927 5.981.492 82,6 1928 6.206.279 82,1 1929 1. Halbj. 3.475.071 83,3 N ichtgewerbsmäßisre Arbeitsnachweise: 1926 537.080 9.4 1927 686.962 9,5 1928 738.566 9,8 1929 1. Halbj. 382.566 9,8 -Gewerbsmäßige Stellenvermittlung: 1926 485.365 8,5 1927 572.676 7,9 1928 615 399 8,1 1929 1. Halbj. 312.102 7,5 -^dt. AUS DER PRAXIS DER BERUFSBERATUNG XII. Unterbringung eines Fürsorgezöglings Erwin C, geboren 1910, ist unserer Beratungsstelle seit 4 Jahren bekannt. Er wurde uns seinerzeit «durch die Jugendfürsongtestelle überwiesen, weil er infolge andauernder Unehrlichkeit aus seiner Lehrstelle entlassen worden war. Der Junge stammt aus einem gutbürgerlichen Hause. Der Vater ist im Kriege gefallen; die Mutter ist Handelsvertreterin und ernährt sich und die drei Kinder leidlich. Da sie den größten Teil des Tages durch ihre Berufsarbeit außerhalb des Hauses ist, kann sie sich um die Kinder wenig kümmern und glaubt bestimmt, daß die Schwierigkeiten des Knaben auf diesen Mangel an Beaufsiehtigaing zurückzuführen sind. Sie hat sehr viel Verständnis für seine Eigenart und versucht es sofort mit einer anderen Lehrstelle, wo E. sich zunächst gut hält, nach einiger Zeit jedoch durch den Einfluß seiner Freunde wieder eine Unehrlichkeit begeht, die .zum Verlust der Stelle führt. Eine dritte Stelle außerhalb Berlins, die der Junge durch Verwandte erhalten hat, wird ebenfalls ein Fehlschlag infolge der Tatsache, daß es ihm dort durchaus nicht gefällt, und infolge der dadurch bedingten Leistungsunfähigkeit. E., durch die wiederholten Versuche mutlos gemacht, »gibt es auf, eine neue Lehrstelle zu suchen. Auch dte Mutter, durch die Verwandten aufgehetzt, glaubt, ihm nichts mehr zumuten zu können, und ist damit einverstanden, daß der Sohn ungelernter Arbeiter wird, obgleich ersichtlich ist, daß sie gerade darüber sehr unglücklich ist. Monatelang hören wir nichts von E. Eines Tages kommt Frau C. mit der Bitte zu uns, ihren Jungen sofort in eine Erziehungsanstalt zu bringen, da er zu Haus die Mieter bestohlen habe und sie ihn länger nicht im Hause behalten könne. Kurz darauf ikommt ft., der einen völlig' veränderten und verwahrlosten Eindruck macht, zu uns. Er ist verzweifelt, traut sich gar nichts mehr zu und verbirgt seine Hilflosigkeit hinter renommierenden Redensarten, ist aber sehr erfreut, als 162

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.