Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 6 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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lung herangezogen werden mußten. Die Sparabteilung der Bank steht mit 2.357 Konten im Betrage von £ 4.632.— noch am Anfang ihrer Entwicklung. Im Nachfolgenden werden auf Grund der Erfahrungen der Filiale der Bank in Tel-Aviv einige Probleme gezeigt, die mit dem besonderen Charakter des jüdischen Ein Wandererelements zu tun haben. Die Filiale Tel-Aviv steht an zweiter Stelle hinter der Zentrale in Jerusalem. Sie gab im Jahre 1927/28 Anleihen im Betrage von £ 34.358 aus und hatte 22.697 Einzelrückzahlungen im Betrage von £ 33.307. Am Schlüsse des Jahres betrug die Zahl ihrer Kunden 2.858. Wirtschaftlicher Charakter von Tel-Aviv. Tel-Aviv ist eine Einwanderungsstadt. Ihr sozialer Charakter wird von den osteuropäischen Einwanderern bestimmt, die den weitaus größeren Teil ihrer Bevölkerung stellen. Der jüdische Einwanderer findet in Erez Israel und in Tel- Aviv weder kommerzielle Formen noch ökonomische Möglichkeiten, denen er sich anzupassen hat. Erez Israel hat bisher keine aufgeschlossenen Bodenschätze, keine besonderen industriellen Möglichkeiten. Der Orangenbau, der dieses Bild einmal ändern kann, steht erst im Anfang seiner Entwicklung. So ist Erez Israel ein Land, in dem der städtische Einwanderer nicht umzulernen braucht, weil keine Notwendigkeit, ja nicht einmal eine Möglichkeit dazu vorhanden ist. Die Chance, die ihm das Land bietet, besteht eben darin, daß er dort das aus seiner alten Heimat gewohnte Leben fortsetzen kann, ja muß. Demgemäß hängt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes vom Einwanderer ab und nicht umgekehrt. Das ist die entscheidende Tatsache, die dazu zwingt, bei der Betrachtung der gegenwärtigen ökonomischen Möglichkeiten Erez Israels in allem und jedem vom Einwanderer und seinen Qualitäten auszugehen. Der osteuropäische Einwanderer nach Erez Israel ist aber gerade für diesen Zustand sehr wenig geeignet. Er ist gewohnt und geschult, seine Existenz auf einem lebendig wirkenden Wirtschaftskörper aufzubauen, nicht aber eine neue Wirtschaft zu schaffen. Dazu kommt, daß diese Schulung eine sehr einseitige Tendenz und einen sehr beschränkten Umfang hat. Polen, woher er meistens stammt, aber auch Rumänien und Litauen sind mit Juden übersetzt. Aus vielerlei Gründen, die zu untersuchen nicht hierher gehört, konzentrieren sie sich im wesentlichen auf Handwerk und Zwischenhandel. Infolge der maßlosen Ueberfüllung dieser beiden Berufsgruppen findet in ihnen ein dauernder Berufswechsel statt, der zu einer typischen Erscheinung geführt hat: der Sucht und der daraus entstehenden Fähigkeit des osteuropäischen Juden, die jeweils beste Erwerbschance zu finden. Dieser Jude hängt nicht am Beruf, sondern an der „Parnosse". Da er für keinen Beruf genügend vorgebildet ist, steht ihm jeder offen und 147