Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 6 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen Studierenden müssen aber eine andere Beurteilung finden als die der NichtJuden, weil die Juden als altes Kulturvolk ein besonders stark ausgeprägtes Bildungsstreben besitzen. Der aufteilend hohe Prozentsatz der studierenden Juden hängt ferner mit der Verteilung der Juden auf Stadt und Land zusammen. Eine UeberSichtsstatistik, die einheitlich, nach gleichen Grundsätzen bearbeitet, sämtliche deutschen Hochschulen erfaßt, besteht erst seit dem Sommersemester 1928. Vorher gab es nur Länderstatistiken, so daß ein einheitliches Bild übear das Studium auf allen deutschen Hochschulen nur schwer zu gewinnen war. Aus der letzten Hochschulstatistik des Wintersemesters 1928/29 geht hervor, daß die Universitäten von 82.258 Studierenden besucht wurden. Rechnet man noch die übrigen Hochschulen hinzu, so erhalten wir eine Zahl von rund 130.000! An jüdischen Studierenden auf den Universitäten zählte man 3583 oder 4.36 Prozent. Der jüdische Bevölkerungsanteil in Deutschland betrug nach dem Volkszählungsergebnis des Jahres 1925 aber nur 0.9 Prozent, sodaß also ihr Universitätsbesuch weit das prozentuale Bevölkerungsverhältnis übersteigt. Es muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß in den Zahlen die studierenden Ausländer mitenthalten sind. Unter Berücksichtigung von 791 jüdischen Ausländern und 4145 Reichsausländern überhaupt, sinkt der Anteil jüdischer Studierender deutscher Nationalität auf 3.7 Prozent. Unter den Auslandsstudenten sind 19 Prozent jüdischen Glaubens; letztere machen 22 Prozent der Juden überhaupt aus. Die Verteilung der Geschlechter ist beachtenswert. Man zählte 2699 jüdische Männer und 884 jüdische Frauen. Leider ist ein Vergleich dieser Zahlen mit denen der Vorkriegszeit nicht möglich, weil die Statistik, wie erwähnt, erst seit einem Jahr besteht. Eine Verschiebung während dieser kurzen Zeitspanne ist nicht eingetreten. (Im Sommersemester 1928 lauteten die Zahlen 2733 und 838). Da im ganzen 12.303 Frauen dem Studium oblagen, bilden die Jüdinnen 7 Prozent der Studentinnen. Die Gliederung der Studierenden in Deutschland im Wintersemester 1928/29 möchte ich an einer nach In- und Ausländern und nach dem Geschlecht geschiedenen Tabelle demonstrieren: Tabelle I. WS. 1928/29 männlich weihlich zusammen Studierende insgesamt........ 69.955 12.303 82.258 davon Ausländer......... 3.439 706 4.145 Studierende jüd. Glaubens...... 2.699 884 3.583 davon Ausländer......... 633 158 791 Der Jude bevorzugt die freien Berufe, weil sie dem Antisemitismus am wenigsten Spielraum lassen. Das Rechtsstudium und das medizinische Studium bieten die Gewähr einer gewissen Unabhängigkeit. So widmeten sich im W.-S. 1928/29 29 Prozent aller jüdischen Hochschüler dem Studium der Rechte (1030 männliche und 131 weibliche Studierende, unter ihnen 107 Ausländer und 137