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Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1929-11-01 · 5 (November 1929) · page 26

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Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
3 (1929)
Issue
5 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Die Mitgliederzahl belief sich auf insgesamt 23.173; da nun jedes Mitglied eine Familie repräsentiert (nach den Statuten darf eine Familie jeweils nur ein Mitglied stellen), so ergibt sich, daß etwa zwei Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung Litauens die Volksbanken in Anspruch genommen haben. Diese rege Inanspruchnahme resultiert wohl aus der Tatsache, daß der Eintritt in die Volksbank auch den ärmsten Familien noch möglich ist (Der Eintrittsbeitrag beträgt mindestens M. 4,20.) Die Mitgliederschaft dieser Banken rekrutiert sich aus sämtlichen Schichten der jüdischen Bevölkerung Litauens, besteht jedoch hauptsächlich aus Kleinhändlern, Handwerkern und Arbeitern. So z. B. war die Verteilung der Mitglieder nach ihren Berufen folgende: Mittel- und Kleinhändler: 8732 Mitglieder oder 37,7% Handwerker jegl. Art: 6280 Mitglieder oder 27,1% Arbeiter und Angestellte: 2241 Mitglieder oder 9,6% Landwirte und Gärtner: 1294 Mitglieder oder 5,6% Industrielle und Kaufleute: 1770 Mitglieder oder 7,6% Freie Berufe: 816 Mitglieder oder 3,5% Ohne Beruf: 2040 Mitglieder oder 8,8% Insgesamt gewährten die jüdischen Volksbanken in Litauen im Vorjahre Darlehen in Höhe von (in Dollar umgerechnet) 4.974.210,8 Dollar. Von diesen Darlehen wurden etwa vier Fünftel als kurzfristige Darlehen (3 Monade) zu Produktions- und Handelszwecken gewärt. Nur ca. ein Fünftel der Darlehen bestand aus langfristigen (bis zu 6 Monaten) die zum großen Teil für den Häuserbau der während des Krieges um ihr Heim gekommenen Menschen gegeben wurden. Was nun die Höhe der gewährten Darlehen anbetrifft, so machen sie in den meisten Fällen ca. 300—400 Mark aus, eine Summe, die in Litauen immerhin dem jüdischen Handwerker die Anzahlung einer Maschine oder von Rohstoffen, dem jüdischen Händler den Mehreinkauf von Waren und dem Arbeiter persönliche Sonderausgaben ermöglicht. Die Popularität und das Vertrauen, das die Jüdische Volksbank unter der jüdischen Bevölkerung Litauens genoß, ist jetzt nach der Krisis der vorhergehenden Jahre wieder völlig hergestellt. Für diese Tatsache sprechen am besten die verhältnismäßig hohen Kapitaleinlagen und Kredite von öffentlichen Institutionen sowie Privatpersonen. Zu Beginn des Jahres 1929 wies die VolksbanV an Kapitaleinlagen auf: etwa 700.000 Dollar Privateinlagen und 600.000 Dollar Einladen öffentlicher Institutionen (Zentral-Bank, Joint Fondation u. a. Banken). Dr. K—o. AUS DER PRAXIS DER BERUFSBERATUNG Die Erwerbslbeschränkten — Sorgenkinder der Berufsberatung Jede Berufsberatung kennt sie, jene Kinder, die so schwer in den Beruf einzureihen sind, für die es kaum einen Beruf gibt, den sie ausüben können, selten einen, in dem sie etwas leisten können, und die auch nach der Unterbringung immer wieder die Lehrstelle aufgeben und wieder in die Berufsberatung zurückkommen. Ist der geeignete Beruf gefunden, so fehlt lange Zeit der Lehrmeister, der bereit ist, ein erwerbsbeschränktes Kind auszubilden. Der Staat hat, in Anerkennung dieser besonders schwierigen Aufgabe, bereits in vielen Fällen Prämien an die Handwerksmeister verteilt, die beispielsweise taubstumme Kinder bis zur Gesellenprüfung gefördert haben. Trotz dieses Anreizes besteht das Problem der Unterbringung dieser Kinder weiter und bildet eine Sorge für Eltern, Kinder und alle jene Stellen, die sich mit der Betreuung Jugendlicher zu beschäftigen haben. Verhältnismäßig leicht ist die Berufsfrage für solche Jungen und Mädchen, die, körperlich behindert, doch solche Sonderbegabungen aufweisen, die ihnen die Möglichkeit zur Kompensierung ihrer körperlichen Minderwertigkeit geben. Am schwersten ist die Berufsberatung geistig Behinderter, und jede Unterbringung muß als Versuch gewertet werden, weil die Entwicklung dieser Kinder häufig nicht so gradlinig ist, daß für die Zukunft irgendwelche Sicherheiten gegeben wären. Von diesen Sorgenkindern sei zunächst gesprochen. 122

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