Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 6 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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halten können. Mit anderen Worten: die Bank Halvaoth sieht ihre Aufgabe als erfüllt an, wenn sie sich selbst überflüssig gemacht hat. Aber das wird noch gute Weile haben. Jede neue Einwanderungsstelle, jede Krisis stellt der Bank Halvaoth wieder Aufgaben, und es wird wohl noch geraume Zeit vergehen, bis das Land so entwickelt ist, daß es die Einwanderung ohne besondere Hilfe absorbieren und sich über kritische Zeiten selbst hinweghelfen kann. Hierzu würde wesentlich beitragen, wenn die Bank Halvaoth ihre Sparkasseneinrichtungen über das ganze Land hin ausbauen würde. Aber es ist auch die Frage aufzuwerfen, ob die Tätigkeit der Bank Halvaoth auf die Stadt beschränkt bleiben soll. Mit der Entwicklung der Pflanzenkulturen nehmen die großen Kolonien immer mehr städtischen Charakter an. Eine neuere Statistik zeigt, daß über 70 Prozent der Bevölkerung in den fünf großen Pflanzenkolonien beruflich nichts mehr mit der Landwirtschaft zu tun haben, vielmehr städtischen Berufen angehören. Bisher hat man dieser Erscheinung wenig Beachtung geschenkt, und eben darauf beruhen nicht zum wenigsten die sozialen Schwierigkeiten, die die Entwicklung der Kolonien immer erschüttern. Man hat dabei ganz die Erfahrungen mit der Chancenfähigkeit des Juden außer acht gelassen, die so sehr dazu beigetragen hat, die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zu regulieren. Es sollte untersucht werden, ob nicht dieser Fähigkeit in Verbindung mit der Neigung der Juden zur Einzelbürgschaft auch bei der Entwicklung des Dorfes eine größere Rolle zugewiesen werden könnte als bisher, umsomehr als diese Entwicklung zweifellos immer mehr in städtischer Richtung gehen wird. Vielleicht könnte von den Erfahrungen, die die Bank Halvaoth beim Aufbau der Stadt gemacht hat, in Zukunft viel mehr als bisher auch für die Entwicklung der dörflich-halbstädtischen Siedlung profitiert werden. 152