Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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die (hiesigen Vereine und Logen zu «iner Besprechung einzuladen. In dieser Rücksprache sollte auf unseren Verein aufmerksam gemacht werden; die genannten Institute sollten einen Teil ihrer flüssigen Gelder bei uns au mäßigen Zinssätzen anlegen, damit wir den an uns gestellten größeren Anforderungen genügen konnten. In diese>r Versammlung erklärten sich die Herren Kuratoren der Fraenkelschen Stiftungen, die bis zu Beginn der Inflation eine Darlehenskasse unterhalten hatten, bereit, denjenigen Personen oder Vereinen, die Darlehen für die Jüdische Mittelstandshilfe zur Verfügung stellten, eine Garantie von 75 Prozent zu geben, außerdem stellten die Herren Kurataren bereitwilligst ihre Räume und Ihre Arbeitskräfte zur Erledigung der Darlehen zur Verfügung, da die Kassensachen durch die Ausdehnung des Vereines von einem Vorstandsmitgliede nicht mehr erledigt werden konnten. Wie notwendig die Weiterarbeit und Ausdehnung unseres Vereines war, ergibt sich daraus, daß wir im Jahre 1926 192 Da^ehen im Gesamtbetrage von Mk. 85 000.—, 1927 223 Darlehen im Gesamtbeträge von Mark 115.000.— und 1928 287 Barlehen im Gesamtbetrage von Mk. 180.000.— ausgegeben haben. In diesem Jahre waren es bis 31 Juli 190 Darlehen im Gesamtbeträge von Mk 120.000.—. Die Verzinsung ist wie bisher weiter 3.6 Prozent p. a., nur daß wir seit dem Jahre 1926 den Höchstbetrag der einzelnen Darlehen auf Mk 1000.— und seit Ende 1927 auf Mk. 1500.— festgesetzt haben Sämtliche Darlehen müssen durch zwei Bürgen, bezw. durch Effekten oder W'ertgegenstände, wie üold, Silber. Edelsteine, gedpckt sein, nur ein Betrag von Mk. 5000.— ist ausgeworfen; .hiervon werden Darlehen bis zur Höhe von Mk. 300.— an würdige Petenten zinsfrei und ohne Bürgen gegeben. Für den Ausfall aus diesen Darlehen hat die Gemeinde . die Bürgschaft übernommen. Wir müssen entgegen der Ansicht des Herrn Hartog sagen, daß die Darlehensnehmer stets einwandfreie Bürgen gefunden hab^-n. ferne** steht fest, -daß dem allergrößten Teil der Darlehensnehmer durch das von der Mittelstandshilfe gegebene Geld geholfen worden ist, dies ist schon daraus zu ersehen, daß mindestens 95 Prozent die Darlehen selbst zurückgezahlt haben und nur von den restlichen 5 Prozent die Bürgen zahlen mußten. Ein Teil der Darlehensnehmer hat nach pünktlicher Rückzahlung wieder Darlehen erhalten. Sogar von den ohne Bürgen gegebenen Mk. 5000.— gingen die Rückzahlungen pünktlich ein, allerdings ist hier der Betrag in zehnmonatlichen Raten zu zahlen. Die Rückzahlung der Darlehen beginnt überhaupt erst nach zwei Monaten und wird jetzt auch bei größeren Darlehen von Mk. 1000.— bis 1500.— auf Wunsch ebenfalls auf 10 Monate verteilt. Die Darlehens- Kommission, die jeden Mittwoch tagt und aus den Herren Kuratoren der Fraenkelschen Stiftungen und 6 Herren des Vorstandes der Jüdischen Mittelstandshilfe besteht, weiß wobl die Würdigkeit der Darlehensnehmer zu beurteilen. Darlehensgesuche, die von Petenten eingehen, die nicht würdig sind und von denen wir wissen, daß die Bürgen bezahlen müßten, lehnen wir ab. Wir machen die Bürgen auf das, was wir UD^r die Darlehensnehmer wissen bezw. erfahren haben, aufmerksam. Aus dem hier Gesagten ist nun zu ersehen, daß wir einem großen Teil unserer hiesigen jüdischen Bürger Existenzen begründet bezw. erhalten haben. Wir gehen jetzt sogar mit dem Gedanken um, die Höhe des jeweiligen Darlehens auf Mk. 2000.— zu erhöhen, wenn wir hierbei die Unterstützung der Synagogen-Gemeinde erhalten, die unser Werk bisher in großzügiger WTeise gefördert hat.44 Die Tätigkeit der Jüdischen Volksbanken in Litauen Als einziges üeberbleibsel der einstigen jüdischen Autonomie in Litauen existiert noch das kooperative Kreditwesen in der Form der jüdischen Volksbanken. Ungeach+et der schwierigen politischen und ökonomischen Situation unter dem gegenwärtigen Regime Litauens haben die jüdischen Volksbanken eine absolut günstige Entwicklung erfahren. Aus dem Bericht der „Jüdischen Volksbanken in Litauen'1 für das Jahr 1928 geht hervor, daß zu Beginn des Jahres 1929 in Litauen 88 jüdische Volksbankfilialen, die 317 verschiedene größere und kleinere Städte mit Krediten versorgten, vorhanden waren. 121