Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 5 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Sicherung zugunsten der Kriegsbeschädigten und der Sozialrentner auswirken, ist daraus ersichtlich, daß hei 1.4 Millionen Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen die zahl der unterstützten Parteien 111.500, bei 3.5 Millionen Sozialrentnern 719.000 betrug. Die unmittelbaren Fürsorgeleistungen in der offenen und geschlossenen Fürsorge kosteten rund 886 Millionen RM., davon 462 Millionen RM. die laufende offene, 227 Millionen RM. die geschlossene Fürsorge. Da die Kleinrentner meist ausschließlich auf die Fürsorge angewiesen sind, erforderten sie fast die gleichen Aufwendungen wie die Sozialrentner, obwohl «ie nur 402.000, die Sozialrentner dagegen 719.000 Parteien stellen. Die Gesamtausgaben der Bezirksfürsorgeverbände betrugen 1.242 Millionen RM. Der größte Teil der Ausgaben entfiel mit rund 717 Millionen RM. auf die wirtschaftliche Fürsorge, die Gesundheitsfürsorge erforderte 145.2 Millionen RM. Der Rest entfällt u. a. auf Wochenfürsorge, Berufsausbildung, öffentliche Jugendpflege, Zuschüsse zu Einrichtungen, auch zu solchen der freien Wohlfahrtspflege, Erstattungen usw. Nach Abzug der Einnahmen bleibt ein Zuschussbedarf von 1.026 Milliarden RM. Auf den Kopf der Bevölkerung sind das 16.44 Reichsmark. Die Landesfürsorgeverbände, die in der Hauptsache die Landeshilfsbedüi fügen und in einigen Ländern Geisteskranke, Taubstumme, Blinde, Krüppel usw. betreuen, verbrauchten für Fürsorgeleistungen 128.3 Millionen RM. Einschließlich der Beihilfen an Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, an leistungsschwache Fürsorgeverbände und einschließlich der Erstattungen betrugen ihre Ausgaben 232.6 Millionen RM. Die ungedeckte Fürsorgelast betrug 1.249 Milliarden RM. oder auf den Kopf der Bevölkerung 20.01 RM. Die Bedeutung dieser Zahlen erhellt aus der Gegenüberstellung mit einigen Summen des Reichshaushaltes 1927- 1928. In diesem Jahr betrug die Isteinnahme aus der Lohnsteuer 1.348 Milliarden RM., die Vermögenssteuer 0.442 Milliarden RM. und die Ausgaben für die Versorgung der Kriegsbeschädigten 1.38 Milliarden RM. Anwachsen der deutschen Sozialversicherung In dem vom Hauptverband deutscher Krankenkassen soeben herausgegebenen Jahrbuch der Krankenversicherung entwirft Regierungsrat Dr. G. Dobbernack (Reichsarbeitsministerium) ein eindrucksvolles Gesamtbild der deutschen Sozialversicherung. Danach hat die Zahl der Versicherten in den einzelnen Versicherungszweigen seit der Vorkriegszeit eine außerordentliche Steigerung erfahren. Mehr als die Hälfte der deutschen Gesamtbevölkerung (63,2 Millionen), genau 51,3 Prozent standen bei der letzten Berufszählung im Jahre 1925 unmittelbar im Erwerbsleben gegenüber 45,7 Prozent nach der Berufszählung von 1907. Von den Erwerbstätigen entfielen 1925 auf die Arbeiter 14,4 Millionen gegenüber 12,8 Millionen in der Vorkriegszeit. Dieser Zustrom in die Arbeitermassen wirkt sich natürlich unmittelbar besonders in der Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung aus. Bei der Krankenversicherung ist zu bemerken, daß der Kreis der wirklich Anspruchsberechtigten sehr weit über den Kreis der eigentlichen Versicherten hinausgeht, da die Krankenkassen in immer größerem Umfange die Familienversicherung ausbauen, so daß gegenwärtig von der Krankenversicherung außer den etwa 20 Millionen Versicherten noch 15 Millionen Familienangehörige versorgt werden, während vor dem Kriege etwa 1(5 Millionen Versicherte und nur 4 Millionen versicherte Familienangehörige gezählt wurden. Die Zahl der anspruchsberechtigten Personen hat sich seit 1907 ohne Einfluß des Gesetzes um etwa 75 Prozent erhöht. Das verhältnismäßig stärkste Anwachsen des Versichertenkreises ist in der Angestelltenversicherung zu verzeichnen. Die Zahl der Angestellten in der Angestelltenversicherung hat sich von 1,74 Millionen im Jahre 1913 auf 3,31 Millionen in der Gegenwart, also um rund 90 Prozent erhöht. Insgesamt stehen über ein Drittel des deutschen Volkes unmittelbar als Versicherte und fast ein Viertel mittelbar als Familienangehörige der Versicherten, also zusammen über die Hälfte der Bevölkerung unter dem Schutze der deutschen Sozialversicherung. 119